Magdeburg l Das Theater Magdeburg wendet sich seit dem 24. März 2020 via Internet an seine Zuschauer. Künstler senden aus dem eigenen Wohnzimmer kleine Beiträge an die aktuell vom Kunstgenuss auf den Bühnen ausgesperrte Fangemeinde.

An den städtischen Bühnen in Magdeburg hat offenbar ein Umdenken eingesetzt zum Umgang mit der aktuell alle betreffenden Corona-Krise und ihren Auswirkungen bis in jeden privaten Haushalt hinein – Kontaktsperre, Begegnungsverbot, berufliche Probleme, Existenzangst, Kinderbetreuung ...

Umdenken am Theater Magdeburg

Schon am 18. März 2020 hatte der Hallische Schauspiel-Intendant Matthias Brenner die deutschen Theater aufgerufen, sich nützlich zu machen und über eine Online-Kontaktaufnahme mit dem Publikum hinaus zu überdenken, ob Theaterwerkstätten bei der Herstellung von Atemschutzmasken (akuter Mangel) oder Schutzkleidung hilfreich sein könnten. Parallel gingen zahlreiche kleinere Kultur- und Jugendeinrichtungen in Magdeburg online und präsentieren, wie etwa „Moritzhof on Air“, kulturelle Angebote regelmäßig im Internet. Nach solchen und ähnlichen Initiativen im Umgang mit der Krise und nach seiner Haltung zur Idee des Hallischen Intendanten Brenner gefragt, winkte das Theater Magdeburg zunächst ab und ließ verlauten, dass es hier keine solchen Überlegungen gebe.

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Nachdem inzwischen zahlreiche Theater im ganzen Land (unter anderem die Oper Halle) in die Herstellung von Schutzkleidung für händeringend um Unterstützung bittende Kliniken und Praxen eingestiegen sind und etliche weitere Bühnenhäuser Online-Kulturangebote im Netz offerieren, fragte die Volksstimme am Montag erneut im ortsansässigen Theater nach. Tatsächlich wird es nun doch initiativ – zunächst via Internet.

Generalmusikdirektorin mit Online-Premiere

„Unser Leiter Digitales Marketing, Andreas Drabe, hat sich bewusst etwas Zeit genommen, um wirklich gute Videos ins Netz stellen zu können. Außerdem benötigt es etwas Vorlauf und auch die Abteilung musste sich an die Corona-Zeit erst gewöhnen“, sagt Theatersprecherin Christine Villinger am 24. März 2020 auf Nachfrage der Volksstimme. Am selben Tag ging der erste Beitrag online und der dürfte das geneigte Theaterpublikum tatsächlich überraschen. Generalmusikdirektorin Anna Skryleva persönlich bringt den Theaterfans da draußen ein Ständchen aus dem eigenen Wohnzimmer. Das Lied „So lonely night in Berlin“ stammt aus ihrer eigenen Feder; Komposition, Text, Klavier, Gesang – alles Skryleva. Ein sympathischer Auftakt für eine Serie künstlerischer Wortmeldungen aus den Magdeburger Theaterensembles.

„Diese Inhalte kommen dann ungefähr immer im Abstand von zwei bis drei Tagen“, erklärt Theatersprecherin Villinger. Sie sind auf Facebook und Instagram zu sehen. „Das Theater Magdeburg wird also auch online in dieser Richtung präsent sein und hoffentlich vielen Menschen Freude bereiten. Und vielleicht gewinnen wir so sogar Leute für das Theater, die bislang uns noch nicht kannten oder nicht kamen, nun aber in Zukunft uns auch gerne live kennenlernen möchten.“

Alle Sparten machen mit

Die Online-Theaterhäppchen in Zeiten der virusbedingten Bühnenschließung werden laut Villinger als ein buntes Sammelsurium aus allen Sparten serviert. Orchestermusiker, Sänger, Schauspieler – alle bereiten kleine Präsentationen aus den heimischen Wohnstuben vor, gemischt mit dem einen oder anderen Beitrag aus der Konserve, also Aufzeichnungen. „Wir sind da natürlich nicht aufgestellt wie die Deutsche Oper und können viele Produktionen schon aus Gründen des Urheberrechts nicht online veröffentlichen“, bittet Villinger um Verständnis für die Beschränkung aufs für ein Stadttheater Machbare und qualitative Abstriche mit Blick auf fehlende Hightech-Aufnahme- und Übertragungstechnik.

Schneiderei aktuell geschlossen

Aktuell liegt das Leben am Theater brach. Auch geprobt wird nicht am Haus. Die Mitarbeiter - insgesamt hat das Theater 445 Beschäftigte – sind angehalten, zu Hause zu bleiben. „Laut Dienstanweisung darf das Haus nur noch in dringenden Fällen betreten werden“, so Villinger. Das gelte auf jeden Fall für die Frist des bundesweit verhängten Kontaktverbotes bis 5. April 2020. „Bis dahin wollen wir auch die Mitarbeiterinnen der Schneiderei nicht in Gefahr bringen“, so Villinger. Ihre Arbeitsplätze lägen dicht beieinander. Nach dem 5. April 2020 und im Falle einer Lockerung der allgemeinen Kontaktsperre hält es aber nun auch das Theater Magdeburg für denkbar, sich wie andere Bühnenhäuser im Land an der Herstellung von Schutzkleidung zu beteiligen.

Bisher habe das Theater noch kein entsprechender Hilferuf ereilt, aber sollte das geschehen, „werden wir uns sicher nicht sträuben“, lenkt die Theatersprecherin ein und gesteht, dass sie sich eingangs der Krise nicht habe vorstellen können, dass selbst das ärztliche und pflegende Personal in Klinken und Praxen wegen Versorgungsengpässen in Sachen Desinfektion und Schutzkleidung derart in Bedrängnis geraten könnte.

Aktuell geschlossen ist auch die Theaterkasse. Zu Modalitäten bei der Rückgabe von Karten für nun ausfallende Vorstellungen werde das Theater zeitnah im Internet informieren, verspricht Villinger.

 

www.theater-magdeburg.de und www.facebook.com/Theater.Magdeburg