Magdeburg l Still und heimlich waren im Juni 2019 per Sattelschlepper rund 300.000 Bücher aus dem mittelsächsischen Oschatz nach Magdeburg gekommen. In einer Lagerhalle in Buckau unweit der Schönebecker Straße wurde dieser Teil der Peter-Sodann-Bibliothek untergebracht. Dies aber abseits der Öffentlichkeit, abseits der neugierigen Blicke von Passanten.

Doch schon damals hieß es: Wenn es sich anbietet, dann soll in Magdeburg den Menschen die Literatur aus Zeiten der DDR zugänglich gemacht werden. Wie und wann genau dies möglich sein würde, stand damals noch nicht fest.

Platz auf 100 Quadratmetern

Nun aber ist klar: Ein Ladenlokal im Nordabschnitt des Breiten Wegs wird künftig für Peter Sodanns Bücherecke genutzt. Rund 100 Quadratmeter werden im Breiten Weg 29 zur Verfügung stehen. Vor Ort sollen die Benutzer die Bücher lesen können. Details zu der neuen Einrichtung sollen in der zweiten Hälfte des Oktobers 2020 bekanntgegeben werden.

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Die Peter-Sodann-Bibliothek hat ihren Stammsitz in Staucha bei Meißen. Gegründet wurde diese wiederum im Jahr 2017 als Genossenschaft, „um das zweite Lebenswerk von Peter Sodann zu erhalten und fortzuführen“, wie es seitens der Einrichtung selbst heißt.

Sammlung wächst seit 30 Jahren

Denn seit dreißig Jahren sammelt Peter Sodann Literatur und Druckerzeugnisse, die vom 9. Mai 1945 bis zum 2. Oktober 1989 legal oder illegal im Osten Deutschlands erschienen sind. Wie er bei einem Besuch im vergangenen Jahr in Magdeburg erläuterte, geht es ihm darum, dass sich auch die kommenden Generationen über die Zeit nach dem deutschen Faschismus informieren können. Es gehe darum, dass sich die Menschen ein Bild machen können jenseits von Ideologie und Ostalgie. „Diese Bücher gehören zur deutschen Geschichte“, so die Überzeugung des Bewahrers ostdeutscher Literatur.

Den Impuls für die Sammlung hatte die Vernichtung von Büchern in der Zeit der Wiedervereinigung gegeben. Damals waren unzählige druckfrische Bücher aus in der DDR ansässigen Verlagen vernichtet worden, da man meinte, dass sie nicht mehr verkäuflich seien, dass sie nicht mehr in die Zeit passen.

Öffentlichkeit für Literatur des Ostens

Dies, so Peter Sodann bei seinem Magdeburg-Besuch vor fast anderthalb Jahren, habe ihn erschüttert: Unter anderem waren in diesem Zuge die Werke von Schriftstellern ein zweites Mal vernichtet worden, deren Werke wenige Jahre zuvor bei den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten auf den Scheiterhaufen gelandet waren. Und unter den Büchern, die zu DDR-Zeiten geschrieben wurden, sind neben jenen, in denen sich der Zeitgeist widerspiegelt auch solche, die sich kritisch und visionär mit den damaligen Verhältnissen auseinandersetzen.

Mehr als zwei Millionen Bücher werden in Staucha bisher gesichtet, verwaltet, sortiert, katalogisiert, in Regale gestellt und sind dort öffentlich zugänglich. Unter anderem aus Haushaltsauflösungen wächst der Bestand der Bibliothek weiter.