Magdeburg l Jugendliche, die sich auf der Jagd nach dem Ball auf dem Bolzplatz am Großen Gang im Magdeburger Stadtteil Diesdorf verausgaben, haben bislang keine Möglichkeit, ihre Notdurft in der Nähe zu verrichten. Um das zu ändern, erörterten die Mitglieder des Heimatvereins Diesdorf mit Vertretern des Städtischen Abfallwirtschaftsbetriebs die Möglichkeiten zur Errichtung einer Toilettenanlage.

Der Idee des Heimatvereins vorausgegangen waren einige Beschwerden von Anwohnern, die regelmäßig Wildpinkler beobachtet hatten. Die nahegelegene Endhaltestelle der Straßenbahn wurde von Jugendlichen oft als Treffpunkt und für Biergelage genutzt, sagte Jan Müller, Schatzmeister des Heimatvereins.

Öffentliche Toilette "wahnsinnig teuer"

Über eine Stadtratsanfrage von Mitglied Christian Hausmann (SPD) gelangte das Vorhaben zu Andreas Stegemann und Sylvia Voigt vom Städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb. „Die Einrichtung einer richtigen, öffentlichen Toilette ist wahnsinnig teuer“, sagte Voigt.

Sie brachte daher drei Varianten für sogenannte Trockentoiletten mit, die alle ohne Wasseranschlüsse auskommen. Das Problem an der Sache: Die Öko-Örtchen sind nicht für den städtischen Raum vorgesehen. Es würde sich also um ein Pilotprojekt handeln. Die Mitglieder des Heimatvereins zeigten sich skeptisch, vor allem was Handhabung, Hygiene und eine mögliche Geruchsbelästigung anbelangt.

Anschlüsse sind vorhanden

Sie hatten aber einen Gegenvorschlag parat: Gegenüber des Bolzplatzes liegt der ehemalige Speisesaal der Grundschule, der im Zuge der Sanierungsarbeiten abgerissen und in einen Schulgarten umgewandelt werden soll. „Wir hatten überlegt, ob man nicht, weil ja Wasser- und Toilettenanschlüsse vorhanden sind, diese gleich nutzt und umbaut in eine Außentoilette“, erklärte Manfred Kurth. So könne man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

„Wenn die Kinder im Schulgarten sind, müssen sie nicht mit den Dreckschuhen wieder in das Schulgebäude, sondern könnten gleich hier zur Toilette gehen“, führte er aus. Außerdem könnten die Wasseranschlüsse zur Bewässerung des Gartens genutzt werden.

Zeiten des Plumsklos sind vorbei

„Davon höre ich jetzt zum ersten Mal“, zeigte sich Voigt überrascht. „Wir sind auch nicht unbedingt Freunde von Trockentoiletten. Wenn es jetzt hier eine andere Möglichkeit gibt, richtig mit Wasseranschluss, dann ist das viel besser“, sagte sie und fuhr fort: „Wir sind froh, dass die Zeiten des Plumsklos vorbei sind und eigentlich möchte ich die im städtischen Raum auch nicht wieder haben.“ Eine Reinigung der Toilettenanlage müsse allerdings von Seiten des Heimatvereins oder der Schule organisiert werden.

Um die Möglichkeit des Umbaus der vorhandenen Toiletten des Speisesaals abzuklären, soll in naher Zukunft ein Gespräch mit dem Kommunalen Gebäudemanagement erfolgen.

Ein Vorschlag, im Bereich der Endhaltestelle eine öffentliche Toilette einzurichten, wo sich bereits eine Toilette für MVB-Fahrer befindet, hatte die Stadt bereits im Vorfeld abgelehnt. Eine öffentliche Nutzung der Toiletten im Schulgebäude wiederum hatte der Fachbereich Schule und Sport ausgeschlossen. Gleiches gilt auch für die Sporthalle an der Straße Am Neuber.