Magdeburg l Ein erstes größeres Loch in der Fassade zeigt es an: Der Abriss der ehemaligen Hautklinik auf dem Campus des Uniklinikums in Magdeburg hat begonnen. Bis 2020 soll dort für rund 100 Millionen Euro ein neues Herzzentrum gebaut werden. Dafür muss allerdings ein ehemals denkmalgeschütztes Gebäude (Haus 15 des Uniklinikums) weichen.

1931 war die Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten in dem Bau eröffnet worden. Mit geplant worden war der Gebäudekomplex aus Backstein von Johannes Göderitz, einem wichtigen Vertreter des „Neuen Bauens“ und der Epoche der Moderne in den 1920er und -30er Jahren. Göderitz hatte unter anderem in Magdeburg auch die Hermann-Gieseler-Halle und die Stadthalle mit entworfen.

Zeichen der Moderne verschwindet

Das Gebäude-Ensemble an der Leipziger Straße gehört mit zu den sichtbaren Zeichen der Moderne und des „Neuen Bauens“ in Magdeburg. Darum ist der Abriss auch nicht unumstritten — besonders, da Magdeburg 2019 anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Bauhaus“ mit einem Programm aus Ausstellungen und Veranstaltungen an die Errungenschaften der Magdeburger Moderne der 1920er Jahre erinnern will.

Lange war im Landtag von Sachsen-Anhalt über den Abriss kontrovers diskutiert worden (Krankenhausfinanzierung ist Ländersache), auch hatte sich unter anderem die „Deutsche Gesellschaft für Krankenhausgeschichte“ (DGKG) gegen einen Abriss des Göderitz-Baus ausgesprochen und die Denkmalschutzbehörde hatte den Abriss anfangs sogar abgelehnt.

Haus nicht für Herzzentrum geeignet

Am Ende überwogen bei der Entscheidung für oder gegen einen Abriss praktische Gesichtspunkte. Für ein modernes Herzzentrum sei der Bau nicht geeignet, der Standort direkt an der Leipziger Straße dagegen zwingend, argumentierte die Klinikleitung unter ihrem Ärztlichen Direktor Dr. Jan Hülsemann. Notwendig sei die unmittelbare Nähe des Zentrums zum Hauptgebäude 60a mit dem neuen Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach und zur Notaufnahme.

Der Göderitz-Bau selbst sei schlicht zu klein (niedrige Decken, enge Flure, zu wenig Platz für moderne Herz-OP-Säle) für die hohen Anforderungen an ein modernes Herzzentrum, das möglichst für die kommenden 30 Jahre Bestand haben soll. Dieser Sichtweise hat sich dann letztendlich auch der Denkmalschutz angeschlossen und den Abriss freigegeben.

Haus wird entkernt und abgebrochen

In den kommenden Wochen wird das Gebäude entkernt und dann abgebrochen. Baufreiheit dafür war bereits in den vergangenen Wochen geschaffen worden, unter anderem wurde eine Baustellenzufahrt Richtung Leipziger Straße eingerichtet.

Zukünftig sollen im neuen Herzzentrum am Uniklinikum jährlich rund 1000 Herzoperationen vorgenommen werden.