Verkehr

Der Pfälzer Straße in Magdeburg bleiben die Autos

Stadträte und Studenten haben für eine weitere Verkehrsberuhigung der Pfälzer Straße in Magdeburg demonstriert. Doch die Stadtverwaltung sieht kaum Chancen.

Von Martin Rieß
Am Übergang von der Gustav-Adolf-Straße zur Pfälzer Straße in Magdeburg markieren große rote und blaue Fußtapsen die Stelle, an der Fußgänger zwischen den beiden Teilen des Campus der Otto-von-Guericke-Universität wechseln. In diesem Bereich gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde.
Am Übergang von der Gustav-Adolf-Straße zur Pfälzer Straße in Magdeburg markieren große rote und blaue Fußtapsen die Stelle, an der Fußgänger zwischen den beiden Teilen des Campus der Otto-von-Guericke-Universität wechseln. In diesem Bereich gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde. Foto: Martin Rieß

Magdeburg - Ende Mai 2021 hatte es bereits eine Fahrraddemonstration von der Pfälzer Straße in die Innenstadt gegeben. Forderung: Die Straße möge eine weitere Verkehrsberuhigung erfahren. In einer Anfrage hatte die Stadtratsfraktion Grüne/Future das Thema auch offiziell an die Magdeburger Stadtverwaltung herangetragen.

Mehrere Punkte waren aufgeführt worden, wie der Autoverkehr in der Straße zurückgedrängt werden könnte - und jetzt hat das Baudezernat eine Stellungnahme mit Antworten auf die einzelnen Fragen zusammengestellt. Allesamt umfassen sie Gründe, warum an der derzeitigen Situation nichts verändert werden sollte. Hier die einzelnen Punkte.

Argumente gegen die Verkehrsberuhigung

? Fahrspur wegnehmen: Zwischen dem Kreisverkehr auf dem Pfälzer Platz und dem Übergang von der Pfälzer Straße in die Gustav-Adolf-Straße gibt es auf der Strecke pro Fahrtrichtung zwei Spuren für die Autos. Der Vorschlag: Hier könnte die Zahl der Spuren pro Richtung auf eine reduziert werden. Doch dem stünde, so die Stadtverwaltung, die Nutzung des Bereichs als Warte- und Pausenpunkt für jene Busse der Magdeburger Verkehrsbetriebe, die hier und nicht erst im Wissenschaftshafen ihre Endhaltestelle haben, im Wege.

Wenn nämlich ein Bus mehrere Minuten auf den Start zur neuen Fahrt in Richtung Olvenstedter Platz wartet, müsse eine zweite Spur zur Verfügung stehen, damit Autos den wartenden Bus passieren können.

Wandel im Wissenschaftshafen abwarten

Interessant werden könnte die Idee aber längerfristig: Wenn nämlich der Wissenschaftshafen zur Wohn- und Gewerbenutzung weiter belebt wird, dürfte die Forderung nach einer Verlängerung der Buslinie 73 bis in den nördlichen Bereich des Wissenschaftshafens wieder laut werden, so dass möglicherweise eine Wartezone unweit der Unimensa dann ohnehin nicht mehr benötigt würde.

? Sperrung: Und wie wäre es, den motorisierten Individualverkehr völlig aus der Straße herauszuholen? Das, so das Papier der Verwaltung, müsste vorher genau untersucht werden. Denn der Verkehr, der nicht mehr durch die Pfälzer Straße fließt, würde sich wohl andere Wege suchen. Jene, die das Auto nicht wegen der Sperrung der Pfälzer Straße zu Hause stehen lassen und auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen, würden dann in der Gareisstraße oder in der Sandtorstraße und im Anschluss beispielsweise in der Wittenberger Straße für mehr Autoverkehr sorgen.

Belastung für andere Straßen befürchtet

Schon jetzt wird ein Teil des möglichen Autoverkehrs um die Pfälzer Straße herumgeleitet: Weder ist es möglich, aus der sich anschließenden Gustav-Adolf-Straße links in die Walther-Rathenau-Straße in Richtung Nordbrückenzug abzubiegen, noch ist es möglich, auf der Walther-Rathenau-Straße aus Richtung Universitätsplatz kommend links in Richtung Pfälzer Straße abzubiegen.

? Fahrradstraße: Um den Autoverkehr zu bremsen, könnte auch eine Fahrradstraße eingerichtet werden. Sobald hier Radfahrer unterwegs wären, würden sie dann die Geschwindigkeit bestimmen. Einen Anspruch, dass sie Platz zum Überholen bekommen, hätten Autofahrer dann nämlich nicht mehr.

Doch auch hier sieht das Baudezernat der Magdeburger Stadtverwaltung derzeit wenig Chancen. Es verweist auf die Vorgaben des Gesetzgebers. Demnach dürften Fahrradstraßen nämlich nur ausgewiesen werden, wenn in einer Straße bereits jetzt die Radfahrer in der Mehrheit sind oder wenn das wenigstens für die nahe Zukunft zu erwarten ist. Beides, so ist dem Papier aus dem Baudezernat zu entnehmen, sei aber in der Pfälzer Straße nicht der Fall.

Mittelfristig ist Veränderung in Sicht

Die Pfälzer Straße verbindet die Mitte der Alten Neustadt mit der nördlichen Altstadt. Spätestens mit der Schaffung von barrierefreien Haltestellen in der Straße wird die Frage einer Verkehrsberuhigung hier wieder auf den Tisch kommen. Bereits in der Vergangenheit war die Strecke trotz einer, verglichen mit anderen Hauptstraßen, geringen Verkehrsbelastung ausgemacht worden als eine Achse in dem Stadtteil, auf dem die Flächen und Priorisierungen für den Verkehr völlig neu verteilt werden könnten.