Hauptbahnhof

Deutsche Bahn erneuert Gleise in Magdeburg

Auf und am Hauptbahnhof Magdeburg werden alte Gleise und technischen Anlagen rundum erneuert.

Magdeburg l Kraftvoll schlägt der Abbruchhammer in die Kante von Bahnsteig 2 ein. Der Bagger schiebt das Stahlgeländer beseite, Bauschutt stürzt an die Stelle, wo vor wenigen Wochen noch Züge über die Gleise rollten. Bei einem Rundgang über den Magdeburger Hauptbahnhof zeigt sich: Von den bekannten Bahnsteigen 1 bis 5 ist wenig geblieben.

Alte Schienen und Weichen müssen weichen. Ein Teil von ihnen bleibt solange liegen, wie sie für Bauzüge benötigt werden, danach verschwinden auch sie aus dem Bild. „Derzeit geht es an vielen Stellen darum, mit den Abbrucharbeiten Platz für die Modernisierung der Anlage zu schaffen“, erläutert Birgit Hartmann, die das laufende Bauvorhaben auf dem Magdeburger Hauptbahnhof seitens der DB Netz leitet.

Möglich sind die Arbeiten, da die neuen Brücken über die Ernst-Reuter-Allee für die Gleise 6 bis 13 inzwischen in Betrieb sind. Mit der Inbetriebnahme konnten die Gleise 1 bis 5 erst gesperrt werden, und der Umbau des seit März 2018 gesperrten Bereichs konnte beginnen.

Birgit Hartmann erläutert: „Ein solch umfangreicher Umbau von Gleisanlagen ist ziemlich aufwendig.“ Nicht allein veraltete Gleise und Technik werden demontiert. Bis in anderthalb Meter Tiefe wird hier ein neues Gleisbett angelegt. Dazu gehört, dass Metall und Steine fein säuberlich voneinander getrennt werden und dass die vor Jahrzehnten gegen Fäulnis und Pilzbefall imprägnierten Bahnschwellen fachgerecht entsorgt werden. Bei Arbeiten im Boden unweit des Magdeburger Stadtzentrums muss – wie auf anderen Baustellen in diesem Gebiet auch – nach im Erdreich verborgenen Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht werden.

Während der Schutt von den Bahnsteigen an dieser Stelle nicht wiederverwendet wird, sollen die Träger für die Dächer über den Bahnsteigen wieder genutzt werden. Birgit Hartmann erläutert: „Dazu werden die Dächer so weit wie möglich demontiert. Es wird genau dokumentiert, an welcher Stelle welches Teil verbaut war.“ Damit soll sichergestellt werden, dass bei der erneuten Montage alle Teile zusammenpassen. Diese Montage erfolgt, wenn die Stahlkonstruktionen der Überdachungen einen neuen Korrosionsschutz erhalten haben und gestrichen sind, mit einer neuen Dachhaut.

An anderen Stellen sind trotz des vorherrschenden Bildes vom Abbruch bereits neue Dinge zu sehen. In Höhe der Stresemannstraße montieren dieser Tage beispielsweise Arbeiter neue Weichen, von denen in diesem Bereich rund 40 neue eingebaut werden sollen. Bei einer Reihe von ihnen handelt es sich um Maßanfertigungen für den Verlauf der Gleise auf dem Magdeburger Hauptbahnhof. „Wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind, können die vorbereiteten Weichen einfach mit dem Drehkran an die richtige Stelle gehoben werden“, berichtet die Projektleiterin.

Zwischen all dem derzeit laufenden Abriss und Umbau ein weiterer Punkt, bei dem im Rahmen des Pakets der Deutschen Bahn bereits neu gebaut wird: An der Ernst-Reuter-Allee wird an neuen Treppenhäusern gearbeitet. Die Gleise 7 und 8 verfügen bereits über eine solche direkte Treppe zur künftigen Straßenbahnhaltestelle Kölner Platz. Wegen der Bauarbeiten unterhalb ist dieses für die Öffentlichkeit aber noch gesperrt. Teilen werden sich künftig die Gleise 1 und 2 sowie 3 und 4 ebenfalls je ein Treppenhaus zur Ernst-Reuter-Allee.

Auch das Innere des Hauptbahnhofs soll erneuert werden. Erster Vorbote ist die neue Toilette im Fußgängertunnel zum Kölner Platz. Hier entsteht zudem ein neuer Warteraum. An den neuen Aufzügen haben die Arbeiten noch nicht begonnen. „Und auch die Erneuerung des Fußgängertunnels konnte das Bahnhofsmanagement noch nicht auf den Weg bringen, da der Platz nicht reicht, solange die Strecke an der Ernst-Reuter-Allee für Fußgänger gesperrt ist und diese den Weg durch den Hauptbahnhof nutzen“, erläutert Birgit Hartmann.

Derzeit investiert die Deutsche Bahn in Magdeburg erheblich. Zum einen beteiligt sie sich laut Vereinbarung mit 42 Prozent an den Kosten für den Bau des Tunnels. Die Zahl dahinter ist allerdings noch nicht fix: Derzeit wird von einer Kostensteigerung auf 139 Millionen Euro ausgegangen. Das sind mehr als 40 Millionen Euro mehr als zu Beginn der Arbeiten geplant. Wer was von der Kostensteigerung trägt, ist inzwischen ein Fall für Versicherungen und Justiz.

Rund 115 Millionen Euro investiert die Deutsche Bahn aber darüber hinaus allein den aktuellen Abschnitt, der nördlich des Haltepunkts Hasselbachplatz beginnt und bis in die nördliche Altstadt hinein reicht. Doch nicht allein das: Insgesamt steckt die Deutsche Bahn mehr als 500 Millionen Euro in den Bahnknoten Magdeburg. „Für die Bereiche rund um den Bahnhof Buckau laufen derzeit die Entwurfsplanungen“, berichtet Simone Nebel, die seitens der Deutschen Bahn für diesen Abschnitt zuständig ist. Und auch im Norden um den Neustädter Bahnhof sollen nach dem Abschluss der laufenden Arbeiten Gleise und Technik auf Vordermann gebracht werden.

Hintergrund: Magdeburg wird für den Bahnverkehr der Zukunft fit gemacht. Selbst wenn zum Beispiel mit der Elektrifizierung in den 50er und 70er Jahren ein wichtiger Schritt von der Eisenbahn aus der Gründerzeit im 19. Jahrhundert hin zu einem modernen Schienenverkehr getan wurde – die Gleisanlagen und Stellwerke entsprachen nicht mehr den modernen Anforderungen. Bereits seit dem Jahr 2000 fließen Gelder aus dem Gesamtpaket. Unter anderem wurde bereits in neue Stellwerkstechnik investiert.

Die Deutsche Bahn investiert, da Magdeburg zu einem wichtigen Punkt auf dem neuen Nord-Süd-Korridor im deutschen Schienenetz entwickelt werden soll. Dieser soll die bereits bestehenden und stark genutzten Verbindungen zwischen den Seehäfen und dem Hinterland entlasten. Die Experten rechnen damit, dass durch Magdeburg in Zukunft rund 800 Züge täglich rollen.

Mit einer Entflechtung des Gleisnetzes soll es unter anderem möglich sein, Geschwindigkeiten der Züge zu erhöhen und damit die Kapazitäten zu steigern. Zum Knoten Magdeburg zählt das Gleisnetz zwischen Glindenberg und Schönebeck sowie zwischen Magdeburg-Sudenburg und Biederitz.