Magdeburg l „Ich war nicht dick, ich war fett", sagt Juliane Ackermann im Brustton der Überzeugung über sich selber. Deshalb hatte sie beschlossen abzunehmen. Schlüsselmoment sei ein Arztbesuch gewesen, berichtet sie, bei dem ihr gesagt wurde, dass sie zu schwer für den Untersuchungsstuhl sei und deshalb nicht untersucht werden könne. Das Besondere an ihrem Entschluss: Die Magdeburgerin hat ihre Follower auf der Internetplattform Instagram den Prozess begleiten lassen. Nur mit Unterwäsche bekleidet hat sie sich im Profil selbst fotografiert und auf ihrer Instaseite gezeigt, wie dick sie tatsächlich ist.

Über 160 Kilogramm brachte sie anfangs auf die Waage, als sie sich im Jahr 2018 entschlossen hatte abzunehmen. Etwa ein Jahr später hatte sie ihr Gewicht mit Hilfe von Kalorien zählen, bewusster Ernährung und regelmäßigem Sport um über 50 Kilo gesenkt.

Foto bei Instagram gepostet - und gelöscht

„Es ist mir unglaublich schwer gefallen, den Schritt zu machen und abzunehmen", sagt die 32-Jährige. Dass sie dann noch weiter ging und Bilder davon ins Internet gestellt hat, habe sie zusätzlichen Mut gekostet. „Ich habe das erste Bild ungefähr fünfmal hochgeladen und gleich wieder gelöscht, bis ich es tatsächlich stehen lassen habe." Diese Bilder hatten im weiteren Verlauf eine besondere Wirkung. „Dass mir andere Leute beim Abnehmen zusehen konnten, hat mich eher noch zusätzlich motiviert dranzubleiben und nicht nachzulassen."

Bilder

Zuerst hatte Ackermann Bedenken, wie die Leute eventuell reagieren werden, hat aber tatsächlich nur positive Reaktionen auf ihr Vorhaben und für ihre Erfolge bekommen. „Es gab, glaube ich, nicht einen negativen oder verletzenden Kommentar", sagt sie nach kurzem Nachdenken. Vielmehr haben ihre Follower und andere Menschen, die ihre Fotos gesehen haben, nur lobende Worte für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen gefunden.

Mobbing am Arbeitsplatz

Aber auch Ackermann hat Erfahrungen mit negativen Äußerungen aufgrund ihres Gewichts und ihrer Statur gemacht. "Den schlimmsten Spruch hat ein Ex-Freund gebracht. Der hat gesagt, 'Wer dich liebt, ist Fettfetischist'", berichtet die Magdeburgerin. Bei ihrer ehemaligen Dienststelle in Bremen wurde die Stellvertreterin der Projektleitung von ihrer Vorgesetzten gemobbt. Dagegen hat sie sich juristisch gewehrt und ist trotzdem jeden Tag zur Arbeit gegangen, bis der Rechtsstreit erfolgreich für sie beendet war. "Das wollen die doch nur erreichen, dass sie dich seelisch brechen. Aber diese Genugtuung wollte ich den Leuten nicht geben", erklärt sie ihre Standhaftigkeit.

Ihre negativen Erfahrungen hat sie ebenfalls bei Instagram öffentlich gemacht und sagt, dass ihre Follower diese Offenheit an ihr schätzen. So habe sie immer Unterstützung erfahren, nachdem sie über derartige Vorfälle berichtet hatte.

Akzeptanz als Erkenntnis

Auch woher ihr Übergewicht kommt, weiß Ackermann ganz genau: "Ich habe einfach zu viel gefuttert. Punkt. Da ist niemand anderes dran Schuld." Sie habe irgendwann angefangen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und dann kam die Erkenntnis, etwas zu ändern. "Ich musste bei jedem Spiegel, an dem ich vorbeigegangen bin, sagen 'Juliane, ich liebe und akzeptiere dich genauso wie du bist'." Das habe ihr ihre Schwester aufgetragen.

Diesen Satz zu sagen, ist ihr anfangs sehr schwer gefallen, ist aber inzwischen zu ihrem Mantra geworden. "Ich weiß, dass ich nach meinem Umzug zurück nach Magdeburg wieder etwas zugelegt habe, aber ich weiß auch, wie und vor allem dass ich die Pfunde loswerde, wenn ich es will." Mit diesem Bewusstsein blickt sie zuversichtlich auf das Jahr 2020. "Ich werde wieder zum Yoga und regelmäßig ins Fitnessstudio gehen, mit meinem Fitnesscoach habe ich auch schon gesprochen." Es gebe für sie kein Zielgewicht, wenn sie sich wohl fühle, sagt sie, bleibe es erst einmal dabei. Derzeit wiege sie etwa 115 Kilogramm.

Keine Gesundheitsprobleme trotz Übergewicht

Glücklicherweise hatte sie noch nie gesundheitliche Probleme. Weder Diabetes noch Bluthochdruck wurden bei ihr diagnostiziert. Deshalb sei sie in der glücklichen Situation, selbst entscheiden zu können, was gut für sie ist.

Das Einzige, was ihr wirklich schwer fällt, ist der Kauf von Kleidung. "In Deutschland gibt es einfach keine schöne Kleidung", sagt sie augenzwinkernd. Sie mag bunte Farben und ausgefallene Stücke, deshalb kauft sie fast ausschließlich in Onlineshops ein. Im Internet ist die Auswahl online größer. Sie verkauft auch immer wieder Kleidungsstücke, die sie selbst nicht mehr trägt. "Die werde ich immer los, es gibt einfach zu wenig schöne Sachen in großen Größen."