Kräuter

Die heilsame Kraft am Magdeburger Wegesrand

In der Corona-Pandemie haben viele den Weg in die Natur gesucht. Und so wächst auch das Interesse an Kräutern wieder. Heilpraktikerin Claudia Schreiner erklärt, welche Kräuter in Magdeburg wachsen und wozu sie gut sind.

Von Christina Bendigs
Heilpraktikerin Claudia Schreiner  zeigte interessierten Magdeburgern, welche Pflanzen mit heilsamer Wirkung an der Elbe zu finden sind.
Heilpraktikerin Claudia Schreiner zeigte interessierten Magdeburgern, welche Pflanzen mit heilsamer Wirkung an der Elbe zu finden sind. Foto: Christina Bendigs

Magdeburg - Wenn die Menschen das „Unkraut“ nicht nur ausreißen, sondern einfach aufessen würden, wären sie es nicht nur los, sondern würden auch noch gesund, sagte einst der Pfarrer Johann Künzle, der sich für die Kraft der Kräuter interessierte. In jüngster Zeit beginnen Menschen, sich wieder auf die heilsame Kraft der Kräuter zu besinnen. Das spürt auch Heilpraktikerin Claudia Schreiner. Vor allem jüngere Leute würden zunehmend wieder auf die heilsame Wirkung von Pflanzen zurückgreifen wollen und suchen dafür den Rat der Heilpraktikerin. „Als ich vor 20 Jahren angefangen habe, waren es eher ältere Leute“, sagt sie. Sie selbst geht als Erstes zum Kräuterbeet, wenn sie ein Wehwehchen hat, und nicht in die Apotheke.

Doch welche Kräuter wachsen eigentlich an den Wegesrändern in Magdeburg? Und wogegen helfen sie? Innerhalb von nur drei Stunden zeigt Claudia Schreiner entlang der Elbe mehr als 20 unterschiedliche Gewächse, denen eine heilsame Wirkung innewohnt. Angefangen vom Gemeinen Beifuß mit seinen verdauungsfördernden Eigenschaften über den Klatschmohn, dessen Blütenblätter in Hustentees krampflösend wirken, über das Schöllkraut, dessen orangefarbener Saft für die Behandlung von Warzen eingesetzt werden kann, bis hin zum Nelkenwurz, der eine desinfizierende Wirkung hat, ist die Auswahl riesig.

Die Tour mit Claudia Schreiner führt vom Mückenwirt über die Sternbrücke bis zur Rotehornspitze und noch weiter. Dort würde Claudia Schreiner ihre Kräuter allerdings nicht sammeln. Denn allzu viele Magdeburger führen dort ihre Hunde Gassi. Den Herrenkrug würde sie dann schon eher bevorzugen.

Mutter weckte Interesse an Pflanzen

Eignen sich Städte überhaupt, um Kräuter zu sammeln? „Ich habe mal von einer Untersuchung gehört, bei der das Obst von Bäumen, die an Straßen wachsen, untersucht wurde. Auf der Schale des Obstes seien zwar Schadstoffe festgestellt worden, nicht aber in den Früchten“, erzählt die Heilpraktikerin, die das Interesse an Pflanzen von ihrer Mutter geerbt haben dürfte. Die nämlich sei Drogistin gewesen und habe ihr als Kind schon allerlei Pflanzen gezeigt. Eine abgelegene, eher unberührte Fläche sei zu bevorzugen.

Doch wer sich mit selbst gesammelten Kräutern versorgen will, für den ist Vorsicht geboten. Seine Kräuterkenntnisse sollten so weit reichen, dass er die gesammelten Pflanzen sicher bestimmen kann. Denn viele Pflanzen sehen einander ähnlich. Doch während die eine heilsam ist, enthält die andere dagegen Giftstoffe, die zum Tod führen können. Jüngstes Beispiel ist eine tödliche Verwechslung von Bärlauch mit Herbstzeitlosen. Ein Mann aus München war dem Fehler zum Opfer gefallen.

Und selbst Kräuter, die heilsame Wirkungen haben, haben durchaus auch ihre Nebenwirkungen oder enthalten giftige Stoffe oder solche, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Dem Schöllkraut etwa werde nachgesagt, dass es Gallengänge entsteint. Gleichzeitig besteht der Verdacht, dass die Pflanze krebserregend wirkt, und sie sollte deshalb nicht zur innerlichen Anwendung genutzt werden, sagt sie.

Achtsam bei der Bestimmung sein

Deshalb sollte man sich sehr genau mit den Kräutern beschäftigen, ehe man sie nutzt. Claudia Schreiner verordnet ihren Patienten als Basis zumeist einen Tee. Den mischt sie aber nicht selbst an, sondern lässt ihn in Apotheken zubereiten. Viele Menschen haben schulmedizinisch bereits einiges durch, wenn sie zu ihr kommen. Für eine ärztlich gestellte Diagnose ist Claudia Schreiner dankbar und sie sagt: „Ich kann nicht jedem helfen.“ Was sie behandelt, seien Schmerzen, Stoffwechselerkrankungen und Allergien, nennt sie einige Beispiele.

Die Heilpraktiker-Ausbildung schließt eine medizinische Grundausbildung ein. Erst wenn diese abgeschlossen ist, beginnt die eigentliche heilkundliche Ausbildung.

Wer sich mit Kräutern beschäftigen möchte, dem empfiehlt Claudia Schreiner Bücher. Die nächste Kräuterwanderung in Magdeburg plant sie für den Herbst.