Vorschlag im Stadtrat

Die vier Ritter am Fuße des Magdeburger Reiters

Soll der Magdeburger Reiter eine Einfriedung und vier Ritter bekommen? Darum geht es bei einem Vorschlag einer Ratsfraktion. Was hatte es mit den Rittern auf sich?

Von Ivar Lüthe
Magdeburgs Museumsdirektorin Gabriele Köster betrachtet im Schmuckhof des Kulturhistorischen Museums die Figur des Pfalzgrafen bei Rhein. Gemeinsam mit den drei weiteren weltlichen Kurfürsten hatte die Figur einen Platz am Sockel des Magdeburger Reiters. Links in der Vitrine ein Silberaufsatz des Reiterstandbildes mit Sockelfiguren und Umzäunung.
Magdeburgs Museumsdirektorin Gabriele Köster betrachtet im Schmuckhof des Kulturhistorischen Museums die Figur des Pfalzgrafen bei Rhein. Gemeinsam mit den drei weiteren weltlichen Kurfürsten hatte die Figur einen Platz am Sockel des Magdeburger Reiters. Links in der Vitrine ein Silberaufsatz des Reiterstandbildes mit Sockelfiguren und Umzäunung. Foto: Ivar Lüthe

Magdeburg. - Neben dem Dom ist der Magdeburger Reiter auf dem Alten Markt das prominenteste Wahrzeichen Magdeburgs. Es gilt wegen seiner frühen Entstehung um 1240 als markantes Zeugnis der europäischen Kulturgeschichte. Die Ratsfraktion Gartenpartei/Tierschutzallianz möchte nun, dass im Zuge der geplanten Neugestaltung des Alten Marktes das Reiterstandbild nach historischen Vorlagen wieder hergestellt wird. Dazu würden eine Umzäunung sowie vier Tragefiguren am Sockel gehören.

Die besagte Einfriedung des Reiters umgab ihn im 19. und 20. Jahrhundert und verschwand 1920. Vermutlich aus Platzgründen, weil die Straße vor dem Alten Rathaus verbreitert wurde. Auch die vier Ritter gibt es am Sockel des Denkmals auf dem Alten Markt nicht mehr.

Sie haben ihren Platz seit dem Jahr 2007 im Kulturhistorischen Museum gefunden. Es handelt sich bei den Figuren um die vier weltlichen Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches: der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Markgraf von Brandenburg und der Herzog von Sachsen. Ihnen stand – mit drei geistlichen Fürstbischöfen – seit dem 13. Jahrhundert das alleinige Recht zur Wahl des römisch-deutschen Königs zu. Mit dem Königstitel war traditionell auch der Anspruch auf die Krönung zum römisch-deutschen Kaiser durch den Papst verbunden.

Skulpturen werden erstmals 1387 erwähnt

Auch die vier Kurfürsten gehören ursprünglich nicht zum Reiterstandbild. Sie sind wohl rund 140 Jahre später angebracht worden. „1387 wurden sie in einer Schriftquelle erstmals genannt und waren vermutlich kurz zuvor angebracht worden“, weiß Gabriele Köster, die Direktorin der Magdeburger Museen. Zu jener Zeit stellten Städte, die sich als freie Reichsstädte positionierten, gern ihre Nähe zum Kaiser und den Fürsten bildlich dar. Damit wollten sie auch ihre Relevanz zeigen.

Über die Jahrhunderte mussten die vier etwa 1,60 Meter hohen Figuren am Sockel so einiges durchmachen. Offenbar hatten sie besonders stark unter dem Markttreiben zu leiden. Bereits 1721 fehlte die Statue des Markgrafen von Brandenburg und wurde 1817 erneuert, beschreibt es Gabriele Köster.

Im Zuge der Restaurierung des Magdeburger Reiters von 1857 bis 1859 wurden sämtliche Kurfürsten durch Repliken ersetzt. Diese wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder auf dem Alten Markt aufgestellt. Vor dem Rathaus steht heute eine 1966 vom Bildhauer Heinrich Apel gefertigte Kopie des historischen Originals, das seinen Platz inzwischen im Kaiser-Otto-Saal des Kulturhistorischen Museums hat.

Magdeburger Unternehmer rettet die Figuren

Dass die Ritterfiguren bewahrt werden konnten, sei dem Magdeburger Paul Schuster zu verdanken, von dessen Denkmalpflegebetrieb sie im Jahr 2007 an das Kulturhistorische Museum übergeben wurden, so Gabriele Köster.

Dank der finanziellen Unterstützung des Museumsvereins wurden die vier Kurfürsten restauriert und haben seither ihren Platz im Schmuckhof des Museums. Und hier werden sie auch bleiben, sagt die Museumsdirektorin. Sollten am Reiterstandbild die vier Ritter wieder einen Platz finden, dann müssten erneute Repliken angefertigt werden.

Ob es dazu kommt, ist jedoch noch ungewiss. In einer Stellungnahme der Stadtverwaltung zum Ratsantrag heißt es, dass aus Sicht des Landesamtes für Denkmalpflege die mögliche Rückkehr von Einfriedung und Ritterfiguren nicht unbedingt erforderlich sei. Es stelle „kein erklärtes denkmalpflegerisches Ziel für den Umgang mit dem mittelalterlichen Standbild dar“. Ungeachtet dessen würde man im Fall einer Ratsentscheidung das Vorhaben weiter prüfen, so die Stadtverwaltung. Die Kosten für Umzäunung inklusive Ritter würden sich nach ersten Schätzungen auf weit über 100.000 Euro belaufen.

Der Bauausschuss des Stadtrates beschäftigte sich bereits mit dem Antrag – und empfahl ihn nicht.