Magdeburg l „2018 drehe ich den Brusthahn zu“, sagt der für seine Aktbilder bekannte Künstler Robin Zöffzig, dessen nackte Tatsachen schon für so manche Diskussion gesorgt haben. Er hatte zur Leipziger Buchmesse im vorigen Jahr in Magdeburg mit seiner freizügigen Darstellung der Magdeburger Jungfrau, die jetzt im Ratskeller zu sehen ist, polarisiert. Die einen empfanden das Bild als eine gelungene, moderne Interpretation des Magdeburger Stadtwappens, andere kritisierten es als sexistisch. Doch damit soll nun Schluss sein. „Die Leute wurden genug verwöhnt“, sagt Zöffzig und lacht, „es muss jetzt mal wieder etwas ernsthafter werden.“ Brüste will er 2018 deshalb nicht malen. Stattdessen will sich der Künstler nun der Kapitalismuskritik widmen. Eigentlich sei es aber eine Sache von Angebot und Nachfrage: „Porsche baut auch nur 95 Autos, obwohl 100 Leute einen Porsche haben wollen.“ Wie weither es mit den Vorsätzen ist, bleibt allerdings fraglich. Schon beim Interviewtermin mit der Volksstimme schränkt er ein: „Ach, nee, eins muss mit Brüsten werden.“

Ironische Sexismus-Debatte

Bei seinem nächsten Besuch in Magdeburg wird die ironische Sexismus-Debatte, die Zöffzig mit seinen Bildern anstoßen wollte, wohl auch noch einmal Thema sein. Denn Robin Zöffzig hat den Berliner Buchautor und Sexualtherapeuten Jürgen Lemke porträtiert. Die Filmemacher André Plath und Chris Calimann aus Leipzig haben den Prozess dokumentiert. Zöffzig und Lemke lernten sich durch eine Recherchearbeit für ein Buch kennen. Lemke war vom Stil des Meisterschülers der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle so begeistert, dass er ihn bat, ein Porträt von ihm zu malen. Für drei Tage reiste er in die Spinnerei in Leipzig, wo sich Zöffzigs Atelier befindet. Aus 18 Stunden Filmmaterial entstand eine 46-minütige Auftragsarbeit in drei Akten – ganz nach den Regeln des klassischen Dramas – und der Dokumentarfilm „Schön, dass du da bist“, der am Sonnabend, 13.  Januar, ab 19  Uhr im Moritzhof zu sehen sein wird. Die Musik zum Film lieferte der ebenfalls aus Leipzig stammende Musiker Jens-Peter Kruse (El Alemán).

Zwei gesellschaftliche Realitäten

André Plath fand das Projekt spannend. „Der Schreiber und der Maler, die sitzen sich ja nicht schweigend gegenüber“, sagt er. Beide Persönlichkeiten, der 1943 geborene Lemke und der 1984 geborene Zöffzig, haben die Kamera vergessen und treffen mit ihren unterschiedlichen Biografien aufeinander. „Humor, Komik, aber auch eine gewisse Traurigkeit, Lebensweisheiten, Lebensgeschichten und gesellschaftliche Realitäten treffen hier aufeinander“, sagt André Plath.

Bewundernswert findet Plath, was Robin Zöffzig mit dem Film gemacht hat: „Er hat sich auf die Finger schauen lassen, und das machen ganz wenige Maler.“ Normalerweise sehe der Betrachter nur das fertige Bild und sagt, ob es ihm gefällt oder nicht, und zwar völlig unabhängig davon, wie das Bild entstanden ist.

Einblick in die Technik

Zöffzig bestätigt das: „Ich gebe Einblick in die Technik, die ich angewendet habe.“ Der Film sei auch ein Lehrstück darüber, wie man ein Porträt anlegt und malt. Eine 100-prozentige Übereinstimmung zwischen Bild und Porträtiertem muss es dabei nicht zwangsläufig geben. Der 33-Jährige etwa wollte Lemke ein „bisschen in die Blüte zurückholen“ und habe ihm deshalb mehr Haare gemalt.

Frisch und zeitgemäß

Und was denkt Lemke über sein Porträt? „Ein Porträt in der Malerei ist keine Fotografie“, sagt er. Wesentlich sei, „was der Maler sieht“. Mit dem, was Lemke dann wiederum auf der Leinwand sah, sei er „sehr einverstanden“ gewesen. „Er hat etwas zum Vorschein gebracht, das wirklich in mir ist“, sagt Lemke über Zöffzigs Arbeit. Vorab sei verabredet worden, dass Lemke das Porträt erst sehen dürfe, wenn es fertiggestellt sei. Und daran habe er sich auch gehalten und nicht versucht, vorher einen Blick auf die Leinwand zu erhaschen. Dass der gebürtige Magdeburger das Porträt malen sollte, sei ein Zufall gewesen. „Als ich seine Bilder gesehen habe, hat mich gleich etwas hineingezogen.“ Er habe das Gefühl, dass Zöffzig wirklich malen könne: „Er ist kein Kleckser und seine Bilder und Farben frisch und zeitgemäß.“ Noch dazu habe der Künstler seinen ganz eigenen und unverwechselbaren Stil.

Premiere am 13. Januar 2018

Überrascht war Lemke über das Filmergebnis. Er habe die Dokumentation als sehr kurzweilig empfunden, und das sei auch das Feedback aus den Premieren in Leipzig, Halle und Berlin gewesen. Mit der Magdeburg-Premiere am 13. Januar 2018 sind die biografischen Stationen der beiden Protagonisten im Film abgearbeitet. Danach geht der Film auf Deutschland-Tournee. Alle Beteiligten werden zum Gespräch im Moritzhof anwesend sein, das voraussichtlich von Zöffzigs Künstlerkollegen Sebastian Herzau, der aus Schönebeck stammt, moderiert werden wird. Er ist eher ungeplant stiller Begleiter im Film geworden, denn immer wieder tauchen im Hintergrund Dinge auf, die Herzau, als er den Film sah, als seine erkannte. „Wir haben zusammen studiert, und unsere Ateliers hatten sich irgendwann vermischt.“