Magdeburg l Die Fläche in Magdeburg-Diesdorf nahe der Grundschule ist bislang als Ackerland genutzt worden und soll Häuslebauern zur Verwirklichung ihres Eigenheimtraumes dienen. Darauf zielt der Eigentümer ab, der zur Realisierung der Siedlungspläne eine Firma gegründet hat. Im Mai 2019 stellte die Stadt Magdeburg die Vorentwurfsplanung für das bisher als landwirtschaftliche Fläche genutzte Ackerland südlich der Straßen „Am Thie“ und „Am Neuber“ vor. Seitdem treibt Bewohner der umliegenden Wohngebiete an der Ummendorfer Straße und dem Diesdorfer-Privatweg die Sorge vor einem erheblichen Anstieg des Autoverkehres und einer Überlastung der Straßen in diesem Bereich um.

„Die Grundschule wird für 400 Schüler ausgebaut, pro Haus kann sicherlich mit zwei Fahrzeugen gerechnet werden. Da kann man sich sicherlich ausmalen, wie sehr der Verkehr in den Hauptzeiten ansteigen würde“, so Michael Scheffler. Für die Leitung über den Diesdorfer-Privatweg, wie dies vorgesehen ist, reiche die Straßenbreite nicht aus. „Autos fahren dann direkt an den Fenstern der Häuser vorbei“, sagt Scheffler weiter.

Hoher Verkehr belastet Anwohner

Schon jetzt hätten Bewohner mit ihren Fahrzeugen durch die hohe Frequentierung des Diesdorfer Graseweges Schwierigkeiten, zur Hauptverkehrszeit auf diesen einzubiegen, Fußgänger wie Schulkinder und Radfahrer müssten morgens bereits im Diesdorfer Privatweg durch den Stau einen „Hindernislauf“ bewältigen. „Was soll das dann erst werden, wenn die Siedlung fertiggestellt ist?“, fragt sich Heiner Laugisch.

Ein weiterer Punkt: Bewohner an der Ummendorfer Straße würden bereits unter dem Schulverkehr leiden. Die Straßenbahn würde ihr Übriges tun, so Laugisch. Hintergrund: Laut Vorplanung sind drei Zufahrten zum neuen Wohngebiet vorgesehen - über den Diesdorfer Privatweg, am Übergang von der Straße „Am Thie“ zur Ummendorfer Straße und „Am Neuber“ in Höhe der Sporthalle.

Guter Bördeboden geht mit Immobilien verloren

Die Diesdorfer verweisen auf einen Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2017, wonach Landwirtschaftsflächen nicht bebaut werden sollen. „Die Stadt möchte sich doch dem Klimawandel stellen und Flächen in direkter Nähe zur Stadt erhalten, damit Lebensmittel angebaut werden können“, verweist Laugisch auf den Hintergrund des Ratsbeschlusses. Der „gute Bördeboden“ würde durch den Häuslebau „unwiderruflich verloren gehen“.

Zudem gehe der Wandel in der Lebensmittelproduktion in die Richtung Regionalität, um zum Beispiel Transportwege so gering wie möglich zu halten, so Franziska Scheffler. „Wir sind nicht gegen den Hausbau, aber wir sind gegen den Verlust des wertvollen Ackerlandes. Außerdem gibt es in der Stadt noch genügend andere Flächen, die für das Bauen genutzt werden können“, heißt es von den Diesdorfern, die zudem eine Beeinträchtigung der Kaltluftschneise befürchten, die auf dem Gelände verläuft und zur Durchlüftung der Stadt beiträgt.

Auch an die Senioren denken

Sie sehen zudem die Entwicklung des früheren Bördedorfes kritisch. Die Internetversorgung sei teilweise „sehr schlecht, zudem fehlt es an einem kompletten Lärmschutz an den Eisenbahngleisen“, sagt Scheffler. Es fehle u. a. auch an Versorgungsmöglichkeiten, Ärzten sowie einer Möglichkeit für ältere Bewohner, ihren Lebensabend in Diesdorf verbringen zu können. „Daher wäre es wünschenswert, wenn sich ein Stadtplaner mit dieser Problematik beschäftigt und auch ein Senioren- und Pflegeheim berücksichtigt, wenn es um das Thema ‚Bauen‘ geht. Klar ist die Gewinnmaximierung bei Eigenheimen am größten, aber es fehlt an einem klaren Konzept“, sagt Franziska Scheffler. „Ich kenne Bürger, die aus Altersgründen nicht mehr lange in ihrem Haus leben können oder wollen, aber in Diesdorf bleiben möchten, es aber nicht können“, sagt Heiner Laugisch. Die Stadt habe über die Aufstellung des Bebauungsplans die Möglichkeit, dazu die Weichen zu stellen.

Über 400 Unterschriften haben sie bereits gesammelt und ein Gespräch mit dem Baubeigeordneten Dieter Scheidemann geführt, um auf ihre Bedenken und Einwände aufmerksam zu machen.