Magdeburg l Siegward Geistlinger reicht es nun. „Das war jetzt der 289. Einbruch in meine Firma seit dem Jahr 1990“, schimpft der Recyclingunternehmer auf dem Weg über das Gelände in Beyendorf-Sohlen. Auf dem weitläufigen Areal lagert Abbruch, der darauf wartet, recycelt zu werden. Radlader, Lkw und anderes schweres Baugerät wuselt betriebsam auf dem Gelände herum. Nur eine große Anlage bleibt stumm: Die Bauschutt-Recyclinganlage aus dem Hause Sket, die auf dem Gelände sonst Abbruchmaterial zerkleinert.

„Hier haben die Kriminellen sämtliche Elektrokabel abgeschnitten und gestohlen“, schimpft Siegward Geistlinger. Die Einbrecher, die sein Firmengelände heimgesucht haben, haben es wohl auf das Kupfer der dicken Kabel abgesehen. Viel schlimmer ist für Geistlinger, dass er nun erst einmal einen Fachmann finden muss, der sich mit der alten Sket-Anlage auskennt und die Elektrik reparieren kann. „Ansonsten kostet mich das Ganze 500.000 Euro für die Anschaffung einer neuen Anlage“, sagt der Unternehmer. Natürlich habe er auch diesen Einbruch wieder bei der Polizei angezeigt. „Aber da kommt heutzutage gar keiner mehr raus, um die Anzeige aufzunehmen“, sagt Geistlinger, der die Anzeige im Internet aufgegeben hat.

Firmenchef fühlt sich im Stich gelassen

Ohnehin fühlt sich der Unternehmer von der Polizei und den ermittelnden Behörden im Stich gelassen, hat das Vertrauen verloren. In einem mittlerweile dicken Aktenordner hat der Firmenchef alle 289 Einbruchs- und Diebstahlsanzeigen seit dem Jahr 1990 akribisch gesammelt. Anzeigen zu gestohlenen Baggern, Transportern, Stampfern und Werkzeugen finden sich genauso darin wie abgezapfter Diesel, eingeschlagene Scheiben und Türen. Vor nichts schreckten die Kriminellen zurück.

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Siegward Geistlinger blättert durch die Seiten des Aktenordners und schüttelt den Kopf: „Verfahren eingestellt, Täter konnte nicht ermittelt werden. Hier wieder und wieder und wieder“, zählt er auf. Und selbst wenn mal jemand ermittelt worden sei, habe es nur den erhobenen Zeigefinger gegeben. „Seit 1990 haben die Kriminellen bei mir einen Gesamtschaden von 5,6 Millionen Euro angerichtet“, hat Geistlinger ausgerechnet.

2007 einen Panzer aufgefahren

Mehr als 200.000 Euro habe er in Alarm- und Sicherungsanlagen bislang investiert. Und dennoch kämen die Kriminellen immer wieder. Schon vor einigen Jahren war Geistlinger angesichts der vielen Einbrüche der Kragen geplatzt. 2007, als zum 102. Mal auf dem Firmengelände eingebrochen worden war, wollte er sich mit schwerem Kriegsgerät gegen die Kriminellen zur Wehr setzen. Einen Schützenpanzerwagen und eine Panzerabwehrkanone holte er sich zur Abschreckung aufs Gelände. Doch geholfen hat auch das nicht wirklich. Den Panzer gibt es auf dem Gelände nicht mehr, die Kriminellen jedoch kommen weiterhin. „Immerhin“, so sagt er sarkastisch, „schaffen die Einbrecher Arbeitsplätze. Denn bei all den angerichteten Schäden muss ich ständig Leute beschäftigen.“

Bei der Polizei in Magdeburg habe man die Einbrüche und Diebstähle auf dem Firmengelände und auch auf Baustellen bei Geistlinger sehr wohl auf dem Schirm und unternehme auch alles im Rahmen der Möglichkeiten, um Täter zu ermitteln, sagte eine Polizeisprecherin auf Nachfrage. Man gehe selbstverständlich allen Spuren nach. Objektschutz kann jedoch die Polizei nicht leisten. Der Unternehmer könne sich über die Regionalbereichsbeamten der Polizei eine Sicherheitsberatung einholen, bot die Sprecherin an.