Magdeburg l Die Marke von 240.000 Einwohnern ist irgendwann im Oktober überschritten worden. „Wann genau, das können wir nicht sagen, weil die statistische Auswertung immer monatlich erfolgt“, sagte Stadtsprecher Michael Reif.

Fakt ist: Magdeburg legte von September auf Oktober nochmals um 832 Einwohner zu. Damit kann die Landeshauptstadt erstmals seit 1997 wieder mehr als 240.000 Einwohner auf ihrem Stadtgebiet melden. Darüber freut sich natürlich auch OB Lutz Trümper (parteilos): „Das ist eine gute und wichtige Entwicklung.“

Die Einwohnerzahl von Städten hat neben der Stärkung des Selbstwertgefühls und den besseren Vermarktungschancen auch finanzielle Auswirkungen. Zuweisungen orientieren sich sehr oft an der Einwohnerzahl. Jeder zusätzliche Magdeburger lässt also auch die Stadtkasse klingeln.

In 16 Jahren 63.000 Bewohner verloren

Magdeburg setzt damit seine positive Entwicklung fort und hat den teilweise extremen Negativtrend gestoppt. Ein Blick in die Statistik zeigt dramatische Veränderungen in den vergangenen 28 Jahren. Von einst 290.000 Einwohnern 1988 schrumpfte Magdeburg innerhalb von 16 Jahren um sage und schreibe 63.000 Einwohner. Der Tiefpunkt war 2004 erreicht mit gerade mal noch 226.675 Elbestädtern. Damals kamen mehrere Faktoren zusammen. Die Geburtenrate raste nach unten. Außerdem zogen Tausende Magdeburger entweder der Arbeit in den Westen hinterher oder in den Speckgürtel der Stadt, wo seinerzeit schnell und preiswert Bauland im Grünen zur Verfügung stand. Die Sterbefälle verstärkten den Trend, weil immer mehr älteren Bürgern immer weniger junge Leute gegenüberstanden.

Seit 2005 geht es langsam, aber stetig bergauf. Seitdem gab es nur noch Jahre mit tendenziell steigenden Bevölkerungszahlen. 2009 wurde die 230.000-Einwohner-Marke geknackt.

Hauptfaktor sind Zuzüge

Hauptfaktoren für die jetzige Entwicklung sind die Erhöhung der Geburtenzahl, auch wenn diese noch immer geringer ist als die Sterbefälle, sagt Michael Reif weiter. Der Hauptfaktor seien die Zuzüge, die deutlich häufiger sind als die Wegzüge. Besonders seien hier der Zuzug von ausländischen Mitbürgern und der Zuwachs bei Studenten zum Semesterbeginn zu nennen. Hier lag 2015 der Saldo bei 3899 Personen, die mehr nach Magdeburg gezogen waren als die Stadt verließen. In der Zahl sind auch Flüchtlinge enthalten.

Mit den Zuzügen konnte die negative Bilanz zwischen Sterbefällen und Geburten mehr als ausgeglichen werden. Reif: „2015 verzeichneten wir im Melderegister 2175 Geburten und 2926 Sterbefälle.“ Damit überstieg die Zahl der Sterbefälle die Geburten um 751.

Zuversichtlich blicken die Stadtväter in die Zukunft. Reif: „Für die Bevölkerungsentwicklung erwarten wir für die kommenden zwei Jahre weiterhin eine positive Tendenz.“ Magdeburg ist damit die einwohnerreichste Stadt in Sachsen-Anhalt. Halle zählt nach Angaben der dortigen Stadtverwaltung aktuell Ende November mit 239.595 Einwohnern genau 837 weniger als die Elbestadt.

Statistikamt legt eigene Zahlen vor

Allerdings ist das mit der Statistik so eine Sache. Als offizielle Einwohnerzahl gilt die jeweils zum Jahresende vom Statistischen Landesamt Sachsen-Anhalt (Stala) festgestellte Statistik, die auf einer leicht abgeänderten Zählweise beruht. In der Vergangenheit kam das Landesamt deshalb meist zu etwas niedrigeren Ergebnissen. In der jüngst veröffentlichten Bevölkerungsprognose sagt das Landesamt die Überschreitung der 240.000er Marke an Einwohnern für Magdeburg erst für 2019 voraus. Man darf also gespannt sein, was die Zahlen im Januar 2017 ergeben.