Was ist ein Epitaph

Ein Epitaph ist eine Grabinschrift oder ein Grabdenkmal für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand oder einem Pfeiler. Oftmals sind sie sehr künstlerisch und aufwendig gestaltet. Der Unterschied zum Grabmal ist, dass ein Epitaph nicht zwangsläufig am Bestattungsort errichtet wurde. Im Spätmittelalter wurden viele dieser Epitaphs angefertigt. Vor allem in Kirchen. Domherr Friedrich von Arnstedt ist 1608 verstorben. 1610 wurde mit der Anfertigung des Epitaphs begonnen. Den Auftrag dazu gaben meist die Familien, sprachen über die Vorstellungen und Kosten. Aus diesem Grund lag manchmal eine längere Zeit zwischen dem Tod und der Anfertigung des Grabdenkmals des Verstorbenen.

Magdeburg l „Es ist die letzte sichtbare große Kriegswunde, die geschlossen werden soll“, beginnt Stephen Gerhard Stehli seine Rede bei der Veranstaltung „Eine Stunde Wissenschaft“ im Dom. Stehli ist Vorsitzender des Fördervereins Dom zu Magdeburg und bemüht sich seit 25 Jahren um die anstehenden Restaurierungen des Doms. Ein etwas außergewöhnlicheres Projekt des Domfördervereins ist die Restaurierung des Arnstedtschen Epitaphs an der Wand des südlichen Kirchenschiffes.

Seit Anfang 2019 arbeiten nun verschiedene Wissenschaftler aus Informatik und Maschinenbau der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg mit dem Grabmonument. Rund zwei Monate scannte ein Mitarbeiter 399 Bruchstücke des Epitaphs ein. Dies war durchaus mit Komplikationen verbunden, wie Dr. Ing. Carsten Haugwitz berichtete. Zunächst wurden die Überreste an der Wand mit Hilfe eines 3D-Scanners eingescannt. Da der Scanner auf einem Baugerüst stand, und dieses immer wieder leicht wackelte, war der Datensatz nicht präzise genug. Daraufhin wurde ein Handscanner eingesetzt. Mit einem 3D Streifenlichtscanner wurden anschließend die einzelnen Bruchstücke gescannt. Ziel war es, mit Hilfe der eingescannten Bruchstücke und den Überresten an der Wand eine Computervisualisierung zu entwickeln.

Sanierungskosten noch nicht absehbar

Dies war Aufgabe der Studenten von Prof. Dr. Ing. Bernhard Preim. Er ist Leiter des Studiengangs Computervisualistik an der Otto-von-Guericke-Universität. Dr. Ing. Patrick Saalfeld stellte dieses Computerprogramm vor. Es gab eine Live-Demonstration, wie die Restaurateure am Ende mit Hilfe des Programms arbeiten könnten. Durch eine sogenannte Virtual-Reality-Brille hätte der Restaurateur jedes Bruchstück vor sich aufgereiht und könnte das Grabdenkmal somit virtuell zusammenpuzzeln. Diese Software ist ein Meilenstein für das Projekt. „Ich bin schwer beeindruckt, wie weit wir schon sind“, verkündete Ursula Klinger, die Schatzmeisterin des Domfördervereins.

Die Kosten für die Restauration sind noch nicht absehbar. 2020 soll der Startschuss für einen Spendenaufruf gegeben werden. Geplant ist eine ähnliche Spendenaktion wie bei der Sanierung des Lettners. Jeder Spender darf sinnbildlich ein Stück des Epitaphs kaufen. Auf der Homepage des Fördervereins dürfen die Spender die Teile entdecken. Bis es soweit ist, haben die Wissenschaftler und der Domförderverein aber noch einiges zu tun.