Magdeburg l Wenn der Kunde in den Spiegel schaut, lässt sich an seinem Gesichtsausdruck sofort erkennen, ob er zufrieden ist – das zeichnet den Friseurberuf aus. Seit 43 Jahren ist Erika Elsholz-Sachs, Obermeisterin der Friseurinnung Magdeburg / Jerichower Land, in der Branche aktiv. Als Prüfungsvorsitzende hat sie unmittelbar mit dem Nachwuchs zu tun. Die aktuelle Situation in der Lehre bereitet ihr Kopfzerbrechen.

„Wir mussten bereits im vergangenen Jahr schließen, seit Wochen haben wir geschlossen“, klagt Elsholz-Sachs. „Was sollen die Lehrlinge da noch lernen? Wo und wie sollen sie üben?“ Am kommenden Wochenende steht der erste Teil der Gesellenprüfung an. Wegen der Pandemie musste der Termin bereits verschoben werden. Die Betriebe haben Puppenköpfe – die Branche spricht von „Medien“ – bestellt, an denen die Lehrlinge üben, berichtet die Obermeisterin. Aber diese könnten lebende Modelle nicht ersetzen. Darüber hinaus sind weite Teile der kosmetischen Ausbildung auf der Strecke geblieben. „Eine wirkliche Leistungsprüfung wird das meines Erachtens nicht.“

Auch die Handwerkskammer Magdeburg (HWK) verfolgt die Situation der Auszubildenden im Handwerk mit Sorge, nicht nur in den Friseurbetrieben. „Die Auswirkungen der Pandemie auf die Zwischen- und Abschlussprüfungen können wir erst in den kommenden Monaten bewerten“, sagt Burghard Grupe, HWK-Hauptgeschäftsführer. Ein wichtiges Signal der Wertschätzung sieht er in dem bundesweiten Programm „Ausbildungsplätze sichern“. Kleine und mittlere Betriebe, die trotz Corona-Krise ausbilden, können unter bestimmten Voraussetzungen einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 2000 Euro je Ausbildungsvertrag erhalten.

Was die Statistik betrifft, gibt es im Kammergebiet noch keine großen Abweichungen: Die Zahl der Ausbildungsverträge, die vorzeitig aufgelöst wurden, befindet sich auf einem vergleichbaren Niveau zum Vorjahr. „Bei den Gründen ist kein signifikanter Anteil auf die Pandemie zurückzuführen“, erklärt Grupe. Zum Start des Ausbildungsjahres 2020 waren 366 freie Lehrstellen gemeldet, 2019 hätten ähnliche Zahlen vorgelegen.

Insgesamt leicht zurückgegangen ist die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse: Die abschließende Jahresstatistik der Handwerkskammer für 2020 verzeichnet 1315 Verträge, das sind 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Fraglich ist, ob es bei diesem geringen Rückgang bleibt – denn: „Fehlende Berufsorientierung für junge Menschen und die notwendigen Kontaktbeschränkungen werden sich negativ auf den Ausbildungsmarkt niederschlagen“, fürchtet Grupe. Gängige Formate für die Kontaktaufnahme, darunter Ausbildungsmessen, hätten – wenn überhaupt – nur eingeschränkt stattgefunden. Auch Praktika, die häufig die Grundlage für ein Ausbildungsverhältnis bilden, seien kaum möglich gewesen. „Jungen Menschen fehlt damit die Information über die beruflichen Möglichkeiten und Karriereperspektiven im Handwerk“, resümiert der Hauptgeschäftsführer. Viele Jugendliche würden im Zweifelsfall abwarten und ihre Schullaufbahn fortsetzen.

Erika Elsholz-Sachs hat in ihrem Berufsleben viele junge Menschen auf ihrem Werdegang begleitet: „Friseur ist ein schöner Beruf, in dem man seine Kreativität ausleben kann“, betont die Obermeisterin. Viele Friseure hätten gehofft, dass sie ihre Salons bereits zum 15. Februar wieder öffnen dürfen. Der 1. März sei zumindest ein Licht am Ende des Tunnels – und den Auszubildenden bringe er die Perspektive, sich für den zweiten Teil der Gesellenprüfung wieder an lebenden Modellen vorbereiten können.