Magdeburg l Am Donnerstagmorgen sieht es bereits so aus, als ob die Fällung beginnen würde. Mehrere Fahrzeuge, darunter ein Häcksler, halten unter der kahlen Krone des alten Baumriesen am Olvenstedter Platz/Ecke Immermannstraße in Magdeburg. Die Insassen beratschlagen jedoch nur, wie die Fällung am besten zu bewerkstelligen ist. Schließlich verläuft direkt daneben die Oberleitung der Straßenbahn, darunter der Gehweg.

 „Ich bin wichtig“ steht derweil auf einem Blatt Papier am knorrigen Stamm des Silberahorns wie ein letzter Hilferuf.

Kinder nehmen Abschied vom Baum

Doch noch ist es nicht ganz so weit, die Männer fahren zunächst wieder weg. Dafür kommen am Vormittag die Jungen und Mädchen aus der Kinderbetreuung „Kunterbunt“ aus der nahegelegenen Goethestraße vorbei. Sie wollen sich von dem gut 120 Jahre alten Baum verabschieden und ihm „einen letzten Gruß schenken“, wie es auf einem mitgebrachten Plakat geschrieben steht.

Betreuerin Susette Scholle sagt, dass sie es schade findet, wenn der Baum gefällt wird, „weil wieder ein Stück Natur aus Stadtfeld verschwindet“. „Deine Baumkrone schenkte uns Schatten im Sommer und im Herbst sammelten wir Deine Blätter“, schreiben die Kinder. Sie hängen bunte Herzen an den Stamm und geben ihm eine letzte Umarmung, dann ist die kleine Kinderschar wieder weg.

Fällung steht an

Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra bestätigt am Nachmittag, dass die Fällung Anfang kommender Woche durchgeführt werden soll, „wenn die dafür benötigte verkehrsbehördliche Genehmigung erteilt wurde“. Denn während der Arbeiten müssen aus Sicherheitsgründen Teile des Gehwegs gesperrt werden.

In der Vorwoche war bekannt geworden, dass der Baum von seinem prominenten Standort verschwinden soll. Grund ist sein schlechter Gesamtzustand. Aufgrund seiner Symptome stand er bereits seit mehreren Jahren unter regelmäßiger Beobachtung durch den Stadtgartenbetrieb.

Magdeburger Baum nicht zu retten

Die jüngste Untersuchung hatte nun das Ergebnis gebracht: Der Baum ist nicht mehr zu retten. Zu schwer sind die Schäden, zu gering die Chancen auf Selbstheilung selbst bei sonst üblichen Eingriffen wie einem Kronenschnitt. Dies wurde vor einigen Jahren bereits einmal mit Erfolg durchgeführt, so dass die Lebenszeit des Baums verlängert werden konnte.

Doch mit einem sogenannten Resistografen war gemessen worden, dass die Äste im Kronenbereich nun so morsch sind, dass jederzeit Teile des Baumes auf Straße und Gehweg stürzen könnten. Ein weiterer Kronenschnitt würde nichts bringen, weil dem Baum zusätzlich ein Pilzschädling, der Wulstige Lackporling, zu schaffen macht. Auch er sorgt für eine verminderte Standsicherheit.

Magdeburger wollen neuen Baum

Um die drohende Gefahr für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer abzuwenden, wurde die Fällung angeordnet. Auch die Proteste der Stadtfelder werden daran nichts ändern. Sie hoffen nun aber darauf, dass ein neuer Baum am alten Platz gepflanzt wird. „Das ist unser großer Wunsch“, sagt Franziska Briese als Geschäftsstraßenmanagerin und Stadtfelderin.

Die Stadt Magdeburg schließt das zumindest nicht aus. Kerstin Kinszorra hatte in der Vorwoche mitgeteilt: „In Abstimmung mit den Leitungsträgern und Ämtern der Stadt prüft der Stadtgartenbetrieb eine Neubepflanzung des Baumstandortes, um diese eventuell im kommenden Herbst zu realisieren.“

Baumscheiben bleiben leer

Wie groß die Chancen dafür sind, ist allerdings unklar. Denn gerade in Stadtfeld bleiben Baumscheiben nach einer Fällung sehr oft leer, weil im Untergrund Leitungen verlaufen, die eine Neubepflanzung verhindern.