Magdeburg l Die Zukunft der Magdeburger Fahrradwerkstatt „Soliradisch“ im Öko-Zentrum (Özim) an der Harsdorfer Straße ist ungewiss. Aktuell wird das Projekt noch mit Hilfe vom BUND und Fördergeld finanziert und darüber ein Bundesfreiwilligendienstleistender und zwei Mitarbeiter, die sich eine Vollzeitstelle teilen, beschäftigt. Doch Ende Mai 2019 läuft die Förderung aus. Eine Anschlussförderung sei nicht möglich, und ein alternativer Förderer noch nicht gefunden, berichtete Florian Hoffmann als Mitarbeiter der Fahrradwerkstatt. Das Projekt steht damit vor dem Aus.

2015 wurde der Reparaturservice gegründet – damals noch als mobile Fahrradwerkstatt angelegt, die Menschen Tipps und Kniffe bei der Fahrradreparatur geben sollte. Vor allem Leuten mit wenig Geld sollte auf diese Weise Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden. Gleichzeitig sollte damit der Umweltgedanke und das Schonen von Ressourcen gefördert werden. Das Konzept ist geblieben. Doch schon bald nach der Gründung wurde eine feste Werkstatt an der Pestalozzistraße installiert. Schließlich zog das Projekt ins Özim an der Harsdorfer Straße.

Mehr als 2450 Fahrräder repariert

In den vier Jahren seit der Gründung haben Mitarbeiter und Ehrenamtliche mehr als 2450 Fahrräder repariert und teils vor dem Schrott bewahrt. Da die Werkstatt in einer Zeit gegründet worden war, in der es große Fluchtbewegungen gab, waren es zunächst Flüchtlinge, die davon profitierten und denen auf diese Weise kostengünstig oder kostenfrei Mobilität ermöglicht wurde. Heute machen sie noch etwa ein Drittel aus. Auch Schüler und Senioren und Menschen mit wenig Einkommen nutzen das Angebot, darunter auch viele Studenten. Die Nachfrage ist groß. Selbst im Winter seien täglich ein bis zwei Leute gekommen, die Hilfe bei der Fahrradreparatur benötigten.

Die Reparaturen werden mit der Hilfe von Spendern und Sponsoren möglich, die sowohl Räder als auch Ersatzteile abgeben. Und diese werden nach wie vor angenommen. Die Hoffnung ist, dass das Projekt fortgesetzt werden kann – und auch der soziale und ökologische Gedanke beibehalten werden kann. „Wir erwirtschaften kein Geld“, erklärt Florian Hoffmann.

Würde das Projekt wirtschaftlich aufgezogen werden, müsste das Projekt aus dem Özim ausziehen, ist Florian Hoffmann überzeugt. „Dann bräuchten wir auf jeden Fall mehr Laufkundschaft“, sagt er. Damit jedoch würde der Charakter der Einrichtung verloren gehen.

50.000 Euro Eigenanteil notwendig

Das Problem dabei, einen Förderer zu finden, liege vor allem im großen Eigenanteil, der im Fall einer Förderung notwendig wird. Bis zu 50 Prozent Eigenanteile müssen erbracht werden. Mit 100.000  Euro könnte eine Stelle über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren finanziert werden, berichtet er. 50.000  Euro Eigenanteil seien allerdings schwer zu erbringen.

Deshalb suchen die Macher von „Soliradisch“, in dem sowohl das Wort „solidarisch“ als auch das Wort „Rad“ steckt, nicht nur nach einem geeigneten Förderprogramm, sondern bemühen sich auch um Spenden von regional ansässigen Firmen. Auch für private Spenden wären sie dankbar, um das Projekt am Laufen zu halten. Aber auch für Expertise zu Förderprogrammen sind sie dankbar. „Damit haben wir uns jetzt auseinandergesetzt“, sagt Florian Hoffmann. Zum Profi in diesem Bereich werde man aber nicht.

Es besteht zudem die Überlegung, Workshops zum Thema Fahrradreparatur gegen einen Obolus anzubieten, um einen eventuellen Eigenanteil zu stellen, außerdem ist ein Benefizkonzert in der Insel der Jugend in Planung.

Für Umweltpreis beworben

Weitere Aufmerksamkeit von potenziellen Geldgebern erhoffen sich die Macher, zu denen auch ehrenamtliche Helfer gehören, vom Umweltpreis. Ausgelobt von der Stadt Magdeburg, haben sich die Initiatoren von Soliradisch dort beworben. Immerhin sei durch das Projekt der Ausstoß von 865.000  Tonnen Kohlendioxid eingespart worden, wie sie nach einer speziellen Formel ausgerechnet haben. Werbung für mehr Nutzer wird allerdings nicht gebraucht.

Die Fahrradwerkstatt ist über www.facebook.com/soliradisch und telefonisch unter der Rufnummer 0177/9640464 zu erreichen.