Magdeburg l Direkt hinter dem Gartentor der Sparte „Schrotetal“ an der Albert-Vater-Straße in Magdeburg liegt eine tote Nutria. Einer ihrer Nachbarn hat offenbar kurzen Prozess gemacht, meint Karin Kirbis. Seit gut zwei Jahren sind die Nagetiere in ihrem Kleingartenverein zu einer richtigen Plage geworden, sagt sie. „Obwohl die Schrote selten Wasser führt, führen die Nutrias ein fröhliches Leben. Sie spazieren selbst am helllichten Tag munter durch die Gärten und fressen sich dick und fett“, beschreibt sie das Problem, das die Lust am Laubenleben trübt. „Es macht keinen Spaß mehr, weil alles, was gesät und angepflanzt wird, zerstört wird. Wir haben bereits jetzt Angst vor der nächsten Gartensaison“, erklärt sie.

Die Volksstimme fragte bei Jan Driesnack, Leiter des städtischen Projektteams „Wildtiere in Magdeburg“, nach, wie sich betroffene Kleingärtner verhalten können. Denn sind die Tiere einmal da, tun sie das, was sie am besten können, sagt auch er: „Sie fressen alles weg.“

Bejagung nur in Sonderfällen

Von sich aus würde die Jägerschaft nur aktiv werden, wenn Gefahr im Verzug sei, erklärt er zunächst. Das wäre beispielsweise im Hochwasserschutz der Fall. Denn die Nutrias leben in Erdhöhlen, die sie unter anderem in Schutzdämme graben. Je mehr Tiere es werden, desto stärker wird der Damm untergraben – und ein Bruch im Hochwasserfall droht. Wenn dann das Landesamt für Hochwasserschutz Alarm schlägt, erfolgt die Bejagung.

Im Fall der Stadtfelder Kleingartensparte dürfte das keine Rolle spielen. Doch die Laubenpieper können selbst aktiv werden und die Nutrias mit Lebendfallen fangen. „Das ist im Notstandsparagraf rechtlich geregelt“, sagt Jan Driesnack. Gleiches gilt beispielsweise auch für den Waschbär, der wie die Nutria hier nicht heimisch ist, sich aber ebenso rasant ausbreitet.

Töten, nicht aussetzen

Diese sogenannten Kastenfallen könne man sich über das Internet bestellen. Allerdings dürfe man das gefangene Tier dann nicht einfach wegbringen und an einer anderen Stelle aussetzen, erklärt der Jäger. Stattdessen müsste es tierschutzgerecht getötet werden. Um das sicherzustellen, sollte man dann einen Jäger informieren.

„Am besten ist es, wenn sich ein betroffener Kleingartenverein bei uns vorher meldet“, sagt Jan Driesnack. Das Projekteam würde dann beraten, wo welche Fallen aufgestellt werden können und wäre zudem darauf vorbereitet, dass es einen Anruf geben könnte.

Kontakt über Behördenruf

Die Jäger selbst dürfen die Nutria auch erlegen. Im Jagdjahr 2019/20 wurden von April bis März 67 Nutria im Stadtgebiet Magdeburg geschossen. Die Population steige rasant an, heißt es dazu. Wie viele es in diesem Jahr sein werden, steht erst Ende März 2021 fest, sagt Jan Driesnack. Er selbst konnte im Bereich Prester sechs der Tiere erlegen.

Kontakt zum Projektteam „Wildtiere in Magdeburg“ gibt es über den Behördenruf 115.