Magdeburg l Die Klopstockstraße in Stadtfeld-Ost ist nicht nur eine schöne Wohngegend, sondern zu Weihnachten mittlerweile ein Ziel vieler Winterspaziergänger. Denn seit neun Jahren verwandelt sich der Balkon von André Przyborowski in der dritten Etage immer kurz nach Totensonntag in eine funkelnde Lichterwelt.

2007 hatte alles mit dem ersten Lichtschlauch angefangen. „Das hat mich fasziniert. Und seitdem stelle ich mir jedes Jahr die Frage: Wie weit kann ich als Laie noch gehen, was kann ich noch schaffen“, sagt der verheiratete Vater eines Sohnes. Nein, und Przyborowski ist kein Elektriker ist, sondern Angestellter im öffentlichen Dienst.

Seit 2007 gibt es für ihn – und ein bisschen auch für seine Familie – in der Freizeit nur noch zwei Zustände: die Zeit zu Weihnachten, wenn alles auf dem Balkon funkelt. Und die Zeit dazwischen, in der André Przyborowski tüftelt, bastelt und bestellt. Denn schon im März und April beginnen die Vorbereitungen für sein Lichtspektakel in Stadtfeld. Im Internet wird gesucht, was es so gibt und dann meist in China und den USA bestellt. Und in Magdeburg werden Märkte mit Elektroangebot abgeklappert auf der Suche nach neuen Ideen, Werkzeugen und Lampen. Rund 3000 Euro hat der Lichtkünstler bisher investiert.

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Ein Durchlauf dauert fünf Minuten

Die ganz heiße Phase beginnt dann im November. Der Balkon, der im Sommer seiner Frau Sabrina gehört, geht dann in seine Regentschaft über und wird verkabelt, verdrahtet und mit blinkenden Lampen, bunten Lichtschläuchen, illuminierten Zuckerstangen, strahlenden Weihnachtspyramiden und erleuchteten Lichtbällen bestückt – fast alles selbst gebastelt und zusammengestellt. Die mehr als 5000 Lampen werden dann letztlich an einen Rechner angeschlossen und über 48 Kanäle von einer Software gesteuert. Fünf Minuten dauert ein Durchlauf mit Blinken, Lichtläufen und Projektionen. Dann geht es wieder von vorn los – und zwar wochentags von 6.30 Uhr bis 7.30 Uhr und abends in der Regel von 16 Uhr bis 20 Uhr.

Bis zum 10. Januar läuft das Lichtspektakel noch, das den Stadtfelder übrigens im Stromverbrauch nicht unbedingt eine Stange Geld kostet. André Przyborowski: „Das sind alles LED Lampen. Die Stromkosten liegen für die gesamte Leuchtdauer bei 22 bis 24 Euro.“

Die Nachbarn grüßen noch

Bleibt noch die Frage nach den Nachbarn und dem Vermieter. Przyborowski: „Der Vermieter hat noch nichts gesagt. Und die Nachbarn hängen zwar keine eigenen Lampen mehr raus, aber sie grüßen noch“, sagt er verschmitzt und freut sich über das Verständnis der Klopstockstraßen-Anwohner. Aus Rücksicht hat er deshalb auch die Leuchtzeiten beschränkt. „Es soll ja Freude bereiten und nicht stören.“ Und das schafft er auch. Nicht selten bleiben Passanten oder Autos stehen, um das Spektakel zu verfolgen. „Einmal gab es sogar schon Beifall von einer Gruppe, die mich auf dem Balkon hatte stehen sehen“, so André Przyborowski.

Ob insgesamt noch mehr geht als in diesem Jahr? „Ja“, sagt Przyborowski, und ist schon bei der Planung der nächsten Saison: „Zu Weihnachten 2017 möchte ich gern eine LED-Matrix um den Balkon bauen, auf der man dann komplexe Animationen zeigen kann, so wie man es aus Fernsehshows kennt.“

Bis dahin gilt: Wer ein Ziel für den Winterspaziergang sucht, der findet in der Klopstockstraße an dem Balkon des „Strahlemanns“ André Przyborowski nicht nur ein lohnenswertes Ziel, sondern zu Weihnachten auch garantiert (s)eine Erleuchtung.