Magdeburg l Filmhistorikerin Kathleen Lotze lächelt, als sie einen verstohlenen Blick auf das ehemalige Kino in der Buckauer Karl-Schmidt-Straße 7 wirft. Zwar erinnert nichts mehr an die „Elbe Lichtspiele“, doch die Vorstellung, dass es womöglich noch jemanden gibt, der weiß, welche Filme gezeigt wurden oder welche Rolle das Kino in Magdeburg spielte, lässt sie hoffen.

Denn die 43-Jährige verfolgt derzeit die Spuren der Magdeburger Kinogeschichte. Und das tut sie im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes der Oxford Brookes University, an der sie tätig ist.

Eine von sieben erwählten europäisc

Seit März beschäftigt sie sich gemeinsam mit Mitarbeitern der Gent University (Belgien) und der De Montfort University Leicester (England) mit der Kinogeschichte Magdeburgs in den 1950er Jahren.

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Magdeburg ist neben Rotterdam (NL), Leicester (GB), Gent (BE), Bari (IT), Brno (CZ) und Göteborg (SE) eine der sieben mittelgroßen europäischen Städte, deren Kinogeschichte erforscht und verglichen wird. Neben Magdeburg sei auch Halle im Rennen gewesen sowie Chemnitz, früher Karl-Marx-Stadt. Eine ostdeutsche Stadt sollte es werden, „um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen“. Schließlich gehöre auch das tschechische Brno zu den ausgewählten Städten.

Hilfe von Magdeburgern

Dass die Entscheidung auf Magdeburg fiel, habe neben der spannenden Historie vor allem auch logistische Gründen, verrät sie. Denn neben der Tätigkeit in Oxford und ihrem Wohnort in den Niederlanden, wo ihre elfjährige Tochter zur Schule geht, reist Kathleen Lotze häufig auch zu ihrem Partner nach Berlin. Dadurch sei die Recherche in Magdeburg doch deutlich leichter.

Oft war sie hier schon im Stadtarchiv bei Christoph Volkmar auf der Suche, eng ist sie mit Ines Möhring und Wolfgang Heckmann vom Oli in Kontakt. Nadja Gröschner und Frank Kornfeld wolle sie ebenfalls in ihre Recherchen einbinden. Eine große Hilfe seien auch die Bücher von Dieter Niemann, der nicht nur „Schön war’s damals! Kino – Theater – Varieté in Magdeburg“ verfasst hat, sondern auch noch das Heft „Die glanzvolle Magdeburger Kinogeschichte. Ein Blick in die Magdeburger Filmtheater von 1896 bis 1960“ sowie das Buch über das Oli-Kino.

Erinnerungsgeschichten gesucht

Doch neben der Rekonstruktion der Magdeburger Kinolandschaft und des Filmangebotes in den Kinos stellten auch die persönlichen Erinnerungsgeschichten an Kinobesuche, Filme und Schauspieler in dieser Zeit einen wesentlichen Bestandteil des Projekts dar, erklärt die Filmhistorikerin.

Und da kommen Sie, liebe Leser, ins Spiel. Welche Erinnerungen an Kinos in Magdeburg in der 50er Jahren haben Sie? Welches war Ihr Lieblingskino und warum? Erinnern Sie sich noch an die Kinder- und Jugendvorstellungen sonntags in den Kinos Scala und Palasttheater Buckau? Oder an die Erstaufführungen im Theater des Friedens? Oder an andere Kinos?

Kinolandschaft der 50er Jahre

Wer zählte in den 1950ern zu Ihren Lieblingsschauspielern oder -schauspielerinnen? Hatten Sie in der Zeit gar ein Stammkino in Magdeburg? Haben Sie noch Eintrittskarten, Plakate oder Fotos aus dieser Zeit?

Da es um die Kinolandschaft der 50er Jahre geht, sind insbesondere die Jahrgänge 1925 bis 1945 gefragt. Schicken Sie der Volksstimme oder direkt Kathleen Lotze ihre Erinnerungen. Gern können Sie sich auch telefonisch melden (Kontaktdaten im Info-Kasten).

Infoveranstaltung im Oli

Zudem findet am 21. November in der Zeit von 15 bis 17 Uhr eine Veranstaltung im Oli statt, zu der insbesondere Senioren eingeladen sind (Eintritt ist kostenfrei). Während der Veranstaltung wird Kathleen Lotze ihr Projekt vorstellen. Es werden Filmausschnitte und Bildmaterial aus den 1950er Jahren gezeigt. Bei einer gemütlichen Runde mit Kaffee und Kuchen können die Besucher gemeinsam mit Zeitgenossen in Erinnerungen schwelgen, in alten Programmheften blättern und sich Magdeburger Stadtansichten aus der frühen DDR-Geschichte ansehen.

Mit Senioren aus Magdeburg in Kontakt treten

Ziel der Veranstaltung ist es, mit Magdeburger Senioren in Kontakt zu treten, die bereit sind, ihre Erinnerungen an die 1950er Jahre zu teilen. Die Veranstaltung findet auf Initiative des internationalen Forschungsprojekts „European Cinema Audiences“ statt.

Hintergrund sind nicht zuletzt die bisher spärlichen Veröffentlichungen zu europäischer Kinogeschichte und noch seltener zur ostdeutschen Kinogeschichte. Dabei sei das Kino insbesondere in Deutschland in den späteren Nachkriegsjahren eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen gewesen, weiß die Filmhistorikerin, die sich bereits auch intensiv mit „Untergrundfilmemachern in der DDR“ beschäftigte.

 

Magdeburger Kinogeschichten: Die 1950er Jahre, Mittwoch, 21. November 15 bis 17 Uhr im Oli-Lichtspiele, Olvenstedter Straße 25a, Voranmeldungen unter 0391/53 54 86 22