Wissenschaft

Forschungsprojekt: So sauber sind Gewässer in Sachsen-Anhalt

Forscher vom Fachbereich Wasser, Umwelt, Bau und Sicherheit der Hochschule Magdeburg-Stendal untersuchen, welche Tierarten sich in Sachsen-Anhalts Gewässern tummeln. Anhand ihrer Ergebnisse bewerten sie den ökologischen Zustand der Gewässer.

Masterstudentin Lisa Siebeneichner und Doktorandin Linn Ahlers bestimmen gemeinsam mit Prof. Dr. Volker Lüderitz (v. r.) von der Hochschule Magdeburg-Stendal das im Flötgraben gefangene Makrozoobenthos. Uwe Heinecke, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Jeetze, beobachtet die Forscher.
Masterstudentin Lisa Siebeneichner und Doktorandin Linn Ahlers bestimmen gemeinsam mit Prof. Dr. Volker Lüderitz (v. r.) von der Hochschule Magdeburg-Stendal das im Flötgraben gefangene Makrozoobenthos. Uwe Heinecke, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Jeetze, beobachtet die Forscher. Foto: Matthias Piekacz

Magdeburg - (vs) Schwimmen in der Dumme Forellen? Lassen sich in der Aller Köcherfliegenlarven finden? Ausgestattet mit Gummistiefeln, Kescher oder Elektrofischfanggerät geht Volker Lüderitz, Professor für Gewässer- und Renaturierungsökologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal, diesen Fragen auf den Grund. Gemeinsam mit seinem Team untersucht er den ökologischen Zustand von neun Gewässern in Sachsen-Anhalt – vom Flötgraben bei Arendsee bis zur Laweke bei Wettin.

Ziel der Untersuchungen: „Wir wollen feststellen, ob Renaturierungsmaßnahmen wirksam waren und so zur Optimierung geplanter Maßnahmen beitragen“, sagt Lüderitz. Durch Renaturierung soll der naturnahe Zustand eines Gewässers wiederhergestellt werden. Renaturierungsmaßnahmen umfassen laut Lüderitz beispielsweise die Entfernung von Wehren oder das Einbringen von Kies in Gewässer. An allen untersuchten Gewässern seien entweder in den letzten Jahren derartige Maßnahmen durchgeführt worden oder in der nächsten Zeit geplant.

Artenvielfalt als Erfolgsindikator

Im Fokus von Lüderitz’ Untersuchungen steht die Artenvielfalt in den Gewässern. „Wirksam sind Renaturierungsmaßnahmen zum Beispiel dann, wenn sich die Zahl der in den Gewässern lebenden Tier- und Pflanzenarten deutlich erhöht“, erklärt er. Untersucht werden deshalb in verschiedenen Gewässerabschnitten die Fischfauna und die „mit dem bloßen Auge sichtbaren wirbellosen Tiere“, in der Fachsprache „Makrozoobenthos“ genannt. „Um das Makrozoobenthos einzufangen, ziehen wir Fangnetze über den Gewässergrund. Die Proben werden dann in eine Schale gegeben, die Tiere herausgesammelt und bis zur Art bestimmt.“

Untersuchungen im Flötgraben bei Arendsee in der Altmark gehört auch die Analyse des Makrozoobenthos.
Untersuchungen im Flötgraben bei Arendsee in der Altmark gehört auch die Analyse des Makrozoobenthos.
Foto: Matthias Piekacz

Bei der Untersuchung der Fische werde die Elektrobefischung als Methode eingesetzt. „Dabei erhalten die Fische einen kurzen, nicht schädlichen Schock, werden gefangen, bestimmt, vermessen und anschließend sofort wieder freigelassen“, erklärt Lüderitz.

Guter Gewässerzustand ist selten

Zufrieden dürften die Forscher sein, wenn sie viele Arten von Makrozoobenthos und einen hohen Anteil von Libellen, Eintags-, Stein- und Köcherfliegen am gesamten Tierbestand dokumentieren können – das ist laut Lüderitz ein Hinweis auf einen guten Gewässerzustand. „Bei den Fischen sind zum Beispiel Bachneunaugen, Bachschmerlen, Elritzen und Forellen positive Anzeiger.“

Insgesamt untersuchen die Forschenden alle Gewässer zwischen März und Juni zweimal. „Sehr viele Arten, die für die Erfolgskontrolle von Renaturierungsmaßnahmen wichtig sind, gehören zu den Wasserinsekten. Diese leben meist nur als Larven im Gewässer und fliegen zwischen März und Mitte Juni aus. Andere Gruppen wie Libellen und Käfer treffen wir eher im Frühsommer an.“

Die Untersuchungen finden im Rahmen des Forschungsprojektes „Klimsa“ statt, das vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Sachsen-Anhalt gefördert wird. Die Forscher des Projektes wollen ermitteln, wie unter den Bedingungen des Klimawandels mit den Gewässern umgegangen werden soll, sagt Lüderitz. Seit 2019 werden im Rahmen von „Klimsa“ auch das Makrozoobenthos und die Fischfauna von Gewässern in Sachsen-Anhalt regelmäßig untersucht.

Was die Untersuchungen gezeigt haben: „Die Dumme westlich von Salzwedel erreicht als einziges der untersuchten Gewässer insgesamt einen guten ökologischen Zustand“, sagt Lüderitz. Die Renaturierungsmaßnahmen waren dort also ein Erfolg. Bei allen anderen untersuchten Gewässern sei insbesondere die Fischfauna in keinem guten Zustand.