Magdeburg l Was kann mein Kind gut? Wo hat es vielleicht Schwächen? Entwickelt es sich seinem Alter entsprechend und kann es mit anderen mithalten? Eltern können leicht verunsichert sein, vor allem wenn ihr Kind vielleicht sogar zu früh zur Welt kam. Die Frühförderstelle der Stadt Magdeburg kann hier weiterhelfen.

Eltern können sich dort direkt melden, wenn sie Sorgen haben, dass sich ihr Kiund nicht altersgerecht entwickelt, teils wird ihnen der Besuch dort aber auch von Ärzten oder Kita-Erziehern empfohlen. So war es auch bei Annemarie Hoffmann und Nils Elenberger, deren Sohn Benny und Tochter Nina zu früh zur Welt kamen. Sohn Benny wurde drei Monate zu früh geboren. Mit einem Jahr empfahl ihnen der Psychologe die Frühförderstelle. Bei Tochter Nina war es die Kindertagesstätte, die die Empfehlung aussprach. Mit den Kindern wird dann ein Entwicklungstest absolviert, bei dem sowohl die Stärken als auch die Schwächen herausgefunden werden. Wird ein Förderbedarf festgestellt, begutachtet auch das Gesundheitsamt noch einmal das Kind und muss die Förderung genehmigen.

Betreuerin auch bei Einschulung dabei

Seit 2010 kommt nun regelmäßig Gabriele Fritze ins Haus des Paares. Zunächst betreute sie Sohn Benny, später Tochter Nina. „In dieser Familie bin ich fast schon zu Hause“, sagt die Betreuerin, die zum Beispiel auch zur Einschulung von Benny ging.

Die Eltern sind sehr dankbar für die Unterstützung. Denn ohne die Hilfe von der Frühförderstelle müsste ihr Sohn sich jetzt wohl auf einer normalen Grundschule durch die ersten Schuljahre arbeiten. Doch durch die Unterstützung konnte er auf eine Förderschule für Kinder mit Seheinschränkungen gehen. Außerdem wurde so früh festgestellt, dass er verengte Gehörgänge hatte. Hier konnte mit einer kleinen Operation nachgeholfen werden. „Seither hat sich auch sein Sprachvermögen sehr verbessert“, erzählen die Eltern.

Spielerische Förderstunden

Die Kinder sollen möglichst wenig mitbekommen, dass sie einen speziellen Förderbedarf haben. Die wöchentlichen Förderstunden sind spielerisch ausgelegt, finden mal zu Hause, mal in der Kita statt – und bereiteten den Kindern von Annemarie Hoffmann und Nils Elenberger vor allem eines: Freude.

Die Eltern fühlen sich von Gabriele Fritze rundum betreut. „Durch die Unterstützung werden auch die Eltern beruhigt“, sagt die Mutter, die aktuell noch in Elternzeit ist. Und ihr Mann, der im Theater handwerklich tätig ist, stimmt ihr zu. Außerdem erhalten die Eltern und auch die Erzieher in den Kindertagesstätten Tipps, wie die Kinder noch spezieller gefördert werden können.

Privatschule zu teuer

Für Nina beginnt 2020 das Leben als Schulkind. Noch ist nicht ganz klar, ob das Mädchen eine Förderschule oder eine normale Grundschule besuchen wird – da sie vom Niveau irgendwo dazwischen liegt. Eine Privatschule, an der es vielleicht eine besondere Förderung für ihr Kind geben würde, können sich die Eltern, die ihr Gehalt mit Arbeitslosengeld aufstocken, nicht leisten.

Die Familie bedauert sehr, dass die Betreuung mit der Einschulung endet. Denn gerade in dieser Zeit gibt es Umbrüche und ist manches Kind auf Unterstützung angewiesen, die die Eltern allein nicht leisten können. Sie wären froh, würden sie die Unterstützung so lange erhalten, bis die Kinder sie nicht mehr brauchen, selbst wenn es dauert, bis sie 14 sind.

Betreuung endet mit Einschulung

Auch Birgit Garlipp als Leiterin der Frühförderstelle in der Lumumbastraße 26 im Norden der Stadt bedauert, dass die Betreuung mit der Einschulung endet. „Es ist leider vom Gesetzgeber so verankert“, erzählt sie. Insgesamt gibt es in Magdeburg drei Frühförderstellen, die 600  Kinder und Familien betreuen.

Der Förderbedarf nehme zu, berichtet Garlipp. Ob dies an dem höheren Bekanntheitsgrad der Frühförderstelle liegt oder an anderen Umständen, kann sie nicht beantworten: „Wir wissen nicht, woran es liegt.“ Etwa 20 Prozent der Kinder, die die Frühförderstellen betreuen, haben eine Behinderung. 80 Prozent der Mädchen und Jungen haben eine verzögerte Entwicklung. Sowohl Therapeuten als auch Pädagogen arbeiten mit den Kindern und Familien. Aber nicht nur das: „Bei uns können Eltern auch testen lassen, ob ihr Kind hochbegabt ist“, berichtet Garlipp.

Auch Sohn Theo, das jüngste ihrer vier Kinder, wollen sie untersuchen lassen. Viele Eltern würden die Frühförderstelle nicht kennen, erzählen sie. Manche, die sie vielleicht auch gebraucht hätten, erhalten die Förderung nicht. Sie sind froh, dass es bei ihnen nicht so ist und nehmen die Hilfe gern in Anspruch.