Magdeburg l Es vergeht kaum ein Tag, an dem im Fundbüro der Magdeburger Verkehrsbetriebe nicht verloren gegangene Gegenstände abgegeben werden. Mehr als 4000 waren es allein im Jahr 2018. Saisonbedingt sind es im Winter eher Mützen und Handschuhe, im Herbst hauptsächlich Regenschirme, und das ganze Jahr über immer wieder Rucksäcke von Kindern und Jugendlichen, aber auch Handys und Portemonnaies. „Im vorigen Jahr hatten wir mal eine komplette Essecke“, erzählt Nadja Pirl. Fahrräder, Schaukelpferdchen und Kinderwagen waren auch schon darunter, sogar erotisches Spielzeug und Unterwäsche.

Irgendwann kommt's zur Müllverbrennung

Nadja Pirl ist Sachgebietsleiterin für den Bereich Kundenbeziehungsmanagement bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben und betreut mit ihren Kollegen auch das Fundbüro. Auch eine ganze Band hätten die Mitarbeiter schon gründen können, so viele Instrumente wurden schon in Straßenbahnen vergessen. „Im vorigen Jahr hatten wir mal eine E-Gitarre samt Verstärker“, erinnert sie sich. Viele dieser Sachen werden nie abgeholt. Behalten darf das Team der Verkehrsbetriebe die Fundsachen allerdings nicht. „Nach drei Monaten werden sie vernichtet“, erzählt Nadja Pirl. Für längere Zeiträume reichen die Lagermöglichkeiten einfach nicht aus. Dann bestellt sie einen Container und die Sachen kommen in die Müllverbrennungsanlage. „Es darf sich niemand an den Sachen bereichern“, erzählt Pirl. Das Geld aus Portemonnaies wird nicht verbrannt. „Das zahlen wir auf ein Verwahrkonto ein, und es bleibt nachvollziehbar, wem das Geld gehört hat“, erklärt sie.

Fundsachen sollten beim Fahrer abgegeben werd

Aufgenommen ins Fundbüro der Verkehrsbetriebe werden nur Sachen, die in Bussen und Bahnen vergessen wurden. Haltestellenbereiche zählen zum Aufgabengebiet der Stadtverwaltung. Wer etwas in einer Straßenbahn oder einem Bus findet, sollte es direkt beim Fahrer abgeben und nicht selbst ins Fundbüro bringen, da das Mitnehmen als Entwenden der Fundsache gesehen werden kann. Die Fahrer kontrollieren die Bahnen an den Endhaltestellen. Auch dann werden Fundsachen eingesammelt. Am Abend werden die Gegenstände dann in den drei Betriebshöfen gesammelt. Dort gibt es Fundbücher, in denen die Gegenstände vermerkt werden.

Bilder

Am nächsten Tag werden die Gegenstände samt Fundbuch und Beschreibung beim Service-Team der Magdeburger Verkehrsbetriebe abgegeben. Wer etwas verloren hat, kann die Sachen also immer erst einen Tag später abholen. Aber wenn es sich um wichtige Gegenstände wie beispielsweise ein Portemonnaie oder eine Handtasche handelt, dann sind die Fahrer auch per Funk zu erreichen. Wer sich seine Fundsache beim Fahrer abholt, bezahlt nichts. Für Sachen, die im Fundbüro eingelagert werden, wird eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von drei Euro erhoben.

Die Mitarbeiter fotografieren die Gegenstände, versehen sie mit den ausgefüllten Fundkarten der Fahrer, auf denen Fundort, Zeit, Tag und eine Beschreibung des Artikels und einige weitere Daten vermerkt werden. Bei Dingen, in denen sich Ausweisdokumente finden, schreiben die Mitarbeiter der MVB die Besitzer an.

Nur ein Drittel der Sachen wird abgeholt

Dennoch: Insgesamt wird lediglich ein Drittel der Fundsachen abgeholt, zwei Drittel bleiben liegen. „Verblüffend ist, dass auch viele Handys nicht abgeholt werden“, sagt Nadja Pirl. Vielleicht wissen die Leute nicht, wo sie das Telefon verloren haben. Vielleicht haben sie aber auch den Glauben verloren, dass es Menschen gibt, die die Geräte abgeben. Selbst Portemonnaies bleiben immer wieder im Fundbüro, auch Handtaschen liegen in den Regalen und werden nie abgeholt. „Aber man weiß natürlich auch nicht, ob man die Sachen so bekommt, wie der Besitzer sie vergessen hat“, sagt Pirl.

Ganze Einkäufe wurden auch schon in den Bussen und Bahnen vergessen. Verderbliche Lebensmittel werden sofort vernichtet, alles, was haltbar verpackt ist, wird dokumentiert und ebenfalls für drei Monate aufgehoben.