Magdeburg l Madame LuLu ist einem Poesiealbum entsprungen. Eine Eule war Ideengeber für eine der bekanntesten veganen Gastronomie in Magdeburg.

2012 zur Weihnachtszeit, als Elena Gaidamacha in der Klosterbergestraße in Magdeburg erstmals öffentlich veganes Essen anbieten wollte, saß sie am Vorabend daheim und suchte einen passenden Namen. „Ich wusste, ich brauche einen Namen. Aber ich hatte keine Ahnung und keine gute Idee“, erinnert sie sich.

Magdeburgerin findet Namen in Poesiealbum

So blätterte sie in einem Poesiealbum, das sie augenzwinkernd von einem schwulen Freund geschenkt bekommen hatte. Darin: jede Menge Glitzer und Kitschiges in Bild und Text. Und eine Eule. „Uhu macht lulu“, stand darunter geschrieben.

Das war die Geburtsstunde von Madame LuLu. Im Café Oriental und später etliche Jahre im Café Central wurde LuLu zur „Marke“, deren wohl bekanntestes Produkt das Buckauer Bordsteingold, Kuchen in Optik eines Hundehaufens, ist. Nun, knapp sechs Jahre später, war sie erneut auf Namenssuche.

Magdeburger Lokal rundum pflanzlich

Gemeinsam mit Freund und Geschäftspartner Julius Fritsch sollte ein Name für ihr erstes eigenes veganes Restaurant gefunden werden. Dieses Mal war es jedoch weniger ein Zufallstreffer. Das Konzept war schließlich klar: rundum pflanzlich. Und was lag da näher und wäre treffender als Botanica.

Seit zwei Wochen haben die beiden nun ihr eigenes Lokal geöffnet. Und der Name ist Programm. Etwa 80 bis 90 kleine und große Pflanzen machen aus dem früheren Strudelhof in der Otto-von-Guericke-Straße in Magdeburg einen kleinen „botanischen Garten“. Auch im Innenhof grünt und blüht es. „Viel Arbeit, daher kommt zum Gießen meine Mama“, verrät sie.

Von Kaliningrad nach Schönebeck

Auch in der Küche sei sie ein Segen. Zwar habe Elenas Familie, die vor gut 15 Jahren aus Kaliningrad nach Schönebeck zog, eine Weile mit der Entscheidung ihrer Tochter, vegan zu leben, gehadert, inzwischen ist es aber kein Thema mehr. „Die russische Küche bietet ohnehin zahlreiche vegane Alternativen, es wird viel eingelegt und eingekocht.“

Dass die 28-Jährige sich für ein veganes Leben entschieden hat, habe sie letztlich ihrem früheren WG-Mitbewohner in Buckau zu verdanken. Er sei Vegetarier gewesen. „Ich habe sowieso immer schon gern gekocht. Durch ihn habe ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt.“ Drei Monate habe sie vegetarisch gegessen und dann aber entschieden: ganz oder gar nicht. Also gar nicht. Kein Fleisch, kein Fisch, kein Ei, keine Milch, gar keine tierischen Produkte. Denn: Freunde isst man nicht.

Vegane Lebensweise selbstverständlich

Zu Weihnachten, als es im Hause Gaidamacha traditionell Ente geben sollte, verkündete sie damals die vegane Lebenseinstellung. „Meine Eltern haben es nicht verstanden. Es kam für sie so plötzlich.“ Nun sei es aber eine Selbstverständlichkeit. So wie bei vielen heutzutage. Denn während die vegane Lebensweise eine Zeitlang etwas Exotisches war, beinah Trend gewesen sei, ist sie heute in der Gesellschaft angekommen, weiß sie. „Es ist nichts Außergewöhnliches mehr. Selbst Nicht-Veganer gehen gern mal vegan essen.“

Außergewöhnlich seien höchstens die Kombinationen, die sie serviert bekommen. Da werden Weintrauben schon mal mit Kardamon gewürzt und Algen- oder Pilzarten verarbeitet, die kaum ausgesprochen werden können. Was letztlich auf dem Teller landet, ist bei Elena und Julius saisonal bedingt. „Wenn Opa sagt, die Weintrauben müssen weg oder die Äpfel sind fällig, überlege ich mir, was ich daraus machen kann“, erklärt sie. Denn das Gros der Produkte stammt, wenn nicht direkt vom Opa, dann zumindest aus der Region. „Meine Familie ist gewissermaßen Selbstversorger, so bin ich aufgewachsen.“ Und so habe sie auch das Kochen, Einlegen, Fermentieren und ein bisschen auch das Experimentieren gelernt.

Wenn die 28-Jährige mal nicht mit ihrem Julius im Botanica kocht oder bäckt, steht sie zu Hause in der Küche. Selbst, wenn sie um 1 Uhr nachts heimkehrt, wird der Herd angemacht. Immer!