Magdeburg l Mit dem Allards' in der Friesenstraße hat ein weiteres prominentes Lokal in Magdeburg-Stadtfeld seine Türen geschlossen. „Unser heiß geliebtes/gehasstes (je nachdem, welchen 50 Prozent der Stadtfelder ihr Euch zugehörig fühlt) allards – gastronomische Versorgungseinrichtung, Hafenkneipe links der Schrote, Hort für einsame Stunden zu zweit, Hungerstiller und Durstlöscher, Glasbiergeschäft, Servicewüste, Unterschlupf, Anlaufstelle, Wohnzimmer - schließt“, teilte das Team am Sonntag auf der Website der Kneipe mit.

Auf Volksstimme-Anfrage gibt Betreiber Torsten Liebeknecht Einblick in die Gründe für seine – für viele Gäste überraschende – Entscheidung, die beliebte Kneipe zu schließen. „In jeder Unternehmung steckt ein betriebswirtschaftlicher Gedanke“, sagt er. Dieser könne unter den aktuellen Bedingungen aber nicht mehr umgesetzt werden. Schon während der coronabedingten Schließung von Restaurants im Frühjahr bot er einen Lieferdienst an, um das Geschäft am Laufen zu halten. Die treuen Gäste nutzten die Möglichkeit gerne und halfen ihm, diese Zeit zu überstehen.

Verständnis für Maßnahmen

„Ich habe vollstes Verständnis für alle Maßnahmen, die zur Eindämmung der Pandemie führen sollen“, betont er. Er sehe die Bemühungen der Landesregierung eine verhältnismäßige Lösung für Sachsen-Anhalt zu finden, auch wenn manche Entscheidungen schwer nachvollziehbar seien.

Die Regeln haben jedoch konkrete Folgen. „Für meine gastronomische Versorgungseinrichtung bedeutet das in der kalten Jahreszeit: zwölf Gäste, kein Tresenbetrieb und offene Fenster“, zählt er auf. Auch wenn sein Vermieter Unterstützung zugesichert hätte, könne er damit nicht über den Winter kommen. „Man muss in Mathematik in der 8. Klasse nicht besonders gut aufgepasst haben, um sich ausrechnen zu können, dass das betriebswirtschaftlicher Unsinn ist“, sagt Torsten Liebeknecht.

Freitag war Schluss

Ein „Corona-Opfer“ sei er dennoch nicht. Als er das Allards‘ vor neun Jahren übernommen hatte, gab es nur zwei Bedingungen für ihn: „Ich will mich nicht verbiegen und ich will jeden Tag abschließen können.“ Das hat er am vergangenen Freitag nun getan. Nur wenige Stammgäste waren eingeweiht. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sei die Entscheidung gefallen, weil „ich so viele und so vieles vermissen werde“, wie er sagt.

Im Mai hatte bereits das Aus des Café Amsterdam an der Olvenstedter Straße für Aufsehen gesorgt. Dort gibt es mittlerweile aber einen neuen Betreiber, der das beliebte Stadtfelder Lokal fortführen wird. Ob das auch für die Kneipe im Souterrain eines Wohnhauses der Friesenstraße eine Option sein wird, bleibt abzuwarten. „Wenn jemand Bock darauf hat, soll er oder sie sich gerne bei mir melden“, erklärt Torsten Liebeknecht.