Magdeburg l Am 16. Januar 1945 forderte der Luftkrieg gegen die Nazi-Diktatur Tausende Opfer in Magdeburg. Mehr als 370 alliierte Bomber verwandelten die Altstadt in eine Trümmerwüste. Es war der schwerste Luftangriff auf die Stadt. Die Altstadt gibt es seitdem nicht mehr.

Seither wird jedes Jahr in Magdeburg mit mehreren Veranstaltungen an dieses schicksalhafte Datum erinnert. Punkt 21.28 Uhr läuten die Kirchenglocken und rufen zu Frieden und Toleranz auf.

Abschalten oder nicht?

Wie passt da die beliebte, fröhlich glitzernde Lichterwelt mit ihren großen leuchtenden Skulpturen hinein? Bei Facebook hatte ein User nun vorgeschlagen, diese an jenem Datum auszuschalten - aus Pietätsgründen. Eine gute Idee für die kommenden Jahre?

Paul-Gerhard Stieger von der für das Spektakel zuständigen Magdeburger Weihnachtsmarkt GmbH hat sich dazu zwar noch keine Gedanken gemacht, "aber wir werden am Dienstag bei einer internen Zwischenauswertung auch darüber diskutieren", kündigte er am Montag auf Volksstimme-Nachfrage an.

Eine Möglichkeit könnte sein, die Lichterwelt zumindest am Domplatz während des Glockenläutens abzuschalten. Andererseits sei die Lichterwelt ein Event ohne Musik, also eine stille Veranstaltung. Da bleibt die Überlegung, ob sie tatsächlich einen Widerspruch zum Gedenken an jenem Tag darstellt.

Aus Sicherheitsgründen abgeschaltet

Dagegen wurde aus Sicherheitsgründen und wegen des erwarteten Andrangs zu den zahlreichen Demonstrationen der Schriftzug "Magdeburg" am Hauptbahnhof am Freitag abgeschaltet und umzäunt. Ebenso der Reiter auf dem Hasselbachplatz.

Vandalismus gab es seit Eröffnung der Lichterwelt laut Stieger noch nicht zu beklagen. Lediglich einzelen LED oder kleinere Ketten würden hin und wieder ausfallen, vor allem in den begehbaren Kugeln auf dem Domplatz. Allerdings seien dies nur kleinere Schäden, die sofort behoben werden könnten und für Besucher kaum auffallen, so Stieger.

Die Lichterwelt wurde 2019 erstmals in Magdeburg aufgebaut und am 25. November angeschaltet. Sie leuchtet bis zum 2. Februar 2020. Der Stadtrat hatte das neue Konzept passend zum Weihnachtsmarkt beschlossen. Es kostete etwa 1,6 Millionen Euro. 60 große Skulpturen sowie mehr als 320 Elemente an Laternen leuchten nun in der Stadt, die großen Skulpturen sogar rund um die Uhr.

Auch zum Weihnachtsmarkt 2020 soll die Lichterwelt wieder erstrahlen und Touristen nach Magdeburg locken. Die Stadtverwaltung will noch im ersten Quartal 2020 einen Vorschlag zur Erweiterung der Lichterwelt einbringen, wodurch Beleuchtungslücken in der Innenstadt geschlossen werden können. Dabei sollen insbesondere Bereiche der Otto-von-Guericke-Straße, des Hasselbachplatzes sowie des Hauptbahnhofs im Fokus stehen, teilte die Stadt am Dienstag mit.