Magdeburg l Mit Spraydosen in der Hand gehen Senioren nun vor die Wand. Ertragen können sie vielleicht das Grau ihrer Haare, nicht aber den Anblick grauer Entlüftungsschächte und Metallkästen auf ihrem Hof. Sie waren sich einig: Da muss Farbe ran. „Hausdame“ Marina Schatte von der Volkssolidarität schlägt ein paar schöne Graffiti vor. Die Wandbilder sollen dem tristen Anblick ein Ende setzen.

Aber allein Profis ans Werk zu lassen, wäre dann doch zu einfach. Und so organisierte sie einen Graffiti-Workshop für „ihre“ Senioren des „Haus Phoenix“ am Neustädter See. Unterstützung bekamen sie dabei vom Chef der MWG-Stiftung, Marcus Lahn, ebenso wie von professionellen Sprühern. Naturmotive sollten es sein, Affen, Vögel, eine Giraffe – das war es, was die Senioren sehen wollten. Nur waren Haarlack und Deo bisher die einzigen Spraydosen, die sie in der Hand hielten. „Das war komplettes Neuland für uns“, erzählt Ursula Aulich.

Ob ihnen so ein ansehnliches Bild gelingen würde, stellten sie zunächst infrage. Doch die Unsicherheit war schnell verschwunden. Denn unter Anleitung von „Strichcode“-Künstler Gordon Motsch sprühten die Senioren schnell vor Begeisterung. „Wir waren überrascht, wie gut uns die Bilder gelungen sind“, erzählt Ursula Aurich. Es sei gar nicht so schwer gewesen, wie gedacht. „Wenn überall in der Stadt so schöne Motive wären und nicht so eine Schmiererei, wäre das toll.“ Gegen Graffiti haben die Senioren nichts, sofern sie gut gemacht sind. Aber, dass sie und ihre Mitbewohner selbst mal die Dose in die Hand nehmen, hätte sie auch nicht gedacht – würden es aber immer wieder machen. Graue Wände gebe es ja genug.

Bilder

Über den Anblick ihrer Bilder freuen sie sich nun täglich, ebenso über das Stadtpanorama, das die Künstler hinterließen.