Magdeburg l Wenn es nach dem Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ginge, würde der Tunnel am Hauptbahnhof im Jahr 2021 fertig. Dies war erklärtermaßen seit Monaten das Ziel, über das mit dem Baukonzern Porr, der den Generalauftrag übernommen hat, verhandelt wurde.

Am 4. Juni 2019 nun hat das Magdeburger Rathaus bekanntgegeben, dass die Verhandlungen gescheitert sind. Sprich: In Zukunft werde man sich an dem vom Bauunternehmen vorgelegten Zeitplan orientieren. Und der sieht eine Fertigstellung des Großvorhabens erst für den Herbst 2022 vor.

Fußgänger dürfen ab Herbst durch

Wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage der Volksstimme bestätigte, bleibt es indes bei zwei Zwischenzielen: Die Freigabe der Strecke für Fußgänger neben der Baustelle soll im Herbst 2019 erfolgen und für die Straßenbahn Ende 2019 oder Anfang kommenden Jahres.

Über die Termine hat es seit fast einem Jahr intensive Gespräche zwischen der Unternehmensführung und der Stadt Magdeburg gegeben. Bei diesen Verhandlungen wurde nicht einmal über die zusätzlichen Kosten gesprochen, die eine Beschleunigung der Bauarbeiten mit sich bringen würde. Und auch wenn dieser durchaus bedeutsame Punkt im Wesentlichen ausgespart wurde, konnten sich die Gesprächspartner nicht einigen.

Wird der Tunnelbau noch teurer?

Dabei möchte man sich in der Stadtverwaltung inzwischen nicht einmal mehr auf eine Summe festlegen, die am Ende unter dem Strich stehen wird. Weiterhin ist zwar von einem Kostenrahmen von 140 Millionen Euro, die sich Stadt Magdeburg und Deutsche Bahn teilen, die Rede. Seitens des Magdeburger Oberbürgermeisters heißt es aber auch: „Allerdings bleibe ich auch bei meiner Aussage, dass umso länger die Baustelle läuft, eine Kostensteigerung unvermeidbar ist.“

Dafür, dass es keine weiteren Verzögerungen gibt, sieht sich die Stadt immerhin gewappnet: Mit der Projektgruppe um Christian Fuß gebe es seitens der Stadt als Bauherren eine professionelle Struktur. Mit einem Büro im City Carré laufe die Bauüberwachung inzwischen deutlich effektiver. Sprich: Zwischenzeitlich geäußerte Vermutungen, dass der Bau erst 2023 fertig wird, haben zumindest nach übereinstimmenden Planungen sowohl des Bauherrn als auch des Bauunternehmens keine Grundlage.

Planungsfehler beim Tunnelbau

Dass übrigens die ursprünglich zum Baustart im Jahr 2016 geplanten Kosten von damals geschätzt 95 Millionen Euro auf die bislang genannte Summe von 140 Millioen Euro in die Höhe geschnellt sind, hat mehrere Gründe. Maßgeblich aber sind Planungsfehler bei der Dimensionierung von Bohrpfählen. Diese waren zu dünn bemessen für die Bauzeit, wenn nämlich noch nicht eine Tunneldecke und der Tunnelboden der Konstruktion gegen die von der Seite drückenden Erdmassen Stabilität verleihen.

Zwar wurden keine falschen Teile eingebaut, die später ausgewechselt hätten werden müssen. Doch Neuplanungen nahmen viel Zeit in Anspruch, und auch die Sicherung von Gebäuden und Mauern am Rande der Baustelle fielen mit nun größeren Betonpfählen, aus denen die Seitenwände zusammengesetzt sind, aufwendiger und damit auch deutlich teurer aus. Weitere Anfragen ans Bauunternehmen sollen noch beantwortet werden.

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