Magdeburg l Kreisjägermeister Gerd Petzoldt hat zum Ausklang der Jagdsaison gegenüber der Volksstimme eine erste Bilanz gezogen. Neben der Frage zur Entwicklung der Wildschweinpopulation ging Petzoldt dabei auch auf Kritik aus der Bevölkerung ein. Die hatte es zum Beispiel nach der letzten Drückjagd Ende Januar dieses Jahres gegeben. Ein Hundebesitzer war am 27. Januar, als die zweite gemeinschaftliche Großjagd im Stadtgebiet stattfand, von Friedensweiler aus in Richtung Breitscheidstraße – also im Jagdgebiet – beim Gassigehen auf einem Trampelpfad unterwegs, als er Schüsse hörte und der Hund entsprechend aufgeschreckt wurde.

Gegenüber der Volksstimme erklärte der Anwohner, dass es am Weg weder eine Ausschilderung noch eine Absperrung mit Verweis auf die Jagd gegeben habe. Das könne nicht sein. Zum Glück sei nichts passiert.

Kritik ausgewertet

Die Redaktion gab die Kritik seinerzeit weiter. Inzwischen, so Petzoldt, sei der Fall besprochen und ausgewertet worden. „Wir möchten für den Hinweis danken und sind jederzeit für weitere Informationen offen“, so Petzoldt. Grundsätzlich sei es so, dass am Jagdtag Beschilderungen und Warnhinweise an der Bundesstraße 1 sowie der Breitscheidstraße erfolgten. Offizielle Wege durch ein Waldgebiet würden zudem mit Flatterband versehen. „Wir können aber nicht jeden Trampelpfad absperren“, gibt der Kreisjägermeister zu bedenken.

Deshalb sei man für entsprechende Hinweise zu genutzten Wegen dankbar. Eine Ankündigung von sogenannten Drückjagden im Vorfeld lehnt die Kreisjägerschaft weiterhin ab. Man wolle ungebetene Zaungäste, die sich in Gefahr bringen könnten, fern- halten, heißt es dazu erneut. Vielmehr setze man auf Kooperation und eben auch Hinweise zum Beispiel von Anwohnern.

Dass vor allem Schwarzwild im Stadtgebiet weiterhin bejagt werden muss, steht für die Jägerschaft indes außer Frage.

Rückzug in die Elbaue

Nach wie vor richten Wildschweine große Schäden an. Nicht nur in Parks oder Gärten, sondern zunehmend auch an Deichen wie in Prester und Pechau (Volksstimme berichtete). „Hier in Siedlungsnähe und der offenen Elbaue fühlen sie sich sicher, um auf Nahrungssuche zu gehen“, sagt Petzoldt. Kein Hochwasser, keine nassen Füße, viel Schilf zum Verstecken und wenig Gefahr, schnell vor die Flinte zu geraten. Anders ist das in den klassischen Jagdrevieren wie dem Biederitzer Busch, dem Herrenkrug oder der Kreuzhorst. Hier ist die ganzjährige Bejagung möglich und laut Petzoldt auch weiterhin nötig, um die Population im Zaum zu halten.

Gerd Petzoldt rechnet vor: Die Population, die zum Beispiel zwischen Stadtpark und Kreuzhorst pendelt, wird auf 30 bis 40 Wildschweine in mehreren Rotten geschätzt. Da die Bachen jeweils vier bis acht Junge im Jahr bekommen, vermehrt sich der Bestand explosionsartig. Wenn man davon dann die Frischlinge bejagt, hält man lediglich den alten Bestand stabil. „Die Abschusszahlen klingen manchmal hoch, aber in Wirklichkeit ist die Population damit noch längst nicht verkleinert“, erklärt Petzoldt.

Die Bejagung gerade von Schwarzwild sei deshalb weiterhin nötig. Im Moment werde die Population stadtweit auf 70 bis 80 Wildschweine geschätzt.

Ein gutes Ergebnis

Bei der letzten gemeinschaftlichen Großjagd am 21. Januar dieses Jahres in der Kreuzhorst und am 27. Januar im Gebiet zwischen der B1/Berliner Chaussee und Herrenkrug bis hoch Richtung Lostau/Gerwisch konnten die Jäger insgesamt 56 Wildschweine, 18 Rehe, vier Füchse und zwei Nutrias zur Strecke bringen. Im Stadtpark mit dem zeitlich befristeten Jagdrecht wurden laut Petzoldt seit Oktober bis heute 15 Wildschweine bei so- genannter Einzelansitz oder Pirsch erlegt.

Das sei in der Summe ein gutes Ergebnis, schätzt der Kreisjägermeister gegenüber der Volksstimme ein.