Bauprojekt

Handel statt Sport in der Gieselerhalle

Eine Magdeburger Sportstätte soll Einkaufszentrum werden.

Magdeburg l Poco Domäne möchte nach Stadtfeld umziehen. Dazu soll das Gelände neben der Hermann-Gieseler-Halle genutzt werden. Das Gebäude selbst soll denkmalgerecht saniert werden und ebenfalls für Handel, aber auch für Sport und Gastronomie genutzt werden.

Die Hermann-Gieseler-Halle scheint auf dem besten Weg zur Rettung: Am gestrigen Dienstag ist in der Dienstberatung im Rathaus eine Beschlussvorlage für das Gelände samt dem denkmalgeschützten Gebäude zur Beratung in den Ausschüssen und zum Beschluss im Stadtrat freigegeben worden. Inhalt: Die Halle verliert ihre Funktion als Sportstätte und wird für den Handel genutzt.

Dazu soll ein entsprechender Bebauungsplan aufgestellt werden. Das Projekt vorantreiben möchte die Steinhoff Familienholding aus Westerstede in Niedersachsen, der bereits Flächen an der Gieselerhalle gehören.

Das Konzept sieht im Einzelnen vor, die Hermann-Gieseler-Halle denkmalgerecht zu sanieren. Geplant sei „eine gewerbliche Nutzung bei Erhalt des historischen Charakters des ehemals als Viehmarkthalle auf dem Schlachthofgelände errichteten Gebäudes“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Auf den freien Flächen südlich der Hermann-Gieseler-Halle und Flächen westlich der Halle, die nach dem Abbruch nicht denkmalgeschützter Bausubstanz zur Verfügung stehen werden, soll der Möbelmarkt „Poco Domäne“ mit Lagergebäude und Stellplatzflächen gebaut werden. Der Möbelmarkt würde damit seinen Standort an der Wasserkunststraße in der Neuen Neustadt zugunsten des neuen in Stadtfeld-Ost aufgeben.

Um den Weg für die Investitionen in den Altbau und den neuen Möbelmarkt freizumachen, soll ein sogenanntes Sonder­gebiet für großflächigen Einzelhandel für die Umnutzung der Hermann-Gieseler-Halle ausgewiesen werden. Ausdrücklich soll hier kein zentrumsrelevanter Handel entstehen. Mit Blick auf die Entwicklung des Schlachthofgeländes hatte dieser Punkt erst vor wenigen Wochen für Diskussionen gesorgt.

„Innenstadttypische Randsortimente“ sind bis zu einer Größe von 400 Quadratmetern zulässig, heißt es in dem Vorschlag der Verwaltung. Ebenfalls seien gastronomische, gesundheitliche, sportliche und kulturelle Nutzungen, Büronutzung und Dienstleistungsgewerbe auf dem Gelände denkbar.

Das Areal des Bebauungsplans umfasst auch die Freifläche vom Klaus-Miesner-Platz vor der Hermann-Gieseler-Halle zur Liebknechtstraße hin: Hier soll die neue Grundschule für Stadtfeld gebaut werden. Erhalten und entwickelt werden sollen Grünflächen im Bereich der Böschung entlang des West­rings.

Der in einem Seitenflügel der Halle untergebrachte „Kneipp-Verein“ kann die gepachteten Flächen langfristig weiternutzen, heißt es in der Beschlussvorlage aus der Stadtverwaltung weiter.

Noch wird die Gieselerhalle allerdings für den Sport gebraucht. Derzeit arbeitet die Stadt daran, so schnell wie möglich eine Ersatzhalle am Lorenzweg zu bauen. Die sportliche Nutzung der Hermann-Giesler-Halle soll nach aktuellen Plänen Ende des Jahres 2018 eingestellt werden. Zudem muss für einen Beginn der Sanierung des historischen Gebäudes und für die Bebauung mit dem Möbelmarkt das Verfahren zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan durchlaufen sein. Den Weg für diesen können zunächst Beratungen des Umweltausschusses und des Bauausschusses sowie ein Beschluss des Stadtrats am 23. Februar freimachen.