Magdeburg l Niels Wedler ist passionierter Sportler und hat schon einiges ausprobiert. Mit dem Surfbrett oder gar in einem Kajak einen Rodelberg hinunterrutschen – das gehörte bisher aber nicht dazu. „Wir mussten unsere Kajaks aus dem Unterstand im Schweizerhaus im Stadtpark vor dem Hochwasser in Sicherheit bringen. Da wir die einmal draußen hatten, haben wir uns zu diesem Spaß entschieden“, erklärt er. Und so düste er mit ein paar Freunden die Scherbelsberge im Stadtpark hinab und wurde dabei von Spaziergängern und anderen Rodlern bestaunt.

Vom Spaß bis zur Lebensgefahr

Was hier als Spaß gewertet werden darf, kann an anderer Stelle schnell zur Lebensgefahr werden. Da auch viele Seen und Bachläufe in der Stadt zugefroren sind, locken sie aufs Eis. Schrote, Klinke oder Sülze wurden deshalb von vielen zum Rutschen genutzt. Das ist zwar auch auch verboten. Aber das Risiko ist noch überschaubar.

Anders als beispielsweise auf dem Neustädter See. Dort fuhren am Wochenende sogar Radfahrer mitten über den See und begaben sich in Lebensgefahr. Denn in Magdeburg ist das Betreten von zugefrorenen Seen und Bächen laut Stadtordnung grundsätzlich verboten. Ausnahmen gebe es nur, wenn das Ordnungsamt auf Antrag eines Eigentümers einen See freigibt. Eine solche Freigabe ist aber bisher weder erfolgt noch beantragt worden, sagte Stadtsprecher Michael Reif. Folglich herrsche weiter ein Betretungsverbot aller Eisflächen.

Bis auf die Rettung eines eingebrochenen Hundes von den überschwemmten Elbwiesen am Herrenkrugsteg in der vergangenen Woche hat es in Magdeburg aber bisher noch keine Rettungseinsätze der Feuerwehr an Gewässern geben müssen, erklärte ein Sprecher der Leitstelle.

Beispiele aus Leipzig

Wie schnell es gehen kann, beweist ein Blick in andere Städte. In Leipzig waren am Wochenende Hunderte auf dem zugefrorenen Karl-Heine-Kanal unterwegs. Und trotzdem brach eine Frau ins eiskalte Wasser ein. Ähnliches ereignete sich auf dem Tankumsee bei Gifhorn. Hier krachten unter vielen Eis-Spaziergängern gleich vier Personen ein, konnten aber gerettet werden.

Dass sich viele in trügerischer Sicherheit wiegen, hat möglicherweise auch mit den eiskalten Temperaturen zu tun. Seit dem 5. Februar 2021 mit minus 0,9 Grad Celsius sanken die Werte immer weiter nach unten bis auf -17,7 Grad in der Nacht zu Sonntag. Das zumindest sind die Angaben der Wetterstation im altmärkischen Demker. Ergebnisse für Magdeburg gibt für diesen Zeitraum nicht.

Daten sind nicht verloren

Seit dem 12. Februar ist die automatische Datenübertragung der unbesetzten Wetterstation in der Aßmannstraße in Sudenburg nach Leipzig gestört. Folglich liegen in Leipzig keine Daten vor. „Über die Ursache können wir noch nichts sagen. Aber die Daten sind nicht verloren“, erklärte Petra Grubitsch vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Die Temperaturen dürften sich aber von den Werten aus Demker kaum unterscheiden.