Magdeburg l Rolf Schroeder ist der „coolste“ Neuzugang der Magdeburger Eisröwer. Über 4 Grad Celsius Wassertemperatur kann der 62-Jährige nur müde lächeln. Einst stellte er den Rekord im Eissitzen auf.

72 Minuten und 30 Sekunden harrte er in einem riesigen mit rund 30.000 Eiswürfeln gefüllten Behälter aus. Warum? Um an seine Grenzen zu gehen.

2007 Weltrekord im Eissitzen

In einer Diskothek in der niedersächsischen Kleinstadt Schüttorf bei Nordhorn stellte er 2007 den Rekord auf. Die Idee dazu habe er selbst gehabt. „Ich bin ein leidenschaftlicher Saunagänger“, erzählt er. „Irgendwann bin ich mal länger in dem Abtauchbecken geblieben - schaffte es gut 40 Minuten.“ Im Zuge einer Eisparty in der Diskothek schlug er dem Disco-Inhaber den Rekordversuch vor. Gut zehn Wochen lang trainierte er die Extremsituation, war beinah täglich im - 22 Grad Celsius kalten Kühlhaus eines befreundeten Fleischers und tauchte in so ziemlich jedes Eisbad ein, das sich ihm bot. Mit Erfolg.

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Den Rekord hat er sich eiskalt geholt. Natürlich unter ärztlicher Aufsicht. Auch ein Krankenwagen stand bereit. Auf 32 Grad Celsius sank seine Körpertemperatur dabei ab. Als er „ein wenig fröstelnd“ das Eiswürfelbad verließ, wurde er sofort in eine Wärmedecke gepackt und mit einer angewärmten Kochsalzlösung versehen – „die Infusion in den Fuß, weil die Venen in den Adern zu kalt waren“. „Keine Ahnung, ob das wirklich notwendig war.“

Eine halbe Stunde nach der Kälteexkursion sei er schon wieder weitgehend fit gewesen. „Alles nur eine Frage des Trainings. Wenn man gut trainiert, ist es für den Körper kein Schock mehr. Herz, Kreislauf und Psyche stellen sich darauf ein. Man kann seinen Körper an Extremsituationen gewöhnen.“

Extrembelastung als Herausforderung

Und die scheint der Niedersachse, der vor fünf Jahren der Liebe wegen nach Magdeburg zog, geradewegs zu suchen. Nach einem Unfall habe er aus Frust mit dem Laufen begonnen – absolvierte irgendwann über 70 Marathons. Manche davon ganz allein. „Als Herausforderung an mich selbst.“

Auch habe er mal eine Kawasaki gewonnen, weil er am längsten – rund 36 Stunden – an einem Motorrad stand und es berührte. Das sei damals eine Aktion eines Motorradhändlers gewesen.

Als Schiedsrichter beim Fußball – seit 2017 pfeift er für den SV Angern die Oberliga – habe er mal 39 Stunden am Stück gepfiffen. „Am Ende passten mir die Fußballschuhe nicht mehr, weil meine Füße so angeschwollen waren.“

Eisbaden als Jungbrunnen

„Es liegt in meiner Natur, über das Normale hinauszugehen“, erklärt er. Deswegen sei er auch zu den Magdeburger Eisröwern gegangen. Fünf Mal sei er in den vergangenen sieben Jahren an der Wirbelsäule operiert worden. Nun gilt er als austherapiert. „Ich habe mich daran erinnert, wie gut mir das Eisbaden und die Kälte getan haben. Ich habe mich 20 Jahre jünger gefühlt“, erklärt der 62-Jährige. Da will er wieder hinkommen. Und schon jetzt fühle er sich viel, viel besser. „Und Eisbaden ist etwas, das kann man bis ins hohe Alter tun.“

Bis zum 31. März trainieren Magdeburgs Eisröwer jedes Jahr immer sonntags um 11 Uhr am Strand des Neustädter Sees. Und wer weiß, wenn Väterchen Frost sich noch mal blicken lässt, kommt Rolf Schroeder noch einmal zu einem „richtigen“ Eisbad.

Der Rekord, den der Wahlmagdeburger 2007 aufstellte, ist übrigens längst gebrochen. Knapp 110 Minuten lang verharrte beispielsweise der Holländer Wim Hof 2011 bis zu den Schultern in pures Eis verpackt.