Magdeburg l Domviertel, SWM-Neubau am Blauen-Bock-Standort, Luisenturm an der Erzbergerstraße, die neue Uniplatz-Westseite und das geplante Wohngebiet am Stadtpark – die erweiterte Innenstadt von Magdeburg ist aktuell geprägt von Großbauvorhaben. Sie werden die Stadtsilhouette teils einschneidend verändern, zumal an allen Standorten auch Hochhäuser neue Marken setzen sollen.

Die Fraktion CDU/FDP im Rat beantragte deshalb bereits zu Jahresbeginn 2019, der Oberbürgermeister möge die Erstellung eines Magdeburger Hochhauskonzeptes prüfen, das zum einen den Dom als prägendes Bauwerk erhält und gestalterische Vorgaben für neue stadtbildprägende Gebäude setzt. Die SPD ergänzte den Antrag noch um den Wunsch nach härterer Gangart: Das Stadtoberhaupt bzw. dessen Bauverwaltung möge nicht prüfen, sondern machen. Punkt.

Magdeburg braucht Hochhauskonzept

Beide Anträge verwies der Stadtrat dazumal zunächst zur Debatte in seine Ausschüsse. Bereits vor Abschluss der Debatte in den Fachgremien nimmt der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann (parteilos) deren Ergebnis jetzt mit einer offiziellen Stellungnahme vorweg. Ein Hochhauskonzept werde „dringend benötigt“, so Scheidemann.

Ohnehin sei die Erarbeitung eines städtebaulichen Rahmenplans für die Innenstadt vorgesehen. Im 2. Quartal 2019 solle ein externes Planungsbüro mit der Aufgabe betraut werden, die nunmehr um die Einarbeitung eines Hochhauskonzeptes erweitert werden müsse. „Das oberste Ziel ist, das Wahrzeichen Dom in seiner Höhe sowie innerhalb der Sichtachsen nicht zu beeinträchtigen“, sagt Scheidemann und gibt als Leitmaß für die Innenstadt eine maximale Gebäudehöhe von etwa 45 Metern an.

Wohnhaus knapp 60 Meter hoch

Die 45-Meter-Marke wird allerdings an der Erzbergerstraße (Luisenturm im Bau) und am Universitätsplatz (Bebauung Westseite in Planung) schon deutlich überschritten. Hier planen Bauherren Wohntürme von knapp unter und knapp über 60 Metern Höhe. Auch am Stadtparkeingang – unmittelbar gegenüber von Dom (104 Meter) und Kloster (48 Meter) auf der anderen Elbuferseite – sind zwei Hochhäuser ähnlichen Ausmaßes geplant, welche die Stadtansicht aus Richtung Osten womöglich stark verändern.

Noch gibt es kein Baurecht für die in Einwohnerschaft und Stadtrat umstrittenen Wohntürme am Park. Ihre Nah- und Fernwirkung dürfte bei der Erarbeitung des Hochhauskonzepts eine Rolle spielen.

In die geplanten Untersuchungen sollen neben Abstandsgeboten zu historischen Bauwerken und dem Erhalt von unmittelbaren Sichtbeziehungen auch negative Auswirkungen von Neubauten auf die Fernwirkung zum Beispiel des Domes einfließen. Tatsächlich – und zahlreiche Magdeburger lieben die Ansichten – rückt der Dom auf der Autobahn 2 schon ab Höhe Raststätte Börde in den Blick. Wer auf der Bundesstraße 1 in die Stadt einfährt, genießt ab Heyrothsberge Domblick. So soll es bleiben.

Der „Rahmenplan Innenstadt“ und das Hochhauskonzept sollen 2020 komplett sein.