Baustelle

Im Tunnel Magdeburg naht der Durchbruch

Auf dem Magdeburger Tunnel werden derzeit große Massen bewegt. Es geht um große Mengen an Abraum und Beton.

Magdeburg l Viel Platz haben die Bauarbeiter, die derzeit die Tunnelröhre in Richtung Stadtmitte ausheben, an der Ausfahrt vor dem City-Carré nicht. Alle paar Minuten fährt im Oktober 2020 eine Laderaupe rückwärts aus der Tunnelausfahrt in Richtung Innenstadt. Die Schaufel ist jedes Mal voll geladen mit dem sandigen Material, das seit Zehntausenden Jahren in der Tiefe schlummerte. Es handelt sich um den Abraum, der nach und nach aus der immer weiter in Richtung Damaschkeplatz wachsenden Tunnelröhre herausgeholt wird. Oben steht ein Bagger bereit, der den Aushub auf Lkw verlädt. 15 bis 20 Fuhren pro Tag müssen fortgeschafft werden, da auf dieser Seite des Tunnels anders als auf dem Damaschkeplatz keine Lagerflächen zur Verfügung stehen.

Christian Fuß betreut das Tunnelprojekt vonseiten der Stadt und sagt: „Wir liegen hier gut in der Zeit und sind inzwischen mit der Tunnelröhre in Höhe der ersten Eisenbahnbrücke angekommen.“ Der wenige Platz sei kein Problem, da – anders als vom Damaschkeplatz, von wo aus die Tunnelröhre bereits bis in Höhe des Kölner Platzes vorhanden ist –, nicht auf beiden Fahrtrichtungen gegraben wird. Sprich: In Richtung Damaschkeplatz hat von der Innenstadtseite der Aushub noch nicht begonnen.

Vielmehr wird hier noch Beton für den sogenannten Trog gegossen – für jenen Bereich, in dem die Fahrzeuge bei ihrer Fahrt in den Tunnel fast schon die Einfahrt erreicht haben und der mit wasserdichten Seitenwänden ebenso wie die Tunnelröhre gegen das Eindringen von Grundwasser geschützt ist. Die Arbeiten an diesem Trog müssen bis November abgeschlossen sein. „Dann nämlich wollen wir auch auf dieser Seite mit dem Aushub beginnen“, berichtet Christian Fuß.

Auch in diesem Bereich wird in zwei Schichten abgetragen – zunächst etwa vier Meter direkt unter der bereits vorhandenen Tunneldecke und zwischen den als erstes hergestellten Wänden aus Betonbohrpfählen, in einem zweiten Gang dann die restlichen drei Meter. Diese Zweistufigkeit soll verhindern, dass Boden in die bereits ausgehobene Röhre rutscht. „Dabei muss bei den unteren Metern sehr genau darauf geachtet werden, die richtige Tiefe einzuhalten, während es beim ersten Aushub nicht ganz so genau darauf ankommt“, erläutert Christian Fuß.

In etwa vier bis sechs Wochen soll es dann so weit sein: Die Tunnelbauer sollen von der Innenstadtseite auf die bereits vorhandene Röhre vom Damaschkeplatz aus treffen.

Quasi im Vorbeigehen getroffen sind die Bauarbeiter bereits auf eine andere Röhre – auf die künftige Ein- und Ausfahrt des City Carrés, über der bereits jetzt auf einer kleinen Brücke die Straßenbahnen zwischen Ernst-Reuter-Allee und Willy-Brandt-Platz rollen.

In den kommenden Tagen sollen sich alle Interessierten vom Aushub der Tunnelröhre ein Bild machen können. Die Stadt möchte hier eine weitere Webcam installieren. Sie soll jene beiden ergänzen, die auf der städtischen Tunnel-Homepage auf der Damaschkeplatz-Seite des Tunnels den Ausbau dieses Teils des 200-Millionen-Euro-Projekts dokumentieren.

Oberhalb bereiten die Gleisbauer inzwischen die weitere Arbeit am neuen Gleisdreieck an der Einmündung des Willy-Brandt-Platzes auf die Ernst-Reuter-Allee vor. Zurzeit werden hier Matten verlegt. Sie werden die Schwingungen dämpfen, die die abbiegenden Straßenbahnen verursachen.

Und auch direkt neben der Wand des City Carrés tut sich etwas: Hier wird am Fußgängerweg gearbeitet. Christian Fuß sagt: „Wir hoffen, dass wir diesen Anfang Dezember, vielleicht sogar schon Ende November freigeben können.“ Zwischen Busbahnhof und ­Ulrichplatz ist dann wieder ein direkter Durchgang ohne Umwege durch oder um das City Carré möglich.

Auch am Damaschkeplatz hat sich in den vergangenen Tagen viel getan. Vor der Einfahrt in den Tunnel wurde eine Sohle gegossen, auf der später die Fahrbahn gebaut werden kann. Dazu wurden 430 Kubikmeter Beton benötigt, die in mehr als 50 Fuhren von Betonmischer-Lkw am Mittwoch angeliefert wurden.

Auch auf der anderen Seite neben der Ringauffahrt ist Beton das Material der Stunde: Gestern wurde unter anderem wurde gestern Beton für Stützwände neben der Rampe aus dem Tunnel gegossen. In den kommenden Wochen werden auch hier für einen besonders großen Abschnitt der Sohle mehr als 400 Kubikmeter Beton benötigt.

Im Tunnel sind auf der Damaschkeplatz-Seite an den Seitenwänden die Bewehrungen fertiggestellt. Auch hier in Kürze gefragt: Beton.

Auf einer Dossierseite der Volksstimme finden Sie weitere Beiträge über den Tunnelbau in Magdeburg.