Magdeburg l Ingeborg Brunzel ist Miteigentümerin des Hauses Am Sudenburger Tor 5 in Magdeburg. Nebenan ist in den vergangenen Monaten das Eckgebäude an der Hallischen Straße gegenüber der Tankstelle saniert worden, derzeit läuft der Innenausbau. Auf der anderen Seite sind die Arbeiter noch längst nicht so weit. Doch altes Material wurde aus dem Haus herausgeholt, neues wird verbaut.

Also alles in Ordnung in einer Ecke der südlichen Altstadt, in der über Jahre kein weiterer Fortschritt erkennbar war? Könnte man meinen. Doch Ingeborg Brunzel hat Angst um ihr Gebäude und hat ihre Mieter kurzfristig in ein Hotel ausquartiert. Sie sagt: „Ich sorge mich um die Sicherheit des Hauses. Ich befürchte, dass es zusammenbrechen könnte.“

Loch in der Wand

Die Schuld sieht sie bei den Nachbarn Am Sudenburger Tor 3 und 4, wo intensiv an der Hülle der Altbauten gearbeitet wird. „Es wurde einfach nicht beachtet, dass die Häuser über gemeinsame Giebelwände verfügen.“ Ohne Rücksicht seien so aus dem um 1885 gebauten Gebäudekomplex Decken herausgebrochen worden: Eines Tages wurde ein Loch in die Wand zum Wohnzimmer eines Mieters gerissen. Immer wieder gab es Wasserschäden. Öfen mussten stillgelegt werden, da die Schornsteine beschädigt wurden. Und daneben über Wochen Baulärm, der den Bewohnern die Nerven raubt.

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Die Miteigentümerin des Gebäudes fordert zum einen einen Baustopp. Nicht allein aus Sorge um ihr Haus, hier werde nicht saniert, sondern neu gebaut – und da gelten andere Voraussetzungen. Zum anderen geht es um Schadenersatz: u. a. dafür, die Wohnungen wieder in Ordnung zu bringen. Zudem für Mietausfälle: Neben dem Ladenlokal stehen von den zwölf Wohnungen wohl bald die Hälfte leer.

Statiker gibt Entwarnung

Da nutzt es auch nichts, dass am 22. November 2019 ein Statiker schriftlich die Standsicherheit vom Sudenburger Tor 5 bestätigte. Ein solches Dokument hatte Ingeborg Brunzel gefordert, um guten Gewissens die Mieter zurückkehren lassen zu können. Zu denen, die bereits auf Dauer ausgezogen sind, gehört Vanessa Kuba. Sie sagt: „Der Lärm war unerträglich. Ich konnte mich nicht auf Prüfungen vorbereiten.“ Das Fass zum Überlaufen gebracht hatte dann das Wasser, das großflächig aus der Wand zur Baustelle hin in den Wohnbereich eingedrungen sei.

Dirk Krüger ist Bauherr des Bauprojekts im Sudenburger Tor 3 und 4. Er sieht die Situation anders und sagt: „Bei einigen der Schäden handelt es sich beispielsweise um ein paar Schäden im Putz. Die Aufregung ist völlig übertrieben.“ Angesichts dessen, dass seine Gebäude über viele Jahre dem Verfall preisgegeben waren, seien umfangreiche Arbeiten erforderlich, die sich bedauerlicherweise nicht völlig ohne Lärm, Staub und Erschütterungen durchziehen ließen.

Auseinandersetzung geht weiter

Ingeborg Brunzel wird sich damit, dass nicht wie von ihr gewünscht ein Baustopp verhängt wurde, aber nicht zufrieden geben. Sie wolle weiter die Rechtmäßigkeit des Bauvorhabens in dem Nachbarhaus anfechten und auch um eine angemessene Entschädigung kämpfen, sagte sie der Volksstimme.

Am Abend nach dem Ortstermin dürfte sich die Hauseigentümerin in ihrer Entschlossenheit bestärkt fühlen. In einer Wohnung wurden neue Risse entdeckt.