Magdeburg l Hoch her geht es in der ersten Augusthälfte 2019 auf der Großbaustelle zum neuen Domviertel am Breiten Weg in Magdeburg. Vom ersten Gebäude zu der Hauptstraße hin wurde das Gerüst abgebaut. Es handelt sich um Haus 2 des Projekts der Magdeburger Wohnungsgenossenschaft (MWG), die in diesem Bereich der südlichen Altstadt gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg und der Wohnungsbaugenossenschaft „Otto von Guericke“ neues Leben ins Quartier einziehen lassen möchte.

Zu sehen sind an dem Gebäude helle Klinkersteine. Thomas Fischbeck ist Vorstand der MWG und erläutert: „Mit dieser Fassade nehmen wir einen Bezug auf die Geschichte Magdeburgs als Industriestadt.“

Klinkersteine in der Innenstadt von Magdeburg

Die hellen Klinkersteine sollen auch beim Parkhausprojekt auf der anderen Seite des Karrees zur Leibnizstraße hin gestaltet werden. In einer gewissen Weise erinnern die Klinkersteine auch an andere Gebäude in der unmittelbaren Umgebung: Sowohl das gründerzeitliche Schulgebäude an der Leibnizstraße als auch die historischen Gebäude des Domgymnasiums sind mit Klinkern gestaltet. Und nicht zuletzt: In dem Gebiet, auf dem die neue Wohnbebauung der drei Bauherren entsteht, befand sich bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg eine weitere Schule.

Bilder

Neben der jetzt frei sichtbaren Klinkerfassade befindet sich ein Gebäude, von dem die Gerüste in der folgenden Woche fallen sollen. Hier eine ganz andere Gestaltung: Hier prägen die glänzenden Aluminiumverbundplatten mit Kunststoffkern das Bild. Auch sie in einem hellen Ton.

Erinnerung an Erker früherer Häuser

Markant ist ein über zwei Etagen reichender Bereich, der auf den Breiten Weg hinausragt und der in einem Kupferton gerahmt ist. Architekt Matthias Hilbig hatte diesen Vorschlag von Anfang an auf dem Plan und erläutert: „Es handelt sich um eine moderne Interpretation der Erker, die in diesem Bereich der Innenstadt ja bis zur Zerstörung für viele Häuser prägend waren.“

Auf der anderen Seite des verklinkerten Gebäudes befindet sich ein Zwischenbau, an den sich der Turm der MWG anschließt. Bis hier die Gerüste fallen, werden noch einige Wochen vergehen. In den oberen Etagen kommt auch hier die Aluminiumoptik zum Einsatz. Im Erdgeschoss wird Schiefer das Bild bestimmen.

Mieter ziehen ab Oktober 2019 ein

Die ersten Wohnungsmieter bekommen Anfang Oktober die Schlüssel, für den MWG-Turm Anfang November. Thomas Fischbeck sagt: „Auf jeden Fall ist offenbar der Bedarf nach entsprechendem Wohnraum in Magdeburg ungebrochen: Bis auf zwei Maisonettewohnungen in der Haeckelstraße haben wir für alle Mietverträge.“

Ähnliches gilt offenbar auch für die Gewerberäume in dem Gebiet. Hier sind noch 90 Quadratmeter nicht vergeben. Für Leben in dem Viertel dürfte zum einen die Gastronomie sorgen. Derzeit läuft der Ausbau der Tapas-Bar „Berner & Brown“ auf 130 Quadratmetern. Hier wird es 50 Plätze drinnen und einen zusätzlichen Außenbereich geben. 16 Mitarbeiter werden hier eine Anstellung finden.

Eis, Tapas und ein Domschatz-Café

Mit einer Eisdiele und dem Domschatz-Café zieht ein weiterer Gastronom ein. Insgesamt geht es um rund 300 Quadratmeter mit rund zehn Mitarbeitern. Auch hier wird es einen Terrassenbetrieb geben.

Interesse an den Räumen hat derweil offenbar auch die Immobilienwirtschaft selbst gefunden. Mit in den Neubau zieht von der MWG die WEG ein – eine Tochter zur Verwaltung von Wohneigentum. Zudem zieht der Verband der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt zum Jahreswechsel von der Olvenstedter Straße in Gewerberäume ein. Der Verband belegt eine Fläche von 500 Quadratmetern. Mit „Engel & Völkers“ zieht zudem vom Hasselbachplatz ein Unternehmen ins Domviertel, das sich der Vermittlung hochwertiger Wohn- und Gewerbeimmobilen verschrieben hat.

Krankenkasse und Arbeitsvermittlung

Aus einem Gebäude am Breiten Weg zieht das BKK-VBU Service Center Sachsen-Anhalt in den Neubau. Mit "AlphaConsult" wird eine in Nürnberg beheimatetete Zeitarbeitsfirma hier einen Platz finden.

„Das Einzige, was uns noch fehlt, wäre eine Straßenbahnhaltestelle ,Friedensplatz‘“, sagt Thomas Fischbeck. Im Sinne einer Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs und der Innenstadt sei dies wünschenswert, zumal auch der Abstand zwischen den Haltestellen Hasselbachplatz und Domplatz für Innenstadtverältnisse ohnehin recht groß bemessen sei.