Corona-Impfungen

Impfstoff-Ladenhüter sind in Magdeburg eher ein Mythos

Haben Ärzte in Magdeburg Schwierigkeiten, Impfwillige für Impfstoffe wie den von Astrazeneca zu finden? Ärzteverbände sehen keine Grundlage für derlei Gerüchte.

Von Ivar Lüthe
Ein Arzt bereitet eine Impfung in seiner Hausarztpraxis vor.
Ein Arzt bereitet eine Impfung in seiner Hausarztpraxis vor. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Magdeburg - Anfang Juni 2021 war ein Fall bekannt geworden, bei dem ein Magdeburger Arzt davon berichtet hatte, dass er Schwierigkeiten gehabt hätte, Impfwillige für den Impfstoff von Astrazeneca zu finden. Dies solle auch anderen Ärzten so gehen, sagte er. Um den Impfstoff nicht ungenutzt im Kühlschrank zu horten, verimpfte er ihn auch an auswärtige Impfwillige, Niedersachsen reisten selbst mit einem Reisebus in Magdeburg an. Kaum hatte die Volksstimme davon berichtet, meldeten sich zahlreiche Impfwillige aus Magdeburg bei dem Arzt, der später dann von einem „Ansturm“ berichtete.

Wie sieht das bei anderen Ärzten in Magdeburg aus? Immer mal wieder kursieren auch in sozialen Netzwerken im Internet Aussagen, dass es „Ladenhüter“ bei Impfstoffen gebe. Doch was ist dran an solchen Aussagen?

„Von Problemen, Impfstoff nicht los zu werden, haben wir noch nichts gehört“, sagt Beate Deicke vom Hausärzteverband. „Ganz im Gegenteil: Die Impftermine sind vereinbart, die Leute einbestellt, aber die Apotheken können nicht liefern. Wir haben eher Probleme damit, dass es nicht genügend Impfstoff gibt.“ Und auch nach Astrazeneca sei „die Nachfrage sehr hoch“.

Amtsarzt kennt solche Probleme nicht

Auch Magdeburgs Amtsarzt Eike Hennig ist von derlei Abnahmeschwierigkeiten nichts bekannt. Auf Nachfrage sagte er auf der jüngsten Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage und Impfsituation in Magdeburg: „Wir haben keinerlei solcher Erfahrungen gemacht. Ich kenne es nicht als flächendeckendes Phänomen, dass Ärzte damit Probleme haben.“

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ergänzte auf der Pressekonferenz: „Das Sozialministerium hat gerade erst eine Abfrage unter Ärzten in der Stadt dazu gemacht und es gab keinerlei Hinweise von Hausärzten, dass sie den Impfstoff nicht los werden. Im Impfzentrum sind wir auch Astrazeneca immer los geworden.“

„Die Nachfrage ist unverändert hoch“

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung ist ebenso bislang nichts davon bekannt geworden, dass Arztpraxen Probleme haben, ihre Impfstoffe gegen Corona zu verimpfen, weil sich unter ihren Patienten nicht genügend Impfwillige finden, erklärte eine Sprecherin auf Nachfrage. „Bei uns kommen weiterhin die Rückmeldungen an, dass die Nachfrage unverändert hoch ist. Doch der Impfstoff ist immer noch knapp. Die Ärzte und ihre Praxisteams könnten mehr Patienten gegen Corona impfen. Aber die wöchentlichen Vorgaben zu möglichen Bestellmengen bremsen sie aus“, erläuterte KV-Sprecherin Heike Liensdorf.

Da die Ärzte bedarfsgerecht bestellen und die Nachfrage insbesondere nach Impfungen von Astrazeneca von den Ärzten eingeschätzt werden kann, gehe die Kassenärztliche Vereinigung davon aus, dass auch bei Astrazeneca die bestellten Mengen verimpft werden können, hieß es weiter.

Seit dem 7. April 2021 finden Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen, seit dem 26. April auch in den Facharztpraxen statt. Nun sind auch Betriebsärzte mit eingestiegen, seit Wochenbeginn ist zudem die Priorisierung beim Impfen aufgehoben worden, was zu einer weiteren Erhöhung der Nachfrage für Impftermine in Impfzentren und Arztpraxen führt.

Für die Landeshauptstadt waren zuletzt für Donnerstag, 10. Juli 2021, 1626 neue Impfungen im Impfzentrum sowie bei den niedergelassenen Ärzten vom Sozialministerium gemeldet worden.