Social-Media-Kreativzentrum

In Magdeburg soll ein Mekka für YouTuber entstehen

Für drei Millionen Euro soll im Magdeburger Stadtteil Buckau auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern eines der größten Social-Media-Kreativzentren Deutschlands entstehen. Die Heavy Media GmbH plant in professionell ausgestatteten Studios, Raum, Know-how und Equipment zur Verfügung zu stellen.

Von Karolin Aertel 10.07.2021, 01:53 • Aktualisiert: 10.07.2021, 02:45
In Magdeburg-Buckau soll mit „Studio 5“  eines der  flächengrößten YouTube-Studio-Zentren Deutschlands entstehen. Und sie wollen es für drei Millionen Euro errichten: (v. l.) Sebastian und Sandra Gauck sowie Sebastian Herden. Foto: Karolin Aertel
In Magdeburg-Buckau soll mit „Studio 5“ eines der flächengrößten YouTube-Studio-Zentren Deutschlands entstehen. Und sie wollen es für drei Millionen Euro errichten: (v. l.) Sebastian und Sandra Gauck sowie Sebastian Herden. Foto: Karolin Aertel Foto: Karolin Aertel

Magdeburg - Es dürfte eines der größten Social-Media-Kreativzentren Deutschlands sein, das derzeit in Buckau entsteht. Auf 2000 Quadratmetern will das Ehepaar Sebastian und Sandra Gauck gemeinsam mit ihrem Freund und Kollegen Sebastian Herden ein Mekka für YouTuber, Influencer und Blogger schaffen. Drei Millionen Euro nehmen sie dafür in die Hand.

Mit dem Vorhaben füllt das Trio eine Lücke, die YouTube jüngst in Deutschland hinterließ. Im September 2019 hatte der Anbieter des Online-Videoportals auf der Berliner Museumsinsel sein sogenanntes YouTube Space eröffnet - drei professionell ausgestattete Videostudios sowie Räume für Schnitt und Tonaufnahmen. Die Idee: Lokalen YouTubern Raum, Equipment und Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Doch die coronabedingte Schließung führte schon nach wenigen Monaten zum gänzlichen Aus für das YouTube-Kreativzentrum.

Das Magdeburger Trio nutzte die Gelegenheit und adaptierte das Konzept. Sie kauften die Werkhalle am Pumpenhaus, in der bis vor kurzem noch die Oldtimerfabrik beheimatet war; ein Gebäude, in dem einst die Wasserwerker lernten. Nun sollen auf den 2000 Quadratmetern diverse Studios entstehen. Vier seien in der ersten Bauphase geplant, fünf weitere sollen folgen. Einige Studios werden in ihrer Kulisse wandelbar sein, andere weniger. Entstehen werde beispielsweise ein Haus im Haus, verrät Sebastian Herden. Auch eine Werkstatt ist geplant. Es gebe aber noch nicht für alle Studios konkrete Pläne.

Heimwerker-Videos werden Zehntausende Male geklickt

Die Studios können alsbald von Medienschaffenden gemietet und für die Produktion von Inhalten für YouTube, Instagram, Twitch und Co genutzt werden. Dies zumindest dann, wenn Sebastian und Sandra Gauck nicht selbst vor der Kamera stehen. Seit knapp vier Jahren hat das Paar einen eigenen YouTube-Kanal. Seit 2018 produzieren sie diesen unter dem Namen „Helden der Werkstatt“. 87.900 Abonnenten zählen sie bereits, einige ihrer Videos wurden mehr als 170.000 Mal angesehen. Auf charmante Art und Weise, mit Witz und Authentizität gibt das Paar Heimwerkertipps, Bauanleitungen und Werkzeugempfehlungen. Darüber hinaus produziert Sebastian Gauck Gotools.TV für den gleichnamigen Werkzeugfachhandel – ein Kanal mit 107.000 Abonnenten.

Ihr Social-Media-Kreativzentrum, das sie schlicht „Studio 5“ tauften, gibt ihnen nun genügend Raum, ihrer Leidenschaft, dem Hand- und Heimwerken, nachzugehen. Die Entscheidung dafür trafen Sebastian Gauck und Sebastian Herden allerdings schon viele Jahre zuvor.

Beide hatten Managerfunktionen bei einem Telekommunikationsunternehmen, waren viel unterwegs und „brannten“ aus. Sebastian Gauck gründete aus Interesse und als Ausgleich zum stressigen Alltag bereits 2017 seinen YouTube-Kanal, ein Jahr, bevor er kündigte. Grund sei nicht nur die wachsende Popularität seiner Videos gewesen, auch zog er die Handbremse, um glücklich zu werden. „Ich habe neben der Arbeit Dinge gemacht, die Spaß machen. Dann bin ich zur Arbeit gegangen“, erzählt er. Das Verhältnis sei falsch gewesen, das Thema Kreativität fehlte in seinem Managerjob gänzlich. Sein Ziel: „Meine Arbeit soll Spaß machen.“ Eine Einstellung, die Sebastian Herden teilte. So begann die Idee für ein zunächst kleines Kreativzentrum zu reifen und wird, so hofft das Trio, bald Früchte tragen.

Thematischer Schwerpunkt liegt bei Erwachsenen

Acht Angestellte unterstützen sie inzwischen dabei; Mitarbeiter, die notwendige Fachbereiche abdecken. „In einem Fernsehstudio hat man Menschen um sich, die Leute vom Fach sind. Einen Tontechniker, der seinen Beruf gelernt hat, ebenso einen Kameramann, Lichttechniker, Redakteure und so weiter. Für YouTuber, die von allem ein bisschen sind, gibt es keine Ausbildung. Alles ist ,Learning by Doing’. Hier wollen wir uns mit Erfahrung und Know-how einbringen“, erklärt Sebastian Gauck, weist aber auch darauf hin, dass bei ihrem Konzept nicht in erster Linie Teenies angesprochen seien. „Es wird im ersten Jahr definitiv keinen Beauty-Kanal geben.“ Was nicht heißen soll, dass die Jugendlichen die Angebote nicht nutzen können, doch mit seinen über 40 Lenzen liege der thematische Schwerpunkt woanders.

Die Hallen, die einst die  Ausbildungsstätte der Wasserwerker waren, werden in den kommenden Monaten  zu Stdios umgebaut. Sebastian Herden gehört zu den Investoren, die in Magdeburg Buckau, Am Pumpenhaus,   ein Social-Media-Kreativzentrum bauen.
Die Hallen, die einst die Ausbildungsstätte der Wasserwerker waren, werden in den kommenden Monaten zu Stdios umgebaut. Sebastian Herden gehört zu den Investoren, die in Magdeburg Buckau, Am Pumpenhaus, ein Social-Media-Kreativzentrum bauen.
Foto: Karolin Aertel

Dennoch: Zu alt für die Branche fühlen sich die drei Social-Media-Profis nicht. Ganz im Gegenteil. „Die YouTuber und ihre Kanäle werden älter, die Themen, mit denen sie sich beschäftigen, werden nur einfach andere – kochen, bauen, gärtnern, Kinder, Beruf. Und auch Ü40-Jährige nutzen längst TikTok“, erklärt Sandra Gauck. „Wenn man nicht weiß, wie etwas berechnet wird oder wie man etwas baut, repariert oder einschätzen soll, schaut man sich ein YouTube-Tutorial an.“

Dass sie sich für die Umsetzung des Großprojektes keine Medienstadt wie Köln oder München, sondern Magdeburg ausgesucht haben, liege an Freunden und Familie, denen sie nicht den Rücken kehren möchten. Und auch „diese spezielle Mentalität der Magdeburger“ halte sie hier.

Übrigens: Den Bau der Studios wird man auf dem Kanal der Magdeburger YouTuber demnächst verfolgen können.