Magdeburg l Am Alten Markt in Magdeburg sind Angebote zum Genuss von Speis und Trank an Ständen alltäglich und der Konsum zeitigt zutiefst menschliche Bedürfnisse. „Oh, Mist“, stoßen Vater und Sohn am Mittwochmittag nahezu gleichzeitig aus, als sie der Fotografin an den öffentlichen Toiletten in der Buttergasse zufällig beinahe vor die Linse laufen. Alle haben das gleiche Schild vor Augen: „Toilette wegen Vandalismusschäden geschlossen“.

Vater und Sohn hasten eilig weiter in der Hoffnung auf Erleichterung in einem der umliegenden Einkaufcenter. Zur Normalzeiten landet die derart in Bedrängnis geratene Gemeinde der Marktbesucher in einer der umliegenden Gaststätten an. Am Mittwoch waren die noch coronabedingt geschlossen.

Bereits zu Wochenbeginn war das Problem Thema im Stadtrat. „Das kann nicht sein“, sagte da Jürgen Canehl (Grüne) „Seit Monaten ist die Anlage geschlossen und es tut sich einfach nichts.“ So jedenfalls könne die Landeshauptstadt nicht Kulturhauptstadt Europas werden, wenn nicht einmal einfachste Bedürfnisse einigermaßen kulturvoll befriedigt würden. Mit der „Netten Toilette“ könne sich die Stadt nicht einfach rausreden, so Canehl.

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"Nette Toilette" nur Ergänzung

Unter diesem Slogan werben Städte bei Restaurants und Einzelhändlern um freien Zugang zu Toiletten auch für Nicht-Gäste und zahlen Entschädigungen dafür. Das Modell tauge für die Provinz, vielleicht auch für Stadtteile abseits des Zentrums, aber nicht für zentrale und auch touristisch anziehende Lagen einer Landeshauptstadt.

Insgesamt verfügt Magdeburg über 15 öffentliche Toilettenanlagen. Ihre Aufstellung und Unterhaltung schlägt durchaus relevant im Stadthaushalt zu Buche. Eine einzelne moderne Anlage kostet gut und gerne 100.000 Euro und mehr – Pfege, Wartung und die ständig nötige Beseitigung von Vandalismusschäden noch nicht eingerechnet. Mit Letzteren hat die Stadt seit Jahren ein Problem, vor allem am Alten Markt.

Das räumte einmal mehr der zuständige Ordnungsbeigeordnete Holger Platz im Stadtrat ein. „Wir haben das Thema erst kürzlich im Verwaltungsausschuss besprochen.“ Der Probleme sei man sich bewusst – und wolle handeln. „Und nein, die ,Nette Toilette‘ sehen wir nicht als Ersatz für eine ordentliche Infrstruktur, sondern nur als eine Ergänzung dazu“, so Platz.

Vorhandene Toiletten auf dem Prüfstand

Tatsächlich seien die öffentlichen Sanitäranlagen an vielen Standorten in die Jahre gekommen und von Standort zu Standort sehr unterschiedlich genutzt. „Wir sehen da Verbesserungsbedarf auch und gerade mit Blick auf die Kulturhauptstadt“, räumte Platz ein. Man wolle jetzt alle Anlagen auf den Prüfstand stellen und nötigenfalls verändern, sanieren, ersetzen. An der eingangs zitierten Anlage Buttergasse seien Probleme mit Vandalismus besonders ausgeufert, so dass eine Generalsanierung unausweichlich ist.

Der zunächst geplante Umzug der Anlage in den ehemaligen Kiosk neben der „Bötelstube“ sei gescheitert. „Das war auch eine Idee des Oberbürgermeisters“, so Platz mit Blick auf eine Lösungsoption, wie sie auch die Grünen ins Spiel brachten, „aber die Wobau hat das anders entschieden“. Der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft gehört das Objekt.

Bleibt die Sanierung am Ort in der Buttergasse; Platz warnte den Rat schon einmal vor: „Die wird uns, je nach Variante, zwischen 63.000 und 124.000 Euro kosten.“ Ist die Anlage wieder schick, werde die Stadt um personellen Einsatz zur Überwachung nicht herum kommen. „Wir bekommen das wohl nicht anders in den Griff.“ Auch wenn laut Platz schon in Arbeit: Der Rat stimmte dem Grünen-Antrag auf schnelle Problemlösung trotzdem zu. Sicher ist sicher.