Magdeburg l Am Freitag um 19 Uhr sind die Magdeburger aufgerufen, von ihren Balkonen oder aus dem geöffneten Fenster heraus gemeinsam das Magdeburger Lied anzustimmen. Dieses Lied kennt so gut wie jeder Magdeburger und begleitet auch den 46-jährigen Marco Hofmann schon seit seiner Kindheit.

Als er in den sozialen Netzwerken sah, wie die Leute in Frankreich oder Italien gemeinsam von ihren Balkonen singen, dachte er sich: „Das können wir auch.“ Er habe nicht lange überlegt, einfach bei Facebook eine Veranstaltung erstellt und diese freigegeben. „Es nimmt jetzt Ausmaße an, mit denen ich nicht gerechnet hatte“, sagt Hofmann. Denn mehr als 700 Personen hatten am Donnerstag am späten Nachmittag bereits Interesse bekundet, sich daran zu beteiligen. Seine Hoffnung ist, dass durch diese Aktion ein größerer Zusammenhalt zwischen den Menschen entsteht und sie gleichzeitig in Zeiten des Coronavirus helfen, das Virus einzudämmen, indem sie zu Hause bleiben.

Gemeinsam singen verbindet

Hofmann hat selbst auch drei Kinder, die durch geschlossene Schulen und Kitas zu Hause sind. Er versucht, sie so gut wie möglich zu beschäftigen, hat Verständnis für die Schließungen: „Das muss nun mal gemacht werden, es ist ein notwendiges Übel“, sagt er, auch wenn es schwierig und zuweilen nervig sei. Er selbst erlebt auch Einschränkungen, ist Mitglied einer Mittelaltergruppe. Viele Veranstaltungen, die geplant waren, werden jetzt abgesagt. Gemeinsam zu singen, in sicherem Abstand, sei trotzdem verbindend.

Deshalb wird er heute Abend um 19 Uhr auch auf seinem Balkon im Zehngeschosser an der Leipziger Straße singen. Gegenüber wohne eine liebe Freundin, „wahrscheinlich werden wir uns gegenseitig ansingen“, erzählt er schmunzelnd.

FCM ist bei der Aktion dabei

Eingeklinkt in die Aktion hat sich auch der 1. FC Magdeburg. Wie Pressesprecher Norman Seidler am Donnerstag auf Nachfrage berichtete, hätten viele Magdeburger eine große Verbindung mit dem Lied und es gehört auch zur FCM-Familie einfach dazu. Vor jedem Heimspiel wird es angestimmt. „In der schweren vielleicht noch bevorstehenden Zeit ist es ein Zeichen, zusammenzustehen“, sagt er, aber auch ein Signal der Solidarität, Stärke und des Zusammenhaltes. Deshalb unterstütze der Verein diese Aktion. Beim Verein selbst ist derzeit auch individuelles Training angesagt. Die Hoffnung ist groß, dass, wenn das Virus eingedämmt werden kann, bald wieder in kleineren Gruppen oder vielleicht sogar als Mannschaft trainiert werden kann.

Wie schön es ist, wenn auf Balkonen gesungen wird, hat Thomas Opp aus Stadtfeld bereits erlebt. „Eine Mutti mit ihrem Kind hat bei uns im Hof vom Balkon ein Lied zum Besten gegeben“, erzählt er als Mitglied im Bürgerverein Stadtfeld, der auch eine Nachbarschaftshilfe in Stadtfeld gegründet hat. „Viele kamen aus ihren Wohnungen und haben am Ende auch applaudiert“, erzählt er.

Welle der Hilfsbereitschaft

Im Nachbarschaftsportal habe er eine Welle der Hilfsbereitschaft erlebt. Was fehle, seien jedoch Menschen aus den Risikogruppen, die diese Hilfe auch annehmen. „Es kostet Überwindung und Vertrauen, Hilfe von einem Fremden anzunehmen“, sagt Opp, denn immer wieder kommt es zu sogenannten Enkeltricks. Da sei es verständlich, dass die Menschen misstrauisch sind.

Die Freiwilligenagentur Magdeburg sammelt Kontaktdaten zu Nachbarschaftshilfen in der Stadt. Denn neben der Nachbarschaftshilfe in Stadtfeld wurden weitere gegründet.

Wöchentliche Aktion

Auch im Haus von Marco Hofmann wurde bereits ein Zettel aufgehängt, mit dem ein Nachbar älteren Menschen seine Hilfe anbietet, erzählt Marco Hofmann. Wenn es nicht schon geschehen wäre, hätte er es selbst gemacht. Seine Hoffnung wäre, dass die Hilfe, die jetzt angeboten wird, auch über diese schwierige Zeit hinaus bestehen bleibt und die Menschen wieder mehr zusammenrücken. Vielleicht wird ja auch beim Balkonsingen der eine oder andere Kontakt geknüpft, um Menschen, die vor dem Virus geschützt werden sollen, Hilfe anzubieten. Wer heute nicht dabei sein kann, braucht nicht traurig zu sein, denn die Aktion soll wöchentlich stattfinden. Und im Zweifel geht singen immer, auch allein.

Der Liedtext

1. Ich kenne eine Stadt am großen Strom, die viele Häuser hat und einen Dom. Unsere Stadt mit M beginnt, denn wir sind, wir sind, ein Magdeburger Kind, hey!

Refrain: Ist denn die Elbe immer noch dieselbe? Fragt sich der Dom und wundert sich. So viel Verkehr, Häuser und noch mehr hab ich früher wirklich nicht gesehn.

2. Der Omnibus fährt durch die Stadt, die so wie wir noch Zukunft hat. Wir sind vergnügt bei Regen und bei Wind, denn wir sind, wir sind, ein Magdeburger Kind, hey!

Refrain

3. Im Stadtpark ist es wunderschön, der Till muss auf dem Marktplatz stehn. Wir drehn ihm eine Nase, eh er sich besinnt, denn wir sind, wir sind, ein Magdeburger Kind, hey!

Refrain

4. Ein Zoobesuch ist interessant, Erholung gibts am Barleber Strand. Wir sind vergnügt bei Regen und bei Wind, denn wir sind, wir sind, ein Magdeburger Kind, hey!

Refrain