Magdeburg l „Was nützt das beste Denkmal, wenn man die Inschrift darauf nicht mehr lesen kann“, sagt Lutz Kaufmann zu seiner Motivation, immer wieder Denk- und Grabmäler auf eigene Faust zu restaurieren. Auf mehreren Friedhöfen der Stadt, im Geschwister-Scholl- und im Nordpark, am Kozlowski- und am Kriegerdenkmal hat er sich bereits ans Werk gemacht.

Das hatte ihm im vergangenen Jahr Ärger mit der Stadt eingebracht. „Nicht fach- und denkmalgerecht“ seien die Ergebnisse seiner Arbeit gewesen, hatte man ihm vorgeworfen und mit Anzeige im Wiederholungsfall gedroht. Das habe ihn tief getroffen, sagt er. Schließlich sei er vom Fach und zeigt zum Beweis diverse Abschlüsse und Zeugnisse als Maler und Grafiker vor. In einem von Ministerpräsident Reiner Haseloff angewiesenen Schreiben wird ihm bescheinigt: „Ihr ehrenamtliches Engagement in gutem Sinne ist nicht zu beanstanden.“ Und auch Oberbürgermeister Lutz Trümper sandte ihm einen Brief, in dem er an ihn appellierte, künftig den formalen Weg einzuhalten. Finanzielle Konsequenzen für seine früheren Einsätze gab es nicht.

Eigene Technik entwickelt

Mit einer selbst entwickelten Technik macht er Inschriften auf verwitterten Steinen wieder lesbar, erklärt der 73-Jährige. Aktuell wendet er diese auf dem Israelitischen Friedhof am Fermersleber Weg an. Ganz offiziell mit dem Segen der Synagogengemeinde. „Wir sind ihm unendlich dankbar“, sagt Wadim Laiter, Vorsitzender der Gemeinde. Das sei auch eine Form von Zivilcourage, findet er.

So habe Kaufmann die Namen von 28 jüdischen Soldaten wieder lesbar gemacht, die auf einem Mahnmal für Gefallene des 1. Weltkriegs stehen. Viele Gräber und Grabsteine auf dem 1816 gegründeten Friedhof haben eine Restaurierung nötig, die Gemeinde könne das aber alleine nicht leisten, sagt Wadim Laiter.

Hoffnungsvolles Zichen

In Zeiten des erstarkenden Antisemitismus sei die Aktion von Lutz Kaufmann ein hoffnungsvolles Zeichen, sagt der Synagogenvorstand. „Wir wissen es sehr wohl zu schätzen, wenn so etwas jemand macht, der nicht jüdischen Glaubens ist“, stellt Laiter fest.

Gut 20 Grabsteine hat er auf dem unter Denkmalschutz stehenden Friedhof bereits mit seiner Technik behandelt, erklärt „Denkmalretter“ Lutz Kaufmann. Die behördliche Genehmigung habe ihm eine Mitarbeiterin der Denkmalschutzbehörde mündlich gegeben, sagt Wadim Laiter.

Mit oder ohne Genehmigung?

Bei der Stadtverwaltung ist dies allerdings offenbar nicht bekannt, wie Sprecherin Kerstin Kinszorra auf Volksstimme-Nachfrage mitteilt. „Wir gehen davon aus, dass sich Herr Kaufmann an das vorgeschriebene denkmalrechtliche Genehmigungsverfahren hält“, teilt sie mit.