Magdeburg l Nervenaufreibende Wochen und Monate liegen hinter Simon Becker und seinem Team. Für das Großprojekt „Villa Wertvoll“, einem neuen Kinder- und Jugendkulturzentrum in der Mittagstraße, galt es Unterstützer zu finden, Gelder zu akquirieren, Gespräche mit Schulen, Kitas, Jugendamt und Vertretern von Stadt und Land zu führen und ganz nebenbei auch das alte Fabrikantenhaus auf Vordermann zu bringen.

Kultursoziologisch arbeiten

Mit der feierlichen Eröffnung der Einrichtung am Sonnabend fiel die Anspannung ein stückweit ab. Nun stehen Theaterpädagogen und Psychologen, Musiker und Sozialarbeiter in den Startlöchern, um ihre Arbeit aufzunehmen. Durch die Förderung von Kreativität und sozialem Miteinander wollen sie bei Kindern und Jugendlichen die Liebe zu sich selbst, zu anderen und zum Leben erwecken. Sie wollen sowohl kultursoziologisch arbeiten als auch seelsorgerlich, künstlerisch und pädagogisch. Sechs Mitarbeiter und Honorarkräfte nach Bedarf kümmern sich um die Kinder und Jugendlichen.

Gerade im Stadtteil Neue Neustadt mit einer hohen Zahl von Familien mit Migrantionshintergrund und sozialen Brennpunkten wie rund dem Moritzplatz ein Vorhaben, auf das viele ihre Hoffnungen setzen. Eine enge Zusammenarbeit mit Quartiersmanagerin Lisa Schulz sei unerlässlich. „Sie ist unser Türöffner zum Moritzplatz“, erklärt Simon Becker, der die Geschäftsführung der „Villa Wertvoll“ inne hat.

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Mit Rumänen ins Gespräch kommen

Sie wollen u. a. mit den dort lebenden Rumänen ins Gespräch kommen und deren Kindern eine sinnvolle Freizeitgestaltung und Bildungsangebote bieten. Aber auch eine enge Zusammenarbeit mit der Thomas-Müntzer-Schule, wo nicht zuletzt viele dieser Kinder unterrichtet werden, ist vorgesehen. „Da sind wir einen Schritt weiter, als: ‚schauen wir mal‘.“

In einer Projektwoche sollen sich die Schüler in Theaterworkshops, im Tonstudio und beim Tanzen ausprobieren. „Wir sind alle hoch motiviert“, sagt Simon Becker. „Dennoch denken wir in kleinen Schritten und wollen nicht vorschnell Vollgas geben. Wir sind gerade noch dabei, unsere Ideen zu streuen.“ Fest steht jedoch, dass es am 25. November einen Kindertheatertag geben wird, bei dem seine Frau Bettina, mit der er die „Villa Wertvoll“ führt, als Theaterpädagogin federführend ist.

20.000 Euro in Umbau investiert

Alle Projekte und Workshops, die sie mit den Kindern planen, sollen für die jungen Teilnehmer kostenfrei sein. „Das ist wichtig, da es hier viele sehr einkommensschwache Familien gibt“, weiß er. Finanziert wird das Vorhaben über Fördergelder und Spenden. Allein in die Renovierung der historischen Villa, die 1887 als Sommerwohnhaus für Emilie Hauswaldt, Tochter des Schokoladenfabrikanten Johann Albert Hauswaldt, errichtet und zuletzt von der Diakonie Mitteldeutschland als Geschäftsstelle genutzt wurde, steckten sie rund 20.000 Euro.

Die unzähligen Arbeitsstunden der rund 100 Helfer ringsum nicht einberechnet. „Wenn es etwas gibt, das ich öffentlich sagen möchte, dann danke. Manche Leute haben uns Möbel zur Verfügung gestellt, andere haben bei den Arbeitseinsätzen zehn bis zwölf Stunden geholfen. Das kann nicht in Geld aufgewogen werden.“