Magdeburg l Wenn Manon Straché von „Olvenstedt probiert‘s“ erzählt, kann sie gar nicht aufhören zu schwärmen. „Wo gibt es denn heute noch Volkstheater?“, fragt die TV-Darstellerin, die einigen vielleicht noch aus der Lindenstraße bekannt ist, wo sie Anfang der 1990er Jahre die Rolle der Blumenhändlerin Claudia Rantzow spielte – als Quoten-Ossi sei sie dort eingesetzt worden, und dass sich ihre Figur kaum weiterentwickelte, sei der Grund gewesen, warum sie aus der Lindenstraße wieder ausgestiegen sei.

Ärger über Ost-West-Getue

Von Ost und West, neuen und alten Bundesländern, möchte sie heute aber gar nicht mehr reden. „Die Wiedervereinigung war vor mehr als 25  Jahren. Wie lange soll es denn noch die ‚neuen Bundesländer‘ heißen?“, fragt sie entrüstet. Ossis und Wessis seien sich viel ähnlicher als sie glauben, ist sie überzeugt.

Manon Straché hat keine Probleme damit, auszusprechen, was sie denkt – klar, und auf den Punkt. Und so macht sie auch keinen Hehl daraus, dass ihre Wurzeln zwar in Magdeburg liegen, sie sich aber gar nicht als Magdeburger Kind fühlt. „Ich wurde als Sonntagskind in der Landesfrauenklinik geboren“, erzählt sie. Doch die ersten vier Lebensjahre habe sie bei ihrer Oma in der Nähe von Leipzig verbracht – und sei Leipzig immer treu geblieben. Erst später kam sie nach Magdeburg, wo ihre Eltern am Theater arbeiteten – die Mutter als Tänzerin, der Vater als Musiker. Kindergarten und Schule habe Manon Straché in Magdeburg besucht, sei dann aber wieder zurück nach Leipzig gegangen, in jene Stadt, in der für sie auch die Revolution begann, darauf legt sie großen Wert.

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Jaecki Schwarz war ihr großer Schwarm

Erinnerungen an Magdeburg hat sie dennoch viele – vor allem ans Theater: „Das Theater hat mich geprägt. Als Kind war ich davon fasziniert. Es war bunt, da war die ganze Welt.“ Später waren es dann die Schauspieler, die ihr Interesse weckten – wie Jaecki Schwarz, Henry Hübchen, Peter Sodann, Thomas Thieme. Straché: „Die waren ja alle in Magdeburg, Jaecki Schwarz war mein großer Schwarm.“ Für Manon Straché stand schon damals fest: „Da will ich auch hin.“

Nach dem Abitur ging sie zurück nach Leipzig, studierte an der Theaterhochschule „Hans Otto“ und wirkte bald im Leipziger Kabarett „Academixer“ mit. Als Kabarettistin durfte sie sagen, was sie dachte, und hatte auch Gastauftritte in der BRD. „Da wurde mir klar, dass das so nicht weitergehen kann, dass man uns um unser Leben betrog“, sagt sie. Denn andere durften nicht sagen, was sie dachten, durften nicht reisen.

Realsatire: Kabarett überflüssig

Warum sie heute kein Kabarett mehr spielt? „Ich sehe keinen Handlungsbedarf. Was wir sehen, ist Realsatire. Trump ist eine Kabarettfigur. Was soll ich da noch kommen und ihn parodieren?“ Den kabarettistischen Ansatz hat sich die 57-Jährige dennoch bewahrt, und das spürt man auch, wenn man sich mit Manon Straché unterhält. Ohnedem „könnte ich nicht überleben“. Nach fünf Jahren bei den „Academixern“ und der Wiedervereinigung wollte sie einfach Theater spielen und zog bald nach Heidelberg. „Es wäre ja eine Doppelmoral gewesen, nun zu kommen und auf die BRD zu schimpfen“, erklärt sie. Viele Kabarette seien heutzutage auch gar nicht mehr politisch: „Alles Comedy.“

Das erste Mal, dass sie wieder nach Magdeburg kam, war vor etwa fünf Jahren. „Da habe ich mich erst mal in eine Taxe gesetzt und mir von einem richtigen Magdeburger Taxifahrer alles zeigen und erklären lassen“, erzählt sie, wobei sie in den Magdeburger Dialekt wechselt. Wann immer sie irgendwo zu Gast ist, spricht sie den dortigen Dialekt, „nur saarländisch kann ich nicht“. Auf jeden Fall sei der Magdeburger Dialekt viel charmanter als der Hallenser. Anlass für ihre Reise nach Magdeburg war damals eine Lesung zu ihrem Buch „50 Jahre Leben in Deutschland – meine Geschichte der Geschichte“.

Begeisterung für anarchistisches Theater

In dem Buch bekommen auch die Magdeburger ihr Fett weg. Aber die verstünden das. Als ihre ehemalige Kommilitonin Susanne Bard anrief, um sie zu fragen, ob sie nicht bei einer Folge von „Olvenstedt probiert’s“ mitspielen würde, sagte sie sofort zu: „Ich mag so etwas gern, anarchistisches Theater, über das man sich kaputtlachen kann.“ Der Magdeburger werde hier liebevoll auf die Schippe genommen. Sie selbst stellt „Entes“ (Michael Magel) Mutter dar, die jahrelang verschollen war. „Ich spiele einen Paradiesvogel, der von außen in die Familie kommt und alles ein bisschen durcheinander bringt. Das Drehbuch von Dirk Heidicke, in dem er den Froschkönig adaptiert, sei wunderbar. Der Autor habe wieder einmal „herrliche Texte“ abgeliefert. „Ich freue mich, dass ich bei dieser Kultserie dabei sein kann, denn so etwas gibt es ja sonst nicht mehr“, sagt sie. Die Zuschauer dürfen schon jetzt gespannt sein, wie Manon Straché ihre Rolle ausfüllen wird.

Natürlich sind auch die anderen altbekannten Charaktere wieder mit dabei - die Kammerschauspieler Susanne Bard als Beate Braune, Michael Günther als Joachim Sommer, Michael Magel als Andreas Mann (Ente) und Mike Manhartsberger als Tacho. Regie führt Oliver Breite, für die Ausstattung sorgt Meyke Schirmer.

Premiere am 30. November

Premiere ist am 30.  November um 19.30  Uhr in der Magdeburger Feuerwache. Weitere Vorstellungen folgen am 1.  und 2.  Dezember und vom 6.  bis einschließlich 9. Dezember um 19.30  Uhr sowie am 3. und 10.  Dezember um 17 Uhr.

Restkarten sind noch erhältlich und Karten, die nicht abgeholt werden, gehen zurück in den Verkauf. Es bestehen also noch Chancen, ein Plätzchen in der Feuerwache zu ergattern. Kartentelefon: 0391/60 28 09 oder www.feuerwachemd.de.