Magdeburg l „Da müssen wir unterhalb der Brücke erst mal einen Schotterweg anlegen, um mit schwerem Gerät für die Demontage heranzukommen. Und irgendwie auch die großen Pfeiler an Land ziehen.“ Vor seinem geistigen Auge verschwindet die aus den 1870er Jahren stammende Kanonenbahnbrücke in Magdeburg bereits. Ihren Namen hat sie durch viele Militärtransporte bekommen, die über sie hinweg rollten. Das ist lange her, die Überführung schon seit 1998 stillgelegt.

Dass der Abriss kommen muss, daran besteht für Besitzer Rolf Onnen kein Zweifel. Und in Teilen hat ihm auch der Stadtrat Magdeburg schon recht gegeben, als er die alte Eisenbahnbrücke aus der Rahmenplanung für den Stadtpark und den Heumarkt verbannte. Beim informativen Rundgang für Bürger am Heumarkt war das erst in der vorigen Woche wieder deutlich gesagt worden: Die Brücke über die Alte Elbe hat keine Zukunft mehr.

Brücke als Radschnellweg durch Magdeburg

Der ADFC und viele Fahrradenthusiasten in Magdeburg sehen das zwar anders, wollen sie gern als Teil eines künftigen Radschnellweges durch Magdeburg erhalten. Aber das dürfte ein äußerst schwerer Kampf werden.

Das Bauwerk sei längst „überflüssig“, eine Sanierung als Radfahrbrücke keinesfalls finanzierbar. Weder für den Förderverein noch für die Stadt, sagt Rolf Onnen.

Verein besitzt drei Magdeburger Brücken

Er und mit ihm der Verein ist Besitzer gleich dreier Magdeburger Brücken: der Hubbrücke über die Elbe, der Kanonenbahnbrücke über die Alte Elbe und der Brücke über die Taube Elbe am Winterhafen. Das Brückentrio musste er von der Bahn AG seinerzeit mit übernehmen, um an den lukrativen Elbbahnhof zu kommen und diesen mit einer Investorengruppe entwickeln zu können.

Immerhin gelang es dem Verein, die Hubbrücke mit Spendenhilfe begehbar zu machen. Der Hubbrücken-Erhalt allein sei schon eine Lebensaufgabe, meint Rolf Onnen. Die Kosten dafür seien stets höher als die Einnahmen, die mit den Spenden (z. B. aus der Bohlenaktion) oder Veranstaltungen wie dem White Dinner erzielbar seien.

Teure Brückenprüfung

Verantwortung hat der 68-Jährige aber auch mit den beiden anderen Brücken übernommen. Er habe jedoch keine Ahnung gehabt, wie aufwendig deren Erhalt sei. „Da war ich wohl etwas naiv“, so Onnen. Allein für die anstehende Brückenprüfung an der Hubbrücke würden 20.000 Euro fällig.

Geld, das nie und nimmer noch für zwei weitere Brücken aufzubringen sei. Schon der Abriss beider Brücken (er meint die Kanonenbahnbrücke und auch die am Winterhafen) werde teuer.

Mit Schrott Abriss finanzieren

Wie will er das bezahlen? Zum Teil über den Schrottpreis, der sich aus den Brückenteilen erzielen lässt. Die Pfeiler bestünden aus Granitstein, der „wunderbar dekorativ“ sei, z. B. für den Garten. Ein Verkauf von Steinen mit Widmung auf einer Messingplatte könne ebenfalls Erlöse einbringen. Und wenn das Geld nicht für den Abriss reicht? „Dann wäre mein Wunsch, dass die Stadt das Defizit übernimmt. Sie hat ja auch etwas davon, wenn die Brücke weg ist“, glaubt Onnen. Die alte Brücke könne der Anna-Ebert-Brücke im Flutfall gefährlich werden, so eine Befürchtung.

Als Blödsinn bezeichnet das der ADFC. Die Brücke habe 150 Jahre lang keinen Ärger gemacht und sei auch heute standsicher. Sie abzureißen, wäre „eine deutlich verpasste Chance“, betont Norman Dreimann. Als Radfahrerbrücke könne sie, etwa bei den Großevents im Stadion, äußerst nützlich sein. Eine schnelle Verbindung „abseits des Straßenverkehrs“, so der ADFC-Vertreter. Man halte am Ziel, für den Brückenerhalt zu kämpfen, fest.

Pylonbrücke soll 2020 stehen

Einen genauen Abrisstermin hat Brückenbesitzer Rolf Onnen unterdessen auch noch nicht. Im Zuge der Neugestaltung des Heumarkts und der Strombrückenverlängerung soll es aber passieren. Die moderne Pylonbrücke unweit der alten Kanonenbahnbrücke wird nach jetziger Planung 2020 stehen.