Truppenübungsplatz

Keine Entwarnung für Grundwasser

Bereiche des Truppenübungsplatzes Altengrabow sind PFC-belastet. Die Anlieger bleiben weiter verunsichert.

Von Simone Pötschke 02.03.2021, 00:00

Schopsdorf/Magdeburgerforth l Die Anrainerdörfer des Truppenübungsplatzes (TÜP) Altengrabow müssen weiter in der Ungewissheit leben, ob von den dort nachgewiesenen per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) eine Gefahr ausgeht. Von Sanierungen, die vorgenommen werden müssen, ist bisher nicht die Rede. Auf dem Truppenübungsplatz waren vor knapp zwei Jahren zunächst vier PFC-Verdachtsfälle bekannt geworden. Zum einen handelt es sich um die aktuell genutzte Feuerwache der Bundeswehr und die dazugehörige Abstellhalle für Fahrzeuge, zum anderen geht es auch um die alte Feuerwache und die alte Fahrzeugwaschanlage, die von der russischen Armee genutzt wurden.
Bisher stehen das genaue Ausmaß der Gefährdungen und die konkreten Schäden immer noch nicht vollständig fest. Landkreis-Sprecherin Claudia Hopf-Koßmann informierte auf Volksstimme-Anfrage, dass die Bundeswehr weiteren Untersuchungsbedarf auf den Flächen des Truppenübungsplatzes angezeigt habe. Die Eingrenzung der Hauptbelastungsbereiche sei noch nicht vollständig abgeschlossen, führte Hopf-Koßmann als Begründung an.
Der TÜP Altengrabow gehört zu den von der Bundeswehr genutzten Liegenschaften, die über ein dreiphasiges Altlastenprogramm der Bundeswehr bearbeitet werden. Erste Ergebnisse aus Boden- und Grundwasseruntersuchungen auf den Flächen bestätigten nicht unerwartet, dass sich sowohl im Boden als auch im Grundwasser PFC-Rückstände befinden. Bezüglich des Erdreichs gab die Bundeswehr nach etlichen Analysen Entwarnung. „Bei jetziger Nutzung“ der Flächen sah sie seinerzeit keinen weiteren Untersuchungsbedarf.
Ein differenzierteres Bild zeigte sich allerdings beim Grundwasser. Bei allen 20 Proben, die bei der Untersuchung gezogen worden waren, sei eine „ganz überwiegend geringe“ PFC- Konzentration nachgewiesen worden. Dennoch sprach die Bundeswehr schon im Frühjahr vergangenen Jahres von einem „weiteren Untersuchungsbedarf, der „für eine belastbare Gefährdungsbeurteilung bei Oberflächen-, Grund- und Trinkwasser“ notwendig sei. In der Sache hat es seitdem offensichtlich kaum Bewegung gegeben. Denn derzeit könne nach wie vor keine abschließende Gefährungsabschätzung“ vorgenommen werden, gab - ähnlich wie die Kreissprecherin - ein Bundeswehrsprecher zur Auskunft. Die Bundeswehr erwartet nun zu Beginn des zweiten Quartals dieses Jahres Ergebnisse. Aktuell würden zur weiteren Eingrenzung der PFC-kontaminierten Flächen 16 Rammkernsondierungen abgeteuft, also Bodenproben zur weiteren Analyse entnommen. Zusätzlich würden Grundwassermessstellen außerhalb des Truppenübungsplatzes, die im Zusammenhang mit dem Altlastenmonitoring auf dem TÜP beprobt und analysiert werden, auf PFC analysiert.
Aus der Sicht des Landkreises gibt es für die Anrainer damit durchaus noch keine Entwarnung. Es bestünde durchaus die Gefahr einer Verdriftung von PFC, einer Verbreitung durch Wasser, außerhalb Flächen der Liegenschaft, sagte Landkreissprecherin Hopf-Koßmann. In den aktuellen Untersuchungen, die dem Landkreis vorliegen – sie berücksichtigen die Ergebnisse der Boden- und Grundwasseranalysen von April bis Oktober 2020 – sei außerhalb der Liegenschaft bisher keine Überschreitung der sogenannten Geringfügigkeitsschwellenwerte festgestellt worden. Aber: Der Sprecher der Bundeswehr räumte ein, dass Überschreitungen des Schwellenwertes im Bereich der Eintragsstellen nachgewiesen wurden. Derweil, das sagt Rüdiger Claus, Ortsbürgermeister von Magdeburgerforth und Grünen-Chef des Jerichower Landes, blieben die Bedenken und Ängste der Bürger in den umliegenden Orten sehr groß. „Eine Belastung mit PFC, die die Nutzung unseres Wassers unmöglich macht, wäre eine Katastrophe.“ Claus hat im Februar erneut der Bundeswehr geschrieben und um Informationen zu neuen Erkenntnissen gebeten. Eine Antwort habe er nicht erhalten, sie sei ihm jedoch zugesagt worden.
PFC gelangt nicht nur über Löschschäume in die Umwelt, die Chemikalie ist auch in Outdoorkleidung, Pizzaverpackungen, Papptrinkbechern und Teflonbeschichtungen enthalten.