Magdeburg l In einem wochenlang andauernden und mit vier regionalen Elternkonferenzen in ganz Sachsen-Anhalt angereicherten Beteiligungsprozess hat der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Eltern angehört, deren Kinder eine Kita oder einen Hort in Awo-Trägerschaft besuchen. Insgesamt sind das mehr als 7000 Kinder im Land.

Wie muss aus Sicht ihrer Eltern gute Betreuung in Einrichtungen aussehen? Wer soll ein Recht auf Betreuung haben und zu welchen Kosten und Konditionen? Am 2. Mai 2018 präsentierten Eltern aus verschiedenen Landesteilen und natürlich aus Magdeburg die Ergebnisse ihrer Beratungen in der Kita „Buckauer Spatzen“. Eine Botschaft stand sämtlichen Eltern ins Gesicht geschrieben: Das Thema ist ihnen ernst.

Ganztagsanspruch für alle Kinder

„Alle Kinder sollen weiter den Anspruch auf Ganztagsbetreuung haben – unabhängig davon, ob ihre Eltern berufstätig sind. Wir wollen kein Zwei-Klassen-System“, sagt Jennifer Tannenberg, Mutter aus Schönebeck. Johannes Kluck, Vater aus Niederndodeleben, ist „sehr erstaunt“ über die unterschiedlichen Bedingungen in Sachsen-Anhalt. Kita-Beiträge differieren stark.

Einrichtungen im Umland (in Magdeburg heute untersagt) erheben zudem teils deftige Zusatzkosten, z. B. als Servicebeitrag für die Küchenfrau. Die AWO-Eltern fordern gleiche Bedingungen überall im Land, dass die Landesregierung die Obergrenze zunächst maximal auf Kindergeldhöhe (194 Euro im Monat) deckelt und ab dem 2. Kind gar keine Beiträge mehr erhoben werden.

Eltern fordern mehr Personal

Jennifer Fliegenschmidt, Mutter aus Magdeburg, teilt mit fast allen beteiligten Eltern den Eindruck einer teils komplett überforderten Belegschaft in Kitas und Horten, „zumindest, wenn Kollegen wegen Krankheit oder Elternzeit ausfallen“. Die Eltern fordern dringend mehr Personal in Kitas und Horten, sonst sei das politische Versprechen auf Bildung und Förderung in diesen Einrichtungen hohl.

„Das ist ein stark emotionales Thema. Es gibt ein großes Elterninteresse und rund 90 Prozent der Eltern, die sich an den Konferenzen beteiligten, sind gleicher Meinung“, sagt Gordon Schüler, der Elterninteressen sowohl in der Magdeburger Elternvertretung als auch auf Landesebene vertritt. Schüler fordert, dass Eltern gehört werden, bevor Politiker entscheiden. „Ich denke, wenn sich Eltern aus dem ganzen Land unserer Initiative anschließen, können wir schon Druck ausüben.“

Eltern sammeln Unterschriften

Die Awo-Eltern fordern mehr Personal, gedeckelte und später abgeschaffte Kita-Beiträge und gleiches Bildungs- und Betreuungsrecht für alle Kinder. Dafür sammeln sie ab sofort Unterschriften.