Magdeburg l „Gerade jetzt, vor der Eröffnung der neuen kommunalen Kitas, haben wir eine Superchance, die verlängerte Kita-Öffnung zu testen und Eltern mit dem entsprechenden Bedarf in die Piloteinrichtungen zu lenken.“ Die Magdeburger SPD-Stadträtin Birgit Steinmetz wirbt seit Jahren und aus eigener Erfahrung als vollberufstätige Mutter für die Schaffung von Kinderbetreuungsangeboten bis in die Abendstunden. Zur jüngsten Ratssitzung sind Steinmetz und ihre Unterstützer ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen.

Eine Ratsmehrheit stimmte dem Antrag der SPD zu, in „mindestens einer“ der vier neuen kommunalen Kitas (Eröffnung im Herbst 2018 geplant) verlängerte Öffnungszeiten von 5 bis 21 Uhr zu erproben. Eltern mit absehbarem Betreuungsbedarf über die aktuell üblichen Kita-Öffnungszeiten hinaus sollten im Jugendamt Magdeburg ihren Bedarf anmelden. Die Stadtverwaltung Magdeburg ist mit dem Ratsbeschluss beauftragt, den Bedarf zu bündeln und in die richtige Bahn – sprich, zur richtigen Kita – zu lenken.

Kinderbetreuung zeitlich verschoben

In der 16-Stunden-Kita werden Kinder nicht 16 Stunden am Tag betreut werden, sondern zu bei Bedarf verschobenen Zeiten. Heißt: Eltern könnten Kinder maximal zehn Stunden lang also von 5 bis maximal 15 Uhr oder von 11 bis maximal 21 Uhr betreuen lassen.

„Wir sind uns alle einig, dass so ein Angebot zwingend notwendig ist“, sagt Wigbert Schwenke, Vorsitzender der Fraktionsgemeinschaft CDU/FDP/BfM. Allerdings gebe es in seinen Reihen auch Debatten um das Kindeswohl: „Die muss man führen dürfen, wenn es um die Betreuung von Kleinkindern in Einrichtungen bis 21 Uhr geht.“

Stadtrat lehnt Nachweispflicht ab

Schwenke beantragte, dass Eltern ihren Bedarf an Spätbetreuung nachweisen müssten – zum Beispiel mittels Bescheinigung des Arbeitgebers. Eine Ratsmehrheit lehnte die Nachweispflicht ab.

Abgelehnt wurde auch die Forderung der Linken, das Thema zunächst in den Kita-Kuratorien (aus Erziehern und Eltern) debattieren zu lassen. Dennis Jannack verwies darauf, dass das Landesgesetz (Kifög) die Hoheit über die Öffnungszeiten eben in die Hände der Kuratorien legt.

Bedarf in Magdeburg bündeln

Gerade dieser Umstand verhindere aber, dass Kitas länger öffnen, so SPD-Fraktionschef Jens Rösler. Kinder von Eltern mit spätem Betreuungsbedarf seien über Einrichtungen in ganz Magdeburg verstreut. „Jetzt, vor der Eröffnung der neuen Kitas, haben wir die Chance zu sortieren und Eltern in Einrichtungen zu lenken, die – noch vor Eröffnung festgelegt – erweiterte Öffnungszeiten anbieten.“

Am Ende folgte eine Ratsmehrheit dem Antrag der SPD, ergänzt noch um einen Änderungsantrag von Helga Boeck (Links für Magdeburg). Demnach muss die Stadtverwaltung Magdeburg zusätzlich prüfen, ob auch eine der schon bestehenden kommunalen Kitas verlängerte Öffnungszeiten anbieten kann.

Trümper wirft weitere Fragen auf

Oberbürgermeister Lutz Tümper (SPD) reagierte im Rat lustlos auf die ihm übertragene Aufgabe: „5 bis 21 Uhr? Wie sollen wir das personell abdecken? Das geht nur im Schichtbetrieb. Und was ist dann eigentlich mit denen, die noch nach 21 Uhr arbeiten müssen?“

Die Sozialbeigeordnete hatte schon zuvor Bedenken in Sachen Personal und Organisation laut gemacht. Simone Borris warb dafür, dass sich die neuen Häuser bzw. deren Teams erst einmal einarbeiten könnten – ohne Zusatzöffnung. Eine Ratsmehrheit wischte die Bedenken der Verwaltung mit Verweis auf den von Eltern längst reklamierten Bedarf vom Tisch und wies per Beschluss die Langzeitöffnung mindestens eine neuen Stadt-Kita ab Herbst an.

Kritik an frühen Kita-Schließzeiten

Bei einer Eltern-Umfrage im Herbst 2015 hatten fast 700 Eltern Kritik an zu frühen Kita-Schließzeiten geübt. Die Stadt Magdeburg versprach daraufhin, im Rahmen ihrer Richtlinienkompetenz auch für die Mehrheit der Einrichtungen in freier Trägerschaft (bewirtschaftet von Vereinen und Verbänden) Regelöffnungszeiten von 6 bis 18 Uhr durchzusetzen.

Die Mehrheit der rund einhundert Einrichtungen in Magdeburg schließt allerdings bis heute um 17 oder 17.30 Uhr. In Sachen Spätbetreuung ist die Kita Kinderkasten (Wiener Straße) eine Rarität.