77 Fälle

Komasaufen nimmt in Magdeburg zu

Das Komasaufen, also der Alkoholmissbrauch, hat bei Magdeburger Jugendlichen zugenommen. Davor warnt die DAK-Gesundheit.

Von Peter Ließmann

Magdeburg l „Saufen bis der Notarzt kommt“ - für immer mehr Jugendliche in Magdeburg ist das kein flapsiger Spruch, sondern bitterer Ernst. Wie die DAK-Gesundheit jetzt meldet, sei die Anzahl alkoholbedingter Krankenhausaufenthalte von Kindern und Jugendlichen in Magdeburg im vergangenen Jahr um 11,6 Prozent auf 77 Fälle angestiegen. Der Anstieg ist damit fast doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt. 2015 landeten in Sachsen-Anhalt 496 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus, was einen Anstieg von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Das Statistische Landesamt habe diese Zahlen ermittelt.

Besondere Sorge bereite Experten der Alkoholmissbrauch von jüngeren Mädchen und Jungen. In der Altersgruppe der Zehn- bis 14-Jährigen mussten 14 Kinder wegen Alkoholmissbrauchs in einer Klinik behandelt werden, so die DAK-Gesundheit.

Alkohol sei auch weiter die Droge „Nummer eins“ unter Jugendlichen, sagt Evelin Nitsch-Boek, Leiterin der „Drobs“-Jugend- und Drogenberatung Magdeburg. „Und er ist auch immer noch eine Einstiegsdroge.“ Der vom Statistischen Landesamt ermittelte Anstieg des jugendlichen „Komasaufens“ in Magdeburg schlage sich in den Beratungsanfragen bei „Drobs“ allerdings nicht nieder. „Was auch nicht verwunderlich ist, denn für fast alle Jugendlichen, die sich in dieser radikalen Form betrinken, ist das Ende davon, nämlich erst auf einer Intensivstation eines Krankenhauses wieder aufzuwachen, der berühmte ,Schuss vor den Bug‘ mit durchaus heilsamer Wirkung. Und diese Jugendlichen kommen nur sehr selten zu uns“, weiß Evelin Nitsch-Boek aus ihrer Beratungserfahrung.

Das verringert allerdings nicht die große Gefahr des Komasaufens, so Nitsch-Boek. Denn schlimmstenfalls führe diese Art von Mutprobe zum Tode. Als besonders „kritische Masse“, die auch unter Magdeburger Jugendlichen immer mehr zunehme, sei der Mischkonsum von Drogen, etwa von Alkohol und Marihuana oder Haschisch. Und dass letzte Schultage immer häufiger in Alkoholexzessen mündeten, sei ebenfalls eine bedenkliche Entwicklung.

Hilfe und Infos bei „Drobs Jugend- und Drogenberatung“, Weidenstraße 6, Tel. 0391/2527096 und www.dak.de/buntstattblau.