Neue Pylonbrücke

Kontroverse um Kran-Beleuchtung auf Magdeburger Brückenbaustelle

Testweise hat Hochtief einen Hochkran an der Baustelle für die neue Pylonbrücke über die Alte Elbe in Magdeburg blau erleuchten lassen. Von der Stadt kam prompt ein Veto. Jetzt prüft die ökologische Bauüberwachung.

Von Konstantin Kraft
Volksstimme-Leser Uwe Apelt hat dieses Foto am vergangenen Freitag von der Rotehornbrücke aus aufgenommen.
Volksstimme-Leser Uwe Apelt hat dieses Foto am vergangenen Freitag von der Rotehornbrücke aus aufgenommen. Foto: Uwe Apelt

Magdeburg - Für ein paar Stunden konnten die Magdeburger am Ende der vergangenen Woche eine neue Attraktion am nächtlichen Horizont beobachten. Ein blauer „Leuchtturm“ strahlte da plötzlich weithin sichtbar vom Ufer der Alten Elbe aus. Dabei handelte es sich jedoch nicht um ein Riesenrad, wie man wegen der Nähe zum Messeplatz hätte vermuten können, sondern um einen Hochkran sowie ein Gerüst auf der Baustelle für die neue Pylonbrücke. Diese waren vom zuständigen Bauunternehmen Hochtief großzügig mit blauen Leuchtkörpern eingekleidet worden.

Doch das „Blaulicht“ kam nicht bei allen gut an. Sofort nach Kenntnisnahme hat die Landeshauptstadt Magdeburg den „Funktionstest“ der Beleuchtung aufgrund des vorliegenden Planfeststellungsbeschlusses untersagt, erklärt Rathaussprecherin Kerstin Kinszorra auf Volksstimme-Nachfrage. Kran und Pylon befinden sich in einem Schutzgebiet. „Durch die ökologische Bauüberwachung wird die Illumination der Kletterschalung und des Kranes gerade geprüft.“

„Baustellen-Branding“ von Hochtief

Die Beleuchtung von Hochkran und Pylon-Gerüst gehörte zum „Baustellen-Branding-Konzept“ von Hochtief, erklärt Antje Meeuw, Leiterin Kommunikation bei der Hochtief Building/Hochtief Engineering, auf Nachfrage. Also eine Werbemaßnahme, in einer Reihe mit anderen Fahnen und Bannern auf der Baustelle.

Laut der Hochtief-Sprecherin handelte es sich bei der zeitweisen Beleuchtung um einen „Probelauf“. Am Freitag und am Sonntag sollen Kran und Pylon-Gerüst in der blauen Unternehmensfarbe geleuchtet haben. Die Aktion soll „mit dem Auftraggeber, der Stadt Magdeburg, abgesprochen“ worden sein.

Irgendwo in der Abstimmung scheint es aber gehakt zu haben. Andernfalls hätte die Stadt die Beleuchtung wohl nicht unmittelbar nach Kenntnisnahme untersagt. „Es leuchtet jetzt erst einmal gar nicht mehr, bis die ökologischen Rahmenbedingungen geklärt sind“, betonte Karsten Eins, Projektleiter Ersatzneubau Strombrückenzug, am Rande einer Baustellenführung am Dienstag. Hochkran und Pylon stehen schließlich in dem geschützten Flora-Fauna-Habitat-Gebiet „Elbaue zwischen Saalemündung und Magdeburg“. Nur dank umfangreicher Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, darunter etwa die Revitalisierung des Prester Sees sowie Abriss und Renaturierung einer ehemaligen LPG-Anlage in Pechau, kann in dem Bereich überhaupt gebaut werden.

Durch das ungewöhnliche Leuchten an Hochkran und Pylon-Gerüst könnte das „Schutzgut Natur“ bedroht sein. Darunter etwa Fledermäuse, die sich durch das Licht fehlleiten lassen. Da hilft es auch nicht wirklich, dass das blaue Leuchten nebenbei als Bekenntnis zu den Vereinsfarben vom 1. FC Magdeburg gelesen werden könnte.

Pylon soll später ebenfalls angestrahlt werden

Karsten Eins stellte zudem noch einen anderen Punkt heraus: Demnach gelte die Maßgabe, dass unnötige Baustellenbeleuchtung zu unterlassen sei. Das dürften vor allem auch die Anwohner auf dem Werder unterstreichen, die mit dem blauen Licht vor ihrer Wohnung schlafen sollen.

Selbst wenn durch die ökologische Bauüberwachung keine Beeinträchtigung für das Schutzgut Mensch und Tier festgestellt werden sollte, müsste das zeitweilige Beleuchtungskonzept auf der Baustelle zuvor noch mit dem Umweltamt abgestimmt werden, so Kerstin Kinszorra.

Die Kontroverse um das Kranlicht rückt zugleich die Frage nach der späteren Beleuchtung für die neue Pylonbrücke in den Fokus. 2016 war im Auftrag der Landeshauptstadt Magdeburg ein Beleuchtungskonzept entwickelt worden, das weiterhin maßgeblich ist. So ist vorgesehen, dass die Innenseite der Pylonbeine genauso wie die seitliche Nut am Pylonkopf angestrahlt werden.

Optional ist auch eine farbige Beleuchtung der Stahlseile zu besonderen Anlässen möglich. Ziel der Brückenbeleuchtung sei es, die horizontalen und vertikalen Linien der Brücke im Dunkeln zu betonen und die Diagonalen zu verdecken. Dadurch soll ein „ruhig und anmutig wirkendes Bauwerk“ entstehen, „welches das Tor zur Stadt öffnet und den Passierenden leitet“.