Bestattung

Krach um die letzte Ruhe für Menschen jüdischen Glaubens in Magdeburg

Liberale Jüdische Gemeinde kritisiert Praxis der Stadt bei bedürftigen Menschen jüdischen Glaubens und fordert eine Regelung, damit auch Bedürftige auf einem jüdischen Friedhof beigesetzt werden.

Von Christina Bendigs
Blick auf den Eingang zum Israelitischen Friedhof in Magdeburg. Wenn die Stadt eine Ersatzbestattung finanziert, bleibt Menschen jüdischen Glaubens  die letzte Ruhe dort verwehrt.
Blick auf den Eingang zum Israelitischen Friedhof in Magdeburg. Wenn die Stadt eine Ersatzbestattung finanziert, bleibt Menschen jüdischen Glaubens die letzte Ruhe dort verwehrt. Foto: Christina Bendigs

Magdeburg - Wer kommt für Bestattungskosten auf, wenn ein Mensch kein Geld dafür hinterlassen hat und auch keine Angehörigen ausfindig zu machen sind, die dafür aufkommen könnten? In diesen Fällen springen die Kommunen ein. Die Stadt Magdeburg setzt in solchen Fällen Betroffene unabhängig von Religion und Nationalität in Form einer Ersatzbestattung auf dem Westfriedhof bei, „damit wird keine Religion oder Nationalität hinsichtlich der Bestattungsriten benachteiligt“, erklärt Pressesprecher Michael Reif. Doch die Liberale Jüdische Gemeinde zu Magdeburg ist damit nicht einverstanden.

Larisa Korshevnyuk betont als Vorsitzende, dass es andere Kommunen gebe, in denen Vereinbarungen getroffen worden seien: Menschen jüdischen Glaubens würden auch im Falle einer Ersatzbestattung auf einem Jüdischen Friedhof beigesetzt. Für den Fall der Fälle strebt sie eine solche Vereinbarung an. Wichtig ist ihr das aus mehreren Gründen: Die Bestattung im jüdischen Glauben muss möglichst innerhalb von 48 Stunden stattfinden, zudem auf einem geweihten Friedhof und eine Feuerbestattung ist nicht erlaubt. Ihre Kritik richtet sich auch gegen die Synagogen-Gemeinde als Verwalterin des Jüdischen Friedhofs in Magdeburg, die seit kurzem für eine Bestattung eine Kaution in Höhe von 1800 Euro erhebt.

„Wenn ein Mensch jüdischen Glaubens stirbt, ist es eine immens wichtige religiöse Verpflichtung, die Bestattung auf einem eingeweihten jüdischen Friedhof nach jüdischem Religionsritus und so schnell wie möglich durchzuführen“, erklärt Max Privorozki als Vorsitzender des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt. Für Bestattungen seien die Angehörigen zuständig, danach die jüdischen Gemeinden. Wie die Stadt Magdeburg verfährt, sei dem Verband nicht bekannt.

In fünf Jahren eine Bestattung nach jüdischem Ritus von der Stadt Halle finanziert

Dass es geht, machen andere Kommunen vor. In den vergangenen fünf Jahren sei in Halle eine Bestattung nach jüdischem Ritus von der Stadt finanziert worden, sagt Halles Pressesprecher Drago Bock. „Verstorbene jüdischen Glaubens werden auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt“, erklärt er. Dafür fielen rund 2500 bis 3500 Euro an.

Auch in Niedersachsen ist es möglich, dass Menschen jüdischen Glaubens bei einer von der Stadt finanzierten Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof die ewige Ruhe finden. „Wenn die Landeshauptstadt Hannover die Bestattung einer Person zu veranlassen hat, die jüdischen Glaubens ist, und uns kein individueller Wille bekannt ist, so gehen wir davon aus, dass sie den Wunsch hatte, nach jüdischem Ritus auf einem Friedhof ihrer Gemeinde bestattet zu werden“, erläutert Udo Möller als Pressesprecher. Eine Statistik der Ersatzbestattungen nach Religionszugehörigkeit werde nicht geführt.

Magdeburgs Pressesprecher Michael Reif informiert, dass die Stadt in den vergangenen 18 Jahren nicht ein einziges Mal eine Ersatzbestattung für einen Menschen jüdischen Glaubens habe finanzieren müssen. Die Stadt handele nach Vorgaben des Bestattungsgesetzes und könne erst nach zehn Tagen tätig werden – und zwar nur, wenn niemand anderes gefunden wird. Die Bestattung auf einem jüdischen Friedhof könnten nur Hinterbliebene beauftragen. Aus religiösen Gründen und beim Vorliegen eines letzten Willens sei eine Erdbestattung möglich, ebenso rituelle Waschungen.

Politiker wollen sich für eine Vereinbarung einsetzen

Nach der Veröffentlichung eines Beitrages in der Jüdischen Allgemeinen, die vom Zentralrat der Juden herausgegeben wird, gibt es inzwischen erste politische Reaktionen. So postet Dennis Jannack (Die Linke) via Facebook, dass er mit seiner Fraktion eine Lösung anstreben wolle. „Ich bin dabei, über Kollegen, die Kontakte zu jüdischen Gemeinden haben, in Erfahrung zu bringen, was wir machen können“, sagt er auf Volksstimme-Nachfrage.

Die Synagogen-Gemeinde erklärte zur Begründung für das Erheben einer Kaution, dass die Gemeinde in Vorleistung gehe. Wiederholt sei es vorgekommen, dass die Kosten nicht beglichen worden seien. Die Kaution wird nicht nur für Mitglieder der Liberalen Jüdischen Gemeinde erhoben, sondern für alle, die eine Beerdigung auf dem jüdischen Friedhof wünschen.